23.07.2013
So long, sister!

¡Hasta La Vista, Sister!


¡Hasta La Vista, Sister! Eva Birthistle, Charity Wakefield Lässiger Jazz, coole Schwarz-Weiß-Bilder, eine bittersüße Grundstimmung und skurrile Charaktere in der nachtgrauen Großstadt. Ein talentierter Jungregisseur, ein aussichtsreiches Kinodebüt und ein Plot, der ohne ein Ziel zu suchen doch zu einem findet. Wer das mag, mochte vermutlich auch "Oh Boy". Wer sich den Titel gemerkt hat, sollte sich nun einen zweiten merken: "¡Hasta La Vista, Sister!". Der kommt laut Filmplakat "NACH 'OH BOY' JETZT" in die Kinos – und hat mit Jan-Ole Gersters Tragikomödie weder dessen Qualitäten, noch sonst irgendetwas gemein.

¡Hasta La Vista, Sister! FilmplakatDer dreiste Werbetrick ist nur ein weiteres der Warnzeichen, denen der schottische Schwestern-Streifen mehr als gerecht wird. Erstes Warnsignal ist das Postermotiv. Es zeigt Newcomerin Charity Wakefield in einem kecken Hosenanzug im 50ties-Style an eine alte Karosse gelehnt. Dahinter liegt eine sonnenüberflutete Landstraße, auf der sich der in Havanna geborene Tanzstar Carlos Acosta nähert. Spielt die Handlung in den 50ern? Spielt die niedliche Charity Wakefield die weibliche Hauptrolle? Spielt Acosta ihr romantic interest? Spielt alles in Havanna, wo alle leidenschaftlich tanzen? Spielt dazu die Musik vom Buena Vista Social Club? Äh, nein. Nein. Nein. Nein. Und nochmals nein. Dafür könnte das Stichwort "Buena Vista Social Club" eine zusätzliche Werbezeile auf dem Poster liefern: "nachdem 'Buena Vista Social Club' vor Jahren im Kino lief, startet jetzt" ... leider "¡Hasta La Vista, Sister!". Dessen deutscher Titel ist unfreiwillige Ironie, möchte man doch die Abfuhr der missglückten Inszenierung erteilen, allen voran der unsympathischen Titelfigur Rosa (Eva Birthistle).

Der starrsinnigen Tochter einer nach Kuba ausgewanderten Mutter dient der Vorname, den sie mit der Arbeitervorkämpferin teilt, zur Rechtfertigung eines wirren Sozialaktionismus. Dass Luxemburg gegen Krieg und Militarismus war, ist der selbstgerechten Weltverbesserin Rosa offenbar entgangen. Oder desinteressierten Passanten politische Pamphlete aufzudrängen, wie Rosa es tut, macht auf Dauer aggressiv. Letztes gilt in jedem Fall für die dramaturgische Klischeefolge, die sich problemlos vom Zuschauer im Kopf beenden ließe, ohne dass der Regisseur und seine banalen Postkartenansichten von Kuba diese Aufgabe übernehmen. Rosa hat eine kleine Schwester, mit der sie zu Filmbeginn als kleines Mädchen durch Familienaufnahmen tollt. Inzwischen ist Ailie (Wakefield) erwachsen und ein "Fashion Victim", laut einer Aussage von Rosa Mitstreitern. Zu letzten gehört Rosas entspannter Kumpel Conway (Bryan Dick), der das ungleiche Gespann auf der Reise nach Kuba begleitet.

¡Hasta La Vista, Sister! Bryan Dick, Charity Wakefield Dort verbrachte ihr Vater Roddy die glücklichste Zeit seines Lebens, das gerade zu Ende gegangen ist. Um dem Materialismus und Stiefmutter Brenda ein Schnippchen zu schlagen, stiehlt Rosa während der Trauerfeier die väterliche Asche. Daraus will Brenda eine Golftrophäe machen, Rosa indes plant sie getreu dem Motto "Entwenden statt Entweihen" auf Kuba beizusetzen. Geschehen soll dies am "Day of the Flowers" (der Originaltitel des Films). Doch der kubanische Zoll beschlagnahmt die Asche und bleibt vom Herannahen des Nationalfeiertags unbeeindruckt. Anders ergeht es der spröden Rosa, die der Tänzer Tomas (Carlos Acosta) und der zwielichtige Ernesto (Christopher Simpson) umwerben. Man ist auf Kuba, da erwartet das Publikum eben die gängigen Klischees von Temperament, Revolutionsgeist und Kriminalität und dem "wahren" Kuba, die der ideenarme Plot gnadenlos durchexerziert. Die schlimmsten Stereotypen allerdings sind die Figuren, die einem aus zahllosen Filmen ähnlicher Machart bekannt sind.

Augenscheinlich fand nicht einmal der X-Verleih, der den vom Edinburgh-Filmfestival übrig gebliebenen Familienfilm herausbringt, einen anderen positiven Bezug als dem, dass er im Programm auf "Oh Boy" folgt. Mehr Verbindungen gibt es nicht zwischen dem preisgekrönten Kleinod und Roberts klischeehafter "Sister", zu der Tomas passend sagt: "Es tut mir leid, dass ich die je getroffen habe."  

Lida Bach / Wertung: * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: X-Verleih

 
Filmdaten 
 
¡Hasta La Vista, Sister! (Day of the Flowers) 
 
GB 2012
Regie: John Roberts;
Darsteller: Eva Birthistle (Rosa), Charity Wakefield (Ailie), Carlos Acosta (Tomas), Bryan Dick (Conway), Christopher Simpson (Ernesto), Manuel de Blas (Ignatio Palma), Luis Alberto García (Ernestos Cousin Camilo), Phyllis Logan (Brenda), Olivia Poulet (Lucy), Robert Fitch (Bob), Daniel Weyman (Martin), Elizabeth Hopley (Harriet) u.a.;
Drehbuch: Eirene Houston; Produktion: Jonathan Rae; Kamera: Vernon Layton; Musik: Stephen Warbeck; Schnitt: David Freeman, Alex Mackie, John Wilson;

Länge: 99,31 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih der X-Verleih AG; deutscher Kinostart: 29. August 2013



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<23.07.2013>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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