03.04.2017

Immer Ärger mit 40

Judd Apatow ist einer der wenigen echten Autorenfilmer in der von Patentrezepten gezeichneten Komödien-Landschaft Hollywoods. Mit "Jungfrau (40), männlich, sucht..." und "Beim ersten Mal" landete Apatow zwei große Blockbuster, bevor sein dritter Kinofilm, die Tragikomödie "Wie das Leben so spielt", dramaturgischen Leerlauf zum Erzählprinzip erhob. Bei "Immer Ärger mit 40" schert sich der Regisseur abermals wenig um hergebrachte Erzählkonventionen. Stattdessen verästelt Apatow seinen Film in mehrere Handlungsstränge und Nebenerzählungen, die nicht immer eine Auflösung erfahren.

Debbie und Pete – zwei Nebenfiguren aus "Beim ersten Mal" – leben mit zwei gemeinsamen Töchtern in gehobenen Mittelschicht-Verhältnissen. Auf den ersten Blick scheint alles gut, doch Petes Indie-Plattenlabel steht kurz vor der Pleite, Debbie wird als Modeboutique-Besitzerin von ihren Angestellten bestohlen und die Töchter liegen im Dauer-Clinch. Hinzu kommen die nahenden 40. Geburtstage des Paares, die den Handlungsrahmen abstecken und das Phänomen Midlife Crisis in die Waagschale werfen.

Thematisch verhandelt "Immer Ärger mit 40" Liebesbeziehungen an Wendepunkten, Geldprobleme und Generationskonflikte, die in verschiedenen Konstellationen gleich mehrfach eine Rolle spielen. Doch über eine handfeste, logisch voranschreitende Handlung verfügt die familiäre Tragikomödie nicht. Wie bei Judd Apatow üblich, bevölkern zahlreiche Nebenfiguren mit je eigenen Problemen den Plot – darunter eine selbstironische Megan Fox, Albert Brooks als Vater oder Jason Segel als Fitnesstrainer. So ergibt sich eine überbordende, zerfaserte und serielle Erzählweise, die an die Struktur einer Sitcom erinnert, und mit humorvollen wie lebensnahen Dialogen und der routinierten Inszenierung auch fernab üblicher Erzählweisen glänzend unterhält.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Immer Ärger mit 40
(This Is 40)

USA 2012
Regie & Drehbuch: Judd Apatow;
Darsteller: Paul Rudd (Pete), Leslie Mann (Debbie), Maude Apatow (Sadie), Iris Apatow (Charlotte), Jason Segel (Jason), Albert Brooks (Larry), Annie Mumolo (Barb), Robert Smigel (Barry), Megan Fox (Desi), Charlyne Yi (Jodi), Chris O'Dowd (Ronnie), Lena Dunham (Cat), John Lithgow (Oliver), Melissa McCarthy (Catherine), Tatum O'Neal u.a.;
Produzenten: Judd Apatow, Barry Mendel, Clayton Townsend; Kamera: Phedon Papamichael; Musik: Jon Brion; Schnitt: David L. Bertman, Jay Deuby, Brent White;

Länge: 133,37 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 14. März 2013



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Zitat

"Er etablierte eine Form der Filmkritik, wie es sie vorher und nachher nicht mehr gab. Merker bestand darauf, bei der Auswahl der Filme und der Ausschnitte freie Hand zu haben - was heutzutage, im Zeitalter der immer gleichen Clips, undenkbar ist. Jahrelang gaben sogar die großen Verleihe nach, weshalb Hollywood bei ihm eine ebenso große Rolle spielte wie unabhängig gedrehte, schützenswerte Werke. Helmut Merker mochte nicht einzelne Filme, sondern er liebte das Kino."

Aus dem Nachruf von Milan Pavlovic in der Süddeutschen Zeitung zum Tode des früheren WDR-Filmredakteurs, Filmpublizisten und
-kritikers Helmut Merker (18.08.1942 - 03.09.2018)

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