11.02.2016
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Eröffnungsfilm

Hail, Caesar!


Eddie Mannix (Josh Brolin) ist ein "Fixer". Der Hauptcharakter der Komödie, mit der Joel und Ethan Coen nach drei Jahren auf die Leinwand zurückkehren, bügelt in den 1950ern für das fiktive Studio Capitol Pictures die Eskapaden der Stars wieder aus. So viel reaktionäre Schönrederei, wie das konfuse Hollywood-Märchen liefert, ließe allerdings selbst Eddie erblassen.

Hail, Caesar!: Josh Brolin, Tilda SwintonDie diversen Anspielungen der Coens auf authentische Ereignisse sind so leicht zu entziffern wie die Aliase für reale Persönlichkeiten vor und hinter den Kulissen des alten Hollywood. Der trottelige Studio-Star Baird Whitlock (George Clooney), den kommunistische Drehbuchautoren vom Set des titelgebenden Films kidnappen und der in einem Seehaus im John-Lautner-Stil mit ihren Zielen sympathisiert, ist Kirk Douglas (der geblacklistete Autoren wie Dalton Trumbo unterstützte). Cowboy-Darsteller Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) ist James Ellison. Burt Gurney (Channing Tatum), der als singender, steppender Seemann auftritt, ist Gene Kelly. Weil Kelly ablehnte, vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe auszusagen, steckt Gurney hinter Whitlocks Entführung und taucht mit eine russischen U-Boot ab. Hochglanz-Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) verkörpert George Cukor und verschaffte dem rosa-roten Gurney einst via Casting-Couch die erste Rolle. Noch schlechter als Linksliberale und Homosexuelle kommen bei den Coens weibliche Figuren weg. Die wenigen Frauen sind dümmliche Starletts wie Gloria DeLamour (Natasha Bassett), die Eddie aus einem Pin-up-Shooting holt, oder dümmliche Stars wie die Carmen-Miranda-like Carlotta Valdez (Veronica Osorio, deren Film-Name auf "Vertigo" anspielt). Glamour-Girl DeeAnna Moran (Scarlett Johansson), deren uneheliche Schwangerschaft Eddie vertuschen soll, ist eine Mischung aus Schwimmstar Esther Williams und Loretta Young.

Hail, Caesar!: George Clooney Tilda Swinton ist als Thora und Thessaly Thacker die bissigen Klatschreporterinnen Hedda Hopper und Louella Parson in einer Person. Und wenn Frauen wie Frances McDormands kettenrauchende Editorin C.C. Calhoun (eine Anspielung auf Margaret Booth von MGM) technische Geräte bedienen, endet das ohne männliche Hilfe tödlich. So seriell wie es klingt ist das ganze anzusehen, trotz des beeindruckenden Ensembles. Laut Tatum und Clooney auf der Pressekonferenz genügt ein Anruf der Coens, damit sie sofort zusagen. Resultat ist eine Story, die selbst die bemühte Erzähler-Stimme (Michael Gambon) nicht zusammenhält. "Hail, Caesar!" ist eine ernüchternd witzlose Tour über nostalgische Film-Sets, wo altmodische Western-Serien, Wasserballett-Filme und Bibelschinken wortwörtlich vorgeführt werden. Eddie Mannix gab es übrigens wirklich. Der Fixer für MGM hatte allerdings weder das markante Profil von Brolins Protagonist, noch dessen moralische Erhabenheit. Stattdessen war er in George Reeves' Tod verwickelt. Seine erste Frau, die ihn wegen Gewalttätigkeit verlassen wollte, starb bei einem Unfall. Eddie glaubte nämlich nicht an Scheidung. Seine zweite Frau trennte sich zwar von ihm, sie blieben aber verheiratet. Womöglich dachte sie an das Schicksal ihrer Vorgängerin. Klingt nach einer ziemlich dreckigen Story? Nun, die Coens haben sie blütenweiß gewaschen.

Ihre Mythologisierung des korrupten, heuchlerischen, von Rassismus und Sexismus geprägten Studio-Systems ist eine indirekte Mythologisierung ihrer eigenen Methoden der Idealisierung einer unrühmlichen Vergangenheit. Wie heißt es vor dem Abspann? "Die Geschichte von Eddie Mannix wird nie enden."  

Lida Bach / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Universal Pictures

 
Filmdaten 
 
Hail, Caesar! (Hail, Caesar!) 
 
USA / GB 2015
Regie: Ethan Coen, Joel Coen;
Darsteller: Josh Brolin (Eddie Mannix), George Clooney (Baird Whitlock), Alden Ehrenreich (Hobie Doyle), Ralph Fiennes (Laurence Laurentz), Scarlett Johansson (DeeAnna Moran), Tilda Swinton (Thora Thacker / Thessaly Thacker), Frances McDormand (C. C. Calhoun), Channing Tatum (Burt Gurney), Jonah Hill (Joseph Silverman), Veronica Osorio (Carlotta Valdez) u.a.;
Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen; Produzenten: Tim Bevan, Ethan Coen, Joel Coen, Eric Fellner; Kamera: Roger Deakins; Musik: Carter Burwell; Schnitt: Roderick Jaynes (Pseudonym der Coen-Brüder);

Länge: 106,11 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Universal Pictures International Germany GmbH; deutscher Kinostart: 18. Februar 2016



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Der Film im Katalog der Berlinale
<11.02.2016>


Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe