09.06.2008
Alles beim Alten

Indiana Jones
und das Königreich
des Kristallschädels


Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels Noch ehe das erste Bild an die Öffentlichkeit gelangte, unkten schon die Kritiker: Kann der 65-jährige Harrison Ford wirklich noch einmal den Mann mit Hut und Peitsche geben? Nun, 19 Jahre nach seinem letzten Auftritt, ist Indiana Jones wieder da und zeigt: Ja, er kann!
Seiner Rückkehr in "Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels" ging eine große Werbekampagne voran, sollte der Film doch der Sommerblockbuster 2008 werden. Die Marketingleute zielten dabei ebenso auf die Sentimentalität alter Indy-Veteranen wie auf neue Fans ab, die die Trilogie nur von VHS und DVD kennen. Vielleicht war das der Grund, warum es bei der Premiere in Cannes dann so viele lange Kritikergesichter gegeben hat, die uns erzählen wollten: Ein schlechter bis mäßiger Film, dem die Magie der klassischen Trilogie fehlt.

Es traf sich ganz gut, dass einige Tage zuvor eine Meldung im Netz umging, wonach ein alter Fan nach der Vorschau des Films seiner Enttäuschung Luft machte und in seinem Blog den Film verriss. Was Besprechungen wie diese zeigen? Dass auch Kritiker altern und dazu neigen, (Jugend-) Erinnerungen zu verklären. Nicht wenige von ihnen waren Teenager, als sie die Trilogie im Kino sahen und beklagen nun den Verlust des Besonderen, der jenen Filmen angehaftet haben soll – man steigt nicht zweimal in den gleichen Fluss. Das mag tragisch für die Befindlichkeit alternder Jungens sein (und man mache sich nichts vor: Indiana Jones ist eine Jungensache). Es ändert aber nichts an der Güte des neuesten Indy-Abenteuers.

Hier ist alles wie beim Alten. 1957, also etwa 20 Jahre nach der Handlung des letzten Films, wird Dr. Jones reaktiviert. Sowjet-Agenten unter dem Degen der mysteriösen Irina Spalko (Cate Blanchett) haben den Archäologen entführt, um mit seiner Hilfe einen Kristallschädel zu finden und dessen Geheimnis zu lüften. Dabei reist der Archäologe mal wieder um die halbe Welt, liefert sich Verfolgungsjagden, Scharmützel und gibt den bösen Buben eins auf den Deckel. Weil Sean Connery nicht mehr dabei sein will (Ruhestand), hat Indy einen neuen Sidekick: den jungen Rocker Mutt, dessen Unerfahrenheit, Draufgängertum und Eitelkeit Steilvorlagen für klassische Indysprüche liefern.

Tatsächlich weist "Indiana Jones 4" mehr Kontinuitäten als die Teile der klassischen Trilogie auf, weil er beständig auf sie verweist. Die ersten Kämpfe ficht Indy in jener Halle voller Staatsgeheimnisse aus, in der am Ende des ersten Films die Bundeslade verstaut wird. Auf der Suche nach dem Kristallschädel begegnet er auch seiner Flamme aus "Indiana Jones 1": Karen Allen gibt wieder die schlagfertige Marion Ravenwood. Die Anlehnung an die alten Filme geht so weit, dass Spielbergs bewährter Kameramann Janusz Kaminski sogar den Stil seines Vorgängers Douglas Slocombe imitierte, was sich vor allem in der starken Kulissenausleuchtung zeigt.

Das Ergebnis ist ein angenehm "klassischer" Actionfilm, der noch einmal in die abgeschlossen gewähnte Welt des Archäologen führt. Mit den Tugenden aus der alten Trilogie und dem Mut zum Alten sticht "Indiana Jones 4" aus der Flut schnell geschnittener, CGI-überfrachteter Filme deutlich hervor. Er zeigt auch, dass Alter und Action sich nicht ausschließen. Im Gegensatz zu dem generalüberholten Muskelmonster Sylvester Stallone in "John Rambo" macht Ford nämlich auch mit 65 noch eine gute und würdige Figur.  

Thomas Hajduk / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle des Fotos: Paramount

 
Filmdaten 
 
Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels 
(Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) 
 
USA 2008
Regie: Steven Spielberg;
Darsteller: Harrison Ford (Indiana Jones), Cate Blanchett (Dr. Irina Spalko), Karen Allen (Marion Ravenwood), Shia LaBeouf (Mutt Williams), Ray Winstone (George 'Mac' McHale), John Hurt (Professor Henry 'Ox' Oxley), Jim Broadbent (Dean Charles Stanforth) u.a.; Drehbuch: David Koepp, George Lucas; Produktion: Frank Marshall; Ausführende Produktion: Kathleen Kennedy, George Lucas; Co-Produktion: Denis L. Stewart; Kamera: Janusz Kaminski; Musik: John Williams; Länge: 122 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Paramount; deutscher Kinostart: 22. Mai 2008



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Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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