21.09.2011
Treue über den Tod hinaus

Hachiko
- Eine wunderbare Freundschaft


Auch nach dem Tod seines Herrchens wartet der treue Hund Hachi jahrelang auf dessen Rückkehr – so schnell ist die Handlung des Films erzählt. Wäre da nicht ein besonderer Hund im Spiel. Und gäbe es da nicht diese außergewöhnliche Freundschaft. Und steckte da nicht eine wahre Geschichte dahinter. Denn es gab einen echten "Hachiko", einen Hund der Rasse Akita, der ab 1925 zehn Jahre vor dem Tokyoter Shibuya-Bahnhof täglich auf die Rückkehr seines verstorbenen Herrchens, des Universitätsprofessors Hidesaburo Ueno wartete. Der Regisseur Lasse Hallström verpflanzte die Geschichte in einen kleinen US-amerikanischen Vorort, wobei einiges an poetischer Umgestaltungsfreiheit nötig war, um die Logik der Handlung nachvollziehbar hinzubiegen. Es ist der hingebungsvollen Darbietung von Richard Gere zu verdanken, dass die sympathische Hauptfigur, die Freundschaft zwischen Tier und Mensch, wie auch der Film insgesamt die nötige Anschaulichkeit und sogar eine kleine Prise Zauber erhält.

Schon 1987 wurde in Japan die Geschichte vom Regisseur Seijiro Koyama mit dem Titel "Hachiko Monogatari" verfilmt – manche behaupten, das Original sei besser als das amerikanische Remake. In Letzterem haben wir es mit einem amerikanischen Universitätsprofessor für Musik, Parker Wilson, zu tun, dem ein aus Japan importierter Akita-Welpe vor die Füße läuft. Die Anschrift des Empfängers ist verloren gegangen (warum das Tier ausgerechnet in einem kleinen Vorort Connecticuts, Bedridge Station, landet ist schwer nachzuvollziehen). Das Tier war stundenlang in seinem japanischen Holzkäfig unterwegs – keiner beachtet es oder gibt ihm etwas zu trinken – sind die Menschen in Amerika so wenig tierfreundlich? Außerdem will niemand den putzigen Fellball haben. Alle Angesprochenen haben einen Grund, das Tier abzulehnen, einschließlich des Tierheims, das ihm nur einen Aufenthalt von zwei Wochen sichern will – ist das so in den USA? Schwer nachvollziehbar, denn ein Welpe ist nicht so schwer zu vermitteln. Die sonst sehr feinfühlige Frau des Professors verbietet den Hund lautstark (was eine Verbannung in den eiskalten Schuppen zur Folge hat) – um sich später völlig zu drehen, und den getreuen Augen des Tieres zu unterliegen. Man hat den Eindruck, dass der Film künstlich kleine Konflikte konstruiert, um die fehlende Dramatik aufzupeppen.

Aber – wenn da nicht das "Aber" wäre – Professor Wilson hat ein Herz. Er beschützt das niedliche Tier so gut er kann, er nimmt es zur Arbeit mit – obwohl keine Hunde im Zug erlaubt sind (wieder eine Ungereimtheit?). Er bringt das Wollknäuel spät des Nachts aus dem eisigen Schuppen ins Wohnzimmer, dann sitzen sie beide vor dem Fernseher und essen Popcorn aus dem gleichen Behälter – das ist Freundschaft. Wilson kriecht auf allen Vieren, um Hachi das Apportieren beizubringen (was letzterer aus Intelligenzgründen verweigert), und es wächst zwischen ihnen ein unsichtbares mysteriöses Band, das auch der plötzliche Tod des Professors nicht durchtrennen kann. Und das ist es, was die wirkliche Qualität des Films ausmacht: die intuitive, starke Verbindung zwischen dem netten Professor und dem intelligenten, treuen, einfallsreichen Hachi, der trotz Verboten einen Weg findet, seinen Professor morgens zum Zug zu begleiten und pünktlich um 17 Uhr wieder da abzuholen. Nach dem Tod des Professors lässt sich Hachi nicht davon abbringen, Wilson zu den gewohnten Uhrzeiten jahrelang am Bahnhof zu erwarten – so, als ob sein Wille allein diesen wieder in der Bahnhofstür erscheinen lassen könnte.

Die Kamera nimmt manchmal die Perspektive des Hundes ein – eine gelungene Idee, die den Hund als handelnde Persönlichkeit darzustellen vermag. Besonders hervorzuheben ist die wunderbar-melancholische Klaviermusik des Films – taktisch auch etwas ostentativ eingebaut durch das zu unterrichtende Fach Musik des Universitätsprofessors. Dennoch begleitet diese Musik durch den ganzen Film so intensiv, dass sie Elegie und emotionale Tiefe verleiht. Die Nebencharaktere bleiben schemenhaft, sie erfüllen leicht zu durchschauende Zwecke, wie z.B. der japanische Freund des Professors, der einfach mal so beim Nachmittagstee die noble Herkunft der Akita-Hunderasse beschreibt, oder der indische Hotdog-Verkäufer, der sich gut sichtbar eine Träne wegwischt, als Wilsons Witwe den treuen Hachi wiedersieht.

Gedreht wurde in der angeblich "französischsten" Stadt der USA, in Woonsocket, Rhode Island, unweit vom fiktiven "Bedridge" des Films. Die Stadt und das französische Flair spielen jedoch inhaltlich keine Rolle. Ganz anders als der wirklich existierende Shibuya-Bahnhof. Noch zu Lebzeiten erhielt der echte Hachiko eine Statue am Bahnhof, das Tier wurde nach dem Tod präpariert und steht im Nationalmuseum der Naturwissenschaften in Tokyo. Der westliche Bahnhofsausgang, an dem Hachiko immer gewartet hatte, heißt offiziell "Hachiko Exit". Als ob sich die Menschen unserer schnelllebigen Welt die Sehnsucht nach ausdauernder Loyalität und Freundschaft so lange wie möglich personifiziert vor Augen halten wollten.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

 

 
Filmdaten 
 
Hachiko - Eine wunderbare Freundschaft (Hachiko: A Dog's Story) 
 
USA 2009
Regie: Lasse Hallström;
Darsteller: Richard Gere (Parker Wilson), Joan Allen (Cate Wilson), Sarah Roemer (Andy), Cary-Hiroyuki Tagawa (Ken), Jason Alexander (Carl) u.a.;
Drehbuch: Stephen P. Lindsey nach dem Drehbuch von Kaneto Shindô zu dem Film "Hachiko monogatari" (1987); Produzenten: Richard Gere, Bill Johnson, Shin Torisawa, Vicki Shigekuni Wong; Kamera: Ron Fortunato; Musik: Jan A.P. Kaczmarek;

Länge: 93 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Prokino Filmverleih GmbH; deutscher Kinostart: 12. November 2009



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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