24.06.2014
Animationsfilm in bester Tim-Burton-Tradition

Jack und das Kuckucksuhrherz


Jack und das Kuckucksuhrherz Mit "Jack und das Kuckucksuhrherz" hat das Multitalent Mathias Malzieu nicht nur einen wundervollen Animationsfilm über die Kraft der Liebe geschaffen, sondern auch ein Plädoyer für Toleranz gegenüber Andersartigkeit. Ganz nebenbei ist er aber auch eine Liebeserklärung an die Zeit, in der die Bilder laufen lernten. Freunde Tim Burton'scher Bildsprache dürften ihre helle Freude an der düsteren, skurril-romantischen Tragikomödie mit Musical und Rock-Oper-Elementen haben.

Eine hochschwangere Frau schleppt sich mit letzter Kraft einen vereisten Berg hinauf, auf dessen Spitze ein einsames Haus steht. Wir befinden uns im Edinburgh des auslaufenden 19. Jahrhunderts, es ist der kälteste Tag in der Geschichte Schottlands. Die ermattete Frau bricht vor dem Eingang entkräftet zusammen, wird jedoch von Madeleine, der Besitzerin des Hauses, ins Warme gezogen. Madeleine entpuppt sich nicht nur als Retterin, sondern glücklicherweise auch als Hebamme. So wird der kleine Jack geboren und fachmännisch untersucht. Doch der Schreck ist groß, denn Jacks Herz ist mitnichten das, was es sein soll. Es ist ein Klumpen Eis. Kurz entschlossen operiert Madeleine den Jungen und ersetzt das kalte Herz durch eine Kuckucksuhr. Daran sind jedoch drei Regeln gebunden, die Jack einhalten muss, um sein Leben nicht zu gefährden. Er darf nicht an die Zeiger der Uhr gehen, sich nicht aufregen und vor allem – sich nicht verlieben. Doch selbstverständlich ist die Liebe nicht fern und tritt schon bald in Form der kurzsichtigen und bezaubernden Sängerin Acacia in Jacks Leben. Das Glück ist jedoch nur von kurzer Dauer, die Kuckucksuhr gibt vor lauter Liebe ihren Geist auf und Acacia verschwindet verstört. Madeleine rettet Jack ein zweites Mal und dieser begibt sich auf die Suche nach der schönen Fremden. Diese führt ihn zunächst zu einer Schule, auf der er von Joe, der nicht nur der Schulbösewicht, sondern ungünstigerweise auch ein Verehrer Acacias ist, gepeinigt wird. Während eines Streits verletzt Jack Joe schwer und er muss fliehen. Doch Jack gibt nicht auf und mit Hilfe des Illusionisten George Méliès geht die Odyssee weiter und führt ihn endlich zu einem Rummelplatz. Doch dort befindet sich nicht nur Acacia, sondern auch sein Widersacher Joe. Es kommt zum Showdown und Jack muss eine Entscheidung auf Leben und Tod treffen.

Jack und das Kuckucksuhrherz Basierend auf seinem Kinderbuch "Die Mechanik des Herzens" verfasste Mathias Malzieu die Musik und Texte für das Konzeptalbum "La Mécanique du Coeur" seiner – hierzulande leider recht unbekannten – Band Dionysos. So war es nur logisch, die Idee zu Ende zu führen, indem man den Figuren auch virtuell Leben einhaucht. Mithilfe von Luc Besson sowie Co-Regisseur Stéphane Berla entstand ein phantasievolles und surreales Kinomärchen, das nicht nur in bester Tim-Burton-Tradition steht, sondern laut Malzieu auch von Jarmusch, Fellini, Gorey, Jeunet und Tod Browning beeinflusst ist. "Jack und das Kuckucksuhrherz" ist ganz offensichtlich ein höchst persönlicher Film, er schielt absichtlich auf kein bestimmtes Publikum, auf keine bestimmte Altersgruppe. Auch musikalisch wird eine wilde Achterbahnfahrt geboten. Dementsprechend schwierig dürfte sich die Vermarktung gestalten und es bleibt zu hoffen, dass dieses kleine Filmjuwel genug junggebliebene Erwachsene finden wird, die es verzaubern kann.  

Oliver Forst / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Universum Film

 
Filmdaten 
 
Jack und das Kuckucksuhrherz (Jack et la mécanique du coeur) 
 
Frankreich 2013
Regie & Drehbuch nach seinem eigenen Buch: Mathias Malzieu; Co-Regie: Stéphane Berla;
Produzent: Luc Besson; Schnitt: Soline Guyonneau;

Länge: 93,04 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih der Universum Film GmbH; deutscher Kinostart: 3. JUli 2014



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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