14.01.2018
Die "Mutter des Buddhismus" - von den Regisseuren verklärt?

Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit


Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit: Ole und Hannah Nydahl In Zeiten, in denen Menschen wieder vermehrt auf die Suche nach Religion und Spiritualität gehen, kommt dieser Dokumentarfilm in die Kinos: "Hannah – Ein buddhistischer Weg zur Freiheit" handelt von einer Dänin und ihrem Mann Ole, die den Buddhismus in die westliche Welt brachten. Dass Hannah Nydahl 2007 an Krebs starb, berichtet der Film erst am Ende, zuvor geht der Film chronologisch auf ihren Lebensweg ein, der sie als Hippie und 68er-Kind nach Nepal führte. Hannah suchte – und fand. Lernte wichtige Buddhisten kennen, darunter den 16. und den 17. Karmapa. Letzterem verhalf sie zur Flucht vor den Chinesen. Hannah und Ole vermittelten die religiösen Lehren an Interessierte in Europa und Nord- wie Südamerika.
Zu oft fallen Sätze wie "Es war beeindruckend", beim Karmapa oder einem anderen Lehrer dabei gewesen zu sein, ohne dass der Film das Besondere am Buddhismus vermitteln kann. Aber die Bilder sind durchweg sehr gut gewählt: Es sind starke Eindrücke, die der Zuschauer mitnimmt.

Hineingeboren in eine intellektuelle Familie mit rational denkendem Vater, fand die Titelfigur Hannah Nydahl den Weg zum Hippie und zu den 68ern. Mit dem Hippie Trail gelangte sie, frisch mit Ole verheiratet, 1968 nach Nepal. Die Nydahls werden die ersten westlichen Schüler des Karmapa, dem geistigen Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie des tibetischen Buddhismus. Mit dem Ziel, sie ihrerseits zu Lehrern zu machen. Erfolgreich; sie vermitteln daraufhin in der westlichen Welt die Lehren des Karmapa und gründen buddhistische Zentren.

Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit: Hannah und Ole Nydahl mit dem Karmapa Dies alles erzählt der Film vor allem in Form von Interviews, auch mit Hannah, die 2007 starb. Diese Interviews mit ihr stammen aus dem Archiv, während die Regisseure Marta György-Kessler und Adam Penny weitere Weggefährten und Familienmitglieder sprechen. Dabei ergibt sich ein umfassendes Bild Hannahs, der "Mutter des Buddhismus". Den Interviews unterlegt sind Bilder des Lebenswegs Hannahs. Videos wie Fotos aus der Zeit, als sie zur buddhistischen Vermittlerin, Ole zum Lama wurde. Die Bilder sind stark gewählt, sie sind eindrucksvoll. Hannah und Ole verhelfen dem 17. Karmapa zur Flucht vor den Chinesen ins Exil und geraten in Kolumbien in Gefangenschaft. Aus ihr werden sie gerettet, aber Hannah überlebt nicht lange: 2007 stirbt sie an Lungenkrebs. Sie soll die Erkrankung gefasst getragen haben.

Das Bild ist rund. Aber den Zuschauer stört eventuell etwas. War alles so perfekt gelaufen? Oder arbeiteten die Regisseure an einer Verklärung? Erst aus "titel, thesen, temperamente" kann man erfahren, dass Ole sich heutzutage genießerisch als Lama und Held feiern, verehren lässt. Dass Marta György-Kessler selbst durch Hannah Buddhistin wurde, zeigt die Bereitschaft der Regisseurin, dem runden Bild keinen Schaden zuzufügen. Wen aber das Sujet ernsthaft interessiert, für den ist der Film ein Gewinn.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: W-film, Connected Pictures

 
Filmdaten 
 
Hannah - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit (Hannah – Buddhism's Untold Journey) 
 
GB 2014
Regie & Produktion: Marta György-Kessler, Adam Penny;
Kamera: Guy Nisbett; Musik: Tom Hickox, Chris Hill; Schnitt: Simon Barker, Hamish Lyons;

Länge: 93,34 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von W-film Distribution; deutscher Kinostart: 18. Januar 2018



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<14.01.2018>


Zitat

"Er war einer der großen deutschen Filmhistoriker, hellsichtig, leidenschaftlich, präzise. Aus dem Münchner Filmmuseum, das er von 1973 bis 1994 leitete, machte er einen Ort für alle, die das Kino lieben und verstehen wollen, wie es funktioniert. Zusammen mit seiner Frau Frieda Grafe setzte er neue Maßstäbe für die Reflexion über den Film als Kunstform. Durch umfangreiche Retrospektiven schärfte er den Blick auf die Werke bedeutender Filmemacher, aber auch für die Komplexität des Genre-Kinos. Er rekonstruierte Klassiker wie 'M' oder 'Metropolis' und schuf damit ein Bewusstsein für den Reichtum des Stummfilms."

Aus dem SPIEGEL-Nachruf zum Tode des Filmpublizisten
und -kritikers Enno Patalas (15.10.1929 - 07.08.2018)

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