12.03.2019
Der Rassenhass 1962 im preisgekrönten Film mit Anspielungen auf die Gegenwart

Green Book
- Eine besondere Freundschaft


Green Book - Eine besondere Freundschaft Peter Farrelly, einer der beiden Brüder, die hinter Komödien wie "Dumm und dümmer" (1994) und "Verrückt nach Mary" (1998) stecken, wurde ernst. Er drehte mit "Green Book – Eine besondere Freundschaft", an dessen Drehbuch er mit mehreren Autoren beteiligt war, wieder eine Komödie, doch ist es eine Tragikomödie über Rassenhass. Zwar im fernen 1962 spielt "Green Book", der drei Academy Awards (Oscars) gewann, darunter als Bester Film – aber Anspielungen auf die Gegenwart der Donald-Trump-Regierung und deren Gleichgültigkeit gegenüber Rassismus bis hin zu latentem, manchmal manifestem Hass auf Minderheiten sind zweifellos eingeplant.
Ein Italoamerikaner, der die Gesetze der Straße beherrscht, wird zum Chauffeur eines erfolgreichen schwarzen Pianisten auf dessen Reise in die US-Südstaaten. Mehr als einmal sind die Erfahrung und die Kampfbereitschaft des Tony Lip vonnöten. Mancher Satz des Films erinnert an Kalender-Weisheiten, aber dem Film sind Intelligenz und die richtige Einstellung nicht abzusprechen.

In einem Spielfilm, der ebenfalls ein US-Film ist, ebenfalls den Academy Award, den Oscar, für den Besten Film gewann und ebenfalls auf wahren Begebenheiten basierte, "12 Years a Slave" (2013, Regie: Steve McQueen), wird ein im Bundesstaat New York lebender schwarzer Geigenspieler scheinbar engagiert – am nächsten Tag findet er sich in den Südstaaten als Sklave wieder. Der Film spielte 1841.

Über hundert Jahre später, zu Zeiten John F. Kennedys, ist "Green Book" angesiedelt. Aber hat sich seitdem viel an den US-Südstaaten geändert? Die Sklaverei ist abgeschafft, der Hass bleibt.

Green Book - Eine besondere Freundschaft "12 Years a Slave" und "Green Book" handeln von schwarzen Musikern aus New York. Beide leben dort frei, ohne Ablehnung, denn ihre Heimat ist liberal, das war sie schon im 19. Jahrhundert und zu Zeiten des Pianisten Dr. Don Shirley (Mahershala Ali, der für die Rolle mit dem Oscar ausgezeichnet wurde), den es wirklich gegeben hat, erst recht. Shirley hat etwas auf den ersten Blick Unverständliches vor: Er sucht scheinbar die Gefahr, er will 1962 auf Konzert-Tournee in das Gebiet des Rassenwahns, die Südstaaten, und braucht explizit einen Chauffeur und implizit einen Beschützer. Der italienisch stämmige Tony Lip (Viggo Mortensen) benötigt einen Job, so finden sie zueinander. Was Dr. Shirley nicht weiß, vielleicht ahnt: Der Film hat schon die Ablehnung Lips gegenüber Schwarzen gezeigt. Lip wird seine Haltung im Verlauf des Films revidieren, sie werden am Schluss des Films besonders beste Freunde sein, um den deutschen Filmtitel zu zitieren.

Lip, eigentlich Tony Vallelonga, aber er hat eine kesse Lippe, mit der er sich schon mehrfach aus komplizierten Situationen herausredete, wird mehrfach in den einzelnen Film-Episoden zum Retter Shirleys. Was den Pianisten in die Region der Schwarzenhasser, der Rassentrennung treibt, erklärt der Film gegen Ende und braucht es doch nicht zu tun: Shirley will für Gleichberechtigung demonstrieren, Kultur zwischen den unterschiedlichen Hautfarben vermitteln, die harte Nuss der illiberalen Haltung aufbrechen. An Bord des feinen Cadillac Coupe De Ville: ein Buch, das den Filmtitel bestimmt, das "Negro Motorist Green Book", ein Reiseführer für afroamerikanische Besucher der Südstaaten, ein Taschenbuch, das Unterkünfte und Restaurants auflistet, in denen Schwarze erwünscht sind. Dennoch kommt es zu brenzligen Situationen, auch mit Polizisten, denn selbst die sind für Farbige nicht gerade immer Freund und Helfer. Was sich bis in die Trump-Ära nicht geändert hat. Was zu beweisen war, die Vorfälle der jüngsten Vergangenheit gingen durch die Medien.

Green Book - Eine besondere Freundschaft Wie Don Shirley versucht der Film, zu zeigen, dass das Miteinander der Menschen unterschiedlicher Hautfarben möglich sein kann, dass gar Freundschaft drin ist, auch wenn Lip der einfache Arbeiterklassen-Mann mit später abgebauten Vorurteilen ist und Shirley auch nicht besser, da er eine Mauer um sich gebaut zu haben scheint, Popmusik Schwarzer kaum oder gar nicht kennt, im beinahe wortwörtlichen Elfenbeinturm sitzt (seine große Wohnung über der Carnegie Hall enthält Elfenbein) – fast demonstriert der Film zu viel des Guten in der Hinsicht, er ist nicht ganz klischeefrei, aber er hat das Herz auf den rechten Fleck. Dass "Green Book" vorhersehbare Entwicklungen in den einzelnen Episoden beschreibt mitsamt zu druckreifen Dialogen, darüber lässt sich weitestgehend hinwegsehen, da der Film seinem oben genannten Ziel stringent treu bleibt und sich dabei stets aufs Neue weiterentwickelt, dadurch nie langweilt. Mit hervorragenden Schauspielern.

Lip und Shirley gab es wirklich. Lip wurde Schauspieler unter anderem in den Filmen "GoodFellas" (1990) und "Donnie Brasco" (1997) und in der TV-Serie "Die Sopranos", Dr. Don Shirley war der seinerzeit gefeierte Konzertpianist, wie es der Film erzählt. Beide blieben Freunde bis zum Tode, sie starben 2013 jeweils in den 80ern kurz hintereinander.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: eOne Germany

 
Filmdaten 
 
Green Book - Eine besondere Freundschaft (Green Book) 
 
USA 2018
Regie: Peter Farrelly;
Darsteller: Viggo Mortensen (Tony Lip), Mahershala Ali (Dr. Donald Shirley), Linda Cardellini (Dolores), Sebastian Maniscalco (Johnny Venere), Dimiter D. Marinov (Oleg), Mike Hatton (George) u.a.;
Drehbuch: Nick Vallelonga, Brian Currie, Peter Farrelly; Produzenten: Jim Burke, Brian Currie, Peter Farrelly, Nick Vallelonga, Charles B. Wessler; Kamera: Sean Porter; Musik: Kris Bowers; Schnitt: Patrick J. Don Vito;

Länge: 130,57 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih der Entertainment One Germany GmbH; deutscher Kinostart: 31. Januar 2019

Auszeichnungen:

Academy Awards 2019 (Oscars 2019):
- Bester Film
- Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali)
- Bestes Originaldrehbuch

Nominiert außerdem:
- Bester Hauptdarsteller (Viggo Mortensen)
- Bester Schnitt

Golden Globes 2019
- Bestes Drehbuch Spielfilm
- Bester Film Musical oder Komödie
- Bester Nebendarsteller (Mahershala Ali)

Nominiert außerdem:
- Beste Regie
- Bester Hauptdarsteller (Viggo Mortensen)

u.a.



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Zitat

"Dass er als ehemals verfolgter polnischer Jude nach dem Zweiten Weltkrieg in das Land der Mörder seiner Familie ging, um Filme zu produzieren und sich auch für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands engagiert einsetzte, ist ein wahres, ein großes Geschenk für unser Land. ... Zumal Artur Brauner dies [das Produzieren von Filmen über den Holocaust; Red.] schon in einer Zeit vorantrieb, in der man in Deutschland die eigene Schuld und die Mitwirkung an den Verbrechen der Nazis noch eher verdrängte, als diese aufzuarbeiten."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Tode des legendären Filmproduzenten Artur "Atze" Brauner (1. August 1918 - 7. Juli 2019)

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