08.04.2017

Hangover 2

Mit seiner überdrehten Buddy-Komödie "Hangover" landete Regisseur Todd Phillips vor zwei Jahren einen großen Überraschungshit, der unerwartet das Vielfache seines Budgets einspielte. Mit "Hangover 2" wollen Phillips und das produzierende Studio Warner diesen Erfolg ganz unverhüllt kopieren, was ihnen schon deshalb nicht gelingt, weil sie die Zutaten des ersten Teils allzu beliebig, uninspiriert und maßlos in die Fortsetzung packen. Konnte schon der erste Teil nicht über die volle Laufzeit sein Niveau halten, erscheint der zweite von der ersten Minute an überflüssig, weil er sich allzu offensiv auf dem Vorgänger ausruht.

Eigentlich ist "Hangover 2" kein Sequel, sondern ein Remake. Dieses Mal geht's zu Stus (Ed Helms) Hochzeit nach Thailand, doch am Abend vor der Eheschließung gerät ein Bier mit den mitgereisten Kumpels Phil und Alan (Bradley Cooper & Zach Galifianakis) außer Kontrolle. Dass keiner der drei Männer auch nur die leiseste Erinnerung an die vergangene Nacht hat, als sie am nächsten Morgen in einer abgewrackten Wohnung irgendwo in Bangkok aufwachen, versteht sich von selbst – schließlich ist Hangover drin, wo Hangover draufsteht. Als neue Figur komplettiert Stus künftiger Schwager Teddy (Mason Lee) das Ensemble, der wie der Bräutigam aus Teil 1 verschollen ist und dringend gefunden werden muss. So hangeln sich die gebeutelten Kumpels mit frischer Glatze und geröteter Gesichtstätowierung von einer Station zur nächsten und rekonstruieren die konfusen Ereignisse der Nacht, wobei sie unter anderem an einen schweigsamen Mönch, eine transsexuelle Stripperin und einen rauchenden Affen geraten.

Der Esprit des Originals geht der gestelzt wirkenden Fortsetzung fast völlig ab – lediglich eine Handvoll guter Gags und der Restcharme der Darsteller retten den schalen Neuaufguss vor der absoluten Leere. Programmatisch für die Einfallslosigkeit von "Hangover 2" stehen einige Szenen, die die schlichte Anwesenheit der Hauptfiguren in Zeitlupe zelebrieren ohne darüber hinaus irgendetwas beizutragen: Die kenne ich, soll das Publikum denken, das ist doch das Wolfsrudel, die haben doch in Vegas – und jetzt eben in Bangkok.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Hangover 2
(The Hangover Part II)

USA 2011
Regie: Todd Phillips;
Darsteller: Bradley Cooper (Phil), Ed Helms (Stu), Zach Galifianakis (Alan), Justin Bartha (Doug), Ken Jeong (Mr. Chow), Paul Giamatti (Kingsley), Mike Tyson als er selbst, Jeffrey Tambor (Sid Garner), Mason Lee (Teddy), Jamie Chung (Lauren) u.a.;
Drehbuch: Craig Mazin, Scot Armstrong, Todd Phillips; Produzenten: Daniel Goldberg, Todd Phillips; Kamera: Lawrence Sher; Musik: Christophe Beck; Schnitt: Debra Neil-Fisher, Mike Sale;

Länge: 101,39 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 2. Juni 2011



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"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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