22.12.2012
Der einsame Held im Dienste der Gerechtigkeit

Jack Reacher


Jack Reacher: Tom Cruise Schon bevor er auf die Leinwand kommt, eilen ihm düstere Vorzeichen voraus: "Holt Jack Reacher!" schreibt ein des mehrfachen Mordes Angeklagter beim Polizeiverhör auf einen Zettel. Ist Jack Reacher ein Freund oder ein Feind? Warum muss er seine Identität verschleiern, warum irrt er durch die Zeitgeschichte ohne Spur umher? Bis wir die ganze Geschichte erfahren, dauert es eine immerhin kurzweilige weil spannende Filmzeit. Der Held ist stark überzeichnet, der Film doch sehr brutal, mit einem mitunter in die unfreiwillige Komik umschwappendem übertriebenem Nebencharakter mit Akzent, der leider manche Szene verdirbt. Trotz dessen ein gelungener Thriller, der gut Spannung aufbauen und halten kann.

Ausgerechnet Werner Herzog, der Filmemacher, der mit dem schwierigen Klaus Kinski zusammengearbeitet hat ("Aguirre, der Zorn Gottes", u.a.) und für Filme wie "Bad Lieutenant" verantwortlich zeichnete, stellt hier einen fiesen miesen bösartigen Ex-Sträfling namens "The Zec" dar, der für das nackte Überleben alles – aber auch wirklich alles – tun würde. Die Überzeichnung dieser Nebenrolle führt zur peinlichen Überdrehung und zu unglaubwürdigen Szenen, die eigentlich der düsteren angstmachenden Seite des Films eine tiefere Dimension verleihen sollten. Die deutsche Synchronisation könnte dieses Manko noch ausgleichen, weil die schlechte Englischaussprache Herzogs da nicht zu hören sein wird.

Ansonsten beschäftigt sich der Film viel mit dem Bösen und was böse Menschen so alles anrichten können, wenn die Vernunft ausgeschaltet ist. Strahlend und gut kommt aber dann der Held daher – zum Teil sogar im Robin-Hood-Stil, als ihn eine Gruppe von Menschen in einer Bushaltestelle verstecken und vor der Verfolgung der Polizei in Schutz nehmen – eine wenig glaubwürdige, dennoch aber witzige Szene – und stellt sich auf die Seite der Schutzlosen. Auch wenn dies bedeutet, sich über das Gesetz zu stellen.

Jack Reacher: Tom Cruise, Robert Duvall Jack Reacher, früher Major in einer Eliteeinheit der US-Militärpolizei, ermittelt gekonnt und psychologisch die Hintergründe einer regelrechten Hinrichtung von scheinbar zufälligen Passanten auf offener Straße. Er zeigt, dass selbst gute Ermittlungsergebnisse hinterfragt werden müssen, weil das Böse immer gewissenloser und raffinierter wird. Und er nimmt mit in die menschliche Leidensgeschichte der Opferfamilien. Mitcharaktere wie eine Rechtsanwältin und deren Vater tauchen im Schatten Reachers regelrecht unter. Sehr bescheiden gestreuter, dafür aber feinsinniger Humor kommt in der Gestalt des "Cash", gespielt von Robert Duvall, auf. Dass Tom Cruise ein begnadeter Schauspieler ist, und es hier wieder einmal beweist, steht wohl kaum zur Debatte – auch wenn man mit seinen Überzeugungen als Privatmensch nicht unbedingt viel anfangen kann.

Der Versuch, eine fantastische Kampfszene aus "Last Samurai" nachzuspielen, gelingt auch ganz gut – Tom Cruise allein gegen fünf Gegner. Dennoch erreicht sie bei weitem nicht das Niveau der Vorgängerin. Die vom Genre nicht wegzudenkende Auto-Verfolgungsjagd ist vom Fachmann, da kommen Action-Fans auf ihre Kosten. Die 007-hafte Überzeichnung des einsamen Helden hat vielleicht zum Ziel, eine neue Marke zu produzieren, die nach einem Sequel verlangt.

Jack Reacher: Werner Herzog als The Zec Produzent Tom Cruise und Regisseur Christopher McQuarrie arbeiteten als Hauptdarsteller und Drehbuchautor in "Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat" bereits zusammen. Letzterer arbeitet am Drehbuch zu "Mission Impossible 5", geplant für 2015. Die beiden sind wahrlich kein schlechtes Team, aber es zeugt an manchen Stellen entweder von Beratungsresistenz oder von mangelhafter Beratung. Interessant an diesem Film ist die schwere Unterscheidbarkeit zwischen Gut und Böse, wenn man in ein Gesicht sieht. Neu an dem Action-Stil ist vor allem eine wortlose Kommunikation, wo man die Charaktere richtig denken hört und ihre nächste Handlung gedanklich mitentwickelt – das macht als Zuschauer Spaß, weil eine Art Interaktion mit den Leinwandmenschen entsteht.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Paramount Pictures

 
Filmdaten 
 
Jack Reacher (Jack Reacher) 
 
USA 2012
Regie: Christopher McQuarrie;
Darsteller: Tom Cruise (Reacher), Rosamund Pike (Helen), Richard Jenkins (Rodin), David Oyelowo (Emerson), Werner Herzog (The Zec), Jai Courtney (Charlie), Vladimir Sizov (Vlad), Joseph Sikora (Barr), Michael Raymond-James (Linsky), Alexia Fast (Sandy), Josh Helman (Jeb), Robert Duvall (Cash) u.a.;
Drehbuch: Christopher McQuarrie nach der Buchvorlage von Lee Child; Produzenten: Tom Cruise, David Ellison, Dana Goldberg, Don Granger, Gary Levinsohn, Kevin J. Messick, Paula Wagner; Kamera: Caleb Deschanel; Musik: Joe Kraemer; Schnitt: Stephen M. Rickert Jr., Kevin Stitt;

Länge: 130,44 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih der Paramount Pictures Germany GmbH; deutscher Kinostart: 3. Januar 2013



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Offizielle Seite zum Film
<22.12.2012>


Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe