04.11.2019

I Phone You

Berlin ist ebenso angesagt wie das iPhone. In "I Phone You" des chinesischen Regisseurs Dan Tang kommt nun beides zusammen und auch ansonsten ist die nach einem Drehbuch von Wolfgang Kohlhaase gedrehte Romantikkomödie – zumindest auf den ersten Blick – recht nah dran am Zeitgeist. Um ihre Flamme Vong (Aaron Hong Le) zu besuchen, reist die junge Chinesin Ling (Yiyan Jiang) von China nach Deutschland. In der deutschen Hauptstadt angekommen, schickt der plötzlich allzu beschäftigte Vong seinen Bodyguard Marco (Florian Lukas), um Ling zu verdeutlichen, dass sie doch bitte den nächsten Flieger zurück in die Heimat nehmen soll. Doch die verliebte Frau gibt nicht so schnell auf, schüttelt Marco ab und begibt sich auf die Suche nach ihrem Geliebten – der Beginn einer Odyssee durch Berlin, die Ling auf ganz verschiedene Menschen aus aller Herren Länder treffen lässt.

Die Irrfahrt der Protagonistin läuft episodisch ab und lebt zuallererst von der Situationskomik und den wie immer treffsicheren Dialogen von Wolfgang Kohlhaase. Das iPhone steht symbolisch für das Thema der fehlgeleiteten Kommunikation, das der Film zwar oberflächlich, aber auf verschiedenen Ebenen verhandelt. So gerät Ling immer wieder an Grenzen, weil sie kein Deutsch sprechen kann und reist nach Berlin, weil Vong in der Kommunikation via iPhone gänzlich anderes verlauten ließ als von Angesicht zu Angesicht. Dem Schauplatz und der weltweiten Vernetzung durch das Internet, das ja bekanntlich im iPhone drinsteckt, zollt "I Phone You" in Form einer verspielten Culture-Clash-Komödie Tribut.

Regisseur Dan Tang inszeniert diese Geschichte mit heiterer Musik, in bunten Hochglanzbildern wie aus einem Werbespot und ästhetischen Spielereien wie jener, dass die Untertitel während der zahlreichen Telefongespräche des Films je nach Sprecher ihre Farbe ändern. Neben den glänzenden Dialogen sind es vor allem auch die Schauspieler, die "I Phone You" tragen: Florian Lukas überzeugt als alteingesessener Berliner mit Bärtchen und einer schönen Mischung aus Unbeholfenheit, Coolness und schierer Präsenz, während die sympathische Yiyan Jiang durchaus plausibel macht, dass ihr alle Männer auf der Stelle verfallen. Sicherlich hätte "I Phone You" ein wenig mehr Substanz aus seinem Thema filtern können, aber auch in der vorliegenden Form funktioniert er als im positiven Sinne kurzweiliger Unterhaltungsfilm.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

I Phone You


Deutschland/China 2011
Regie: Dan Tang;
Darsteller: Yiyan Jiang (Ling Ling), Florian Lukas (Marco), Annette Frier (Kellnerin Susi), Marie Gruber (Obdachlose), Aaron Hong Le (Vong), Tino Mewes (Student), Fritz Roth (Polizist), Christian Sengewald (Bernie), Godehard Giese u.a.;
Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase; Produzenten: Cornelia Ackers, Dagmar Mielke, Daria Moheb Zandi, Andreas Schreitmüller, Peter Schwartzkopff; Kamera: Andreas Höfer; Musik: Smod; Schnitt: Sebastian Thümler;

Länge: 94,51 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 26. Mai 2011



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  regisseure/schauspieler   |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
Zitat

"Es erscheint mir albern, dass etwas so Richtiges und Einfaches erkämpft werden muss."

("It just seems silly to me that something so right and simple has to be fought for at all.")

Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe