deutscher Kinostart: 26. Mai 2005
Rezension publiziert: 18. April 2005

Alte Götter und neue Technik

Immortal
- New York 2095:
Die Rückkehr der Götter


FilmszeneDer Plot ist schnell erzählt: New York, 2095. Der altägyptische Gott Horus hat Stress mit seinen Kollegen, sie wollen ihm die Unsterblichkeit aberkennen. Eine Woche hat der Gott des Lichts nun Zeit, dieses Schicksal abzuwenden, indem er sich eines Mannes bemächtigt und so mit der weißhäutigen Jill ein Kind zeugt, denn Jill ist eine der wenigen Frauen, die Götter gebären kann...

Was der 102minütige SciFi-Film-Mix "Immortal" aus Frankreich bietet, ist ein bestens bekanntes Amalgam. Die Anleihen bei Kinovorgängern wie "Blade Runner", "Star Wars" und "Das fünfte Element" - um nur einige zu nennen - sind nicht zu übersehen. Die Hochtechnologie ist von Rost angefressen und die Menschen, oder das was von ihnen übrig ist, sind zusammengeflickte Wracks.
FilmszeneAußerirdische, Androiden und allerlei Mischformen haben die Einwanderungsdebatte auf einen neuen Level katapultiert. Doch die Wege der Macht sind die gleichen geblieben: Allumfassende Medienpräsenz, korrupte, machtbesessene Politiker und eine skrupellose, gewinnorientierte Industrie, die im Hintergrund die Fäden zieht. In dieser düsteren Megametropole streift Horus nun, auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten umher.

Schiller, der für die antiken Götter schwärmte und in seinen Gedichten deren Verdrängung durch den Monotheismus beklagte, hätte an der Idee der wiederkehrenden Götter bestimmt Gefallen gefunden. Allerdings wäre ihm die Freude schnell vergangen, denn hier sind die Götter nur sehr bedingt himmlisch. Horus mordet auf der Suche nach einem Männerkörper ohne Bedenken alle unbrauchbaren Kandidaten, bis er schließlich in Nikopol (Thomas Kretschmann) das geeignete Menschenmaterial findet. Der politische Gefangene war für dreißig Jahre in Stickstoff eingefroren, verfügt also über einen Tiefkühlkörper bester Qualität. Und wo Zeus sich noch die Mühe machte, sich in einen Schwan zu verwandeln, um die schöne Leda zu verführen, da behilft sich der Falkengott mit Gewalt und Vergewaltigung.

FilmszeneFür den Film spricht, neben den komisch-ironischen Einsprengseln (zum Beispiel Jills Besuch im "Menschen-Museum"), dass Regisseur und Drehbuchautor Enki Bilal ohne Berührungsängste verschiedene Techniken mischt. Ganz selbstverständlich kombiniert er Schauspiel mit Comic und digitaler Tricktechnik. Dieser Mix lässt die Frage nach guten Special Effects, die "wie echt" wirken, erst gar nicht aufkommen, denn die Comicsequenzen sind bewusst als solche eingefügt und stehen gleichberechtigt neben den Spielfilmszenen. Die Darsteller bleiben in diesem bildwuchtigen Werk allerdings blass, nur Charlotte Rampling gelingt es, ihrer Figur, der eigenwilligen Ärztin Elma Turner, eine persönliche Note zu verleihen.

FilmszeneInsgesamt kommt der Film sehr unentschieden daher. Will er Märchen sein, Krimi oder Actionstreifen, Liebesgeschichte gar? Es gibt einen Cop, der wegen Horus' Morden auf den Plan gerufen wird, es gibt Verfolgungsjagden, Bett- und Barszenen. Der Streifen hat von allem etwas und läuft außerdem fast über von Zitaten aus der Film- und Kulturgeschichte. Doch dem Zuschauer bietet sich in diesem Wirrwarr nichts, woran er sich festhalten könnte; keine positive Identifikationsfigur erlaubt ein Mitfiebern. Und auch die Bösen sind so eindimensional, dass ihr Scheitern keine Gefühle beim Publikum wecken kann. Da ist auch fast schon das allzu rosige Ende des Films egal...

Frank Zimmermann / Wertung: * * (2 von 5) 
  

Quelle der Fotos: Tiberius Film

 
Filmdaten 
 
Immortal - New York 2095: Die Rückkehr der Götter 
Immortal / Immortel (ad vitam) (Frankreich 2004) 
 
Regie: Enki Bilal;
Darsteller: Charlotte Rampling (Frau Professorin Turner), Linda Hardy (Jill Bioskop), Thomas Kretschmann (Alcide Nikopol) u.a.; Drehbuch: Enki Bilal, Serge Lehman; Produktion: Charles Gassot, Daniel J. Walker, Dominique Brunner; Schnitt: Véronique Parnet; SFX und Licht: Matthieu Grospiron; Produktionsdesign: Jean-Pierre Fouillet; Kostüme: Mimi Lempicka; Maske: Nicolas Degennes; Casting: Bernard Savin Pascaud; Kamera: Pascal Gennesseaux; Musik: Goran Vejovoda; Länge: 103 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Tiberius Film


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<26. 5. 2005>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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