04.07.2019

Frisch gepresst

Zwar ist einer der Protagonisten aus der romantischen Komödie "Frisch gepresst" im Besitz einer riesenhaften Orangensaftpresse, doch auf den Vorgang der Saftherstellung spielt der Titel mitnichten an. Vielmehr meint das "Pressen" die Geburt eines Kindes, die in der gleichnamigen Buchvorlage von Susanne Fröhlich am Anfang des Geschehens steht. In der Verfilmung von Regisseurin Christine Hartmann rückt die Geburt indes ans Ende der Erzählung und der Weg hin zum Mutterglück in den Mittelpunkt. Die durchaus zeitgenössische Frage, inwieweit der Nachwuchs die eigene Selbstaufgabe in sich birgt und wie Karriere und Mutterschaft vereinbar sind, markiert dabei den thematischen Kern.

Für Kinder hat die Mittdreißigerin Andrea Schmitt (Diana Amft) nicht viel übrig. Stattdessen wendet die Singlefrau ihre Zeit dafür auf, die eigene Boutique für maßangefertigte Dessous vor dem Bankrott zu retten. Nach einem One Night Stand mit ihrem Jugendschwarm Gregor (Alexander Beyer) und einem Date mit dem Rechtsanwalt Chris (Tom Wlaschiha) ist die Modedesignerin jedoch ungewollt schwanger und steht nun vor der Frage, welcher der beiden Männer der Vater des Kindes ist. In der Folge tritt Andrea von einem Fettnäpfchen ins nächste, muss sich zwischen den beiden Männern entscheiden und hadert mit der Vorstellung, in naher Zukunft Mutter zu sein.

Gerade so wie dieser Inhaltsabriss an "Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück" (GB 2001) erinnert, gemahnt der komplette Film an unzählige romantische Komödien vor ihm. Sattsam bekannt sind die überzeichneten Figuren und Ereignisse sowie der routinierte Handlungsverlauf, der von der romantischen Tuchfühlung über das katastrophale Missverständnis zum erlösenden Happy End führt. Nun muss nicht jeder Film das Rad neu erfinden, doch der völlige Verzicht auf Eigenständigkeit ist auch nicht der richtige Weg. Hinzu kommt die mutlose Inszenierung von Christine Hartmann, die "Frisch gepresst" im Grunde als einen Film-Film von Sat 1 empfiehlt. Die aus "Doctor's Diary" bekannte Diana Amft bemüht sich zwar sichtlich, den Unterhaltungswert hoch zu halten, doch unter den allzu unglücklichen Vorzeichen gelingt ihr das nur ansatzweise.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Frisch gepresst


Deutschland 2012
Regie: Christine Hartmann;
Darsteller: Diana Amft (Andrea Schmitt), Tom Wlaschiha (Chris), Alexander Beyer (Gregor Fischle), Jule Ronstedt (Sabine), Sylvester Groth (Helge), Sunnyi Melles (Franziska Schmitt), Sahin Eryilmaz (Süleyman Aktan), Yasmina Filali (Xenia), Susanne Fröhlich (Dame mit Brosche), April Hailer (Chris' Mutter), Jürgen Haug (Chris' Vater), Gerrit Klein (Fynn), Thomas Balou Martin (Anwalt), Oliver Pocher (Punk), Axel Schulz (Ehrengast), Hanfried Schüttler (Richter), Joram Voelklein (Dr. Wiedmann), Dagmar von Kurmin (Frau Hübchen), Rosalie Wolff (Girlie Brenda), Giovanni Zarrella (Pizzalieferant Giuseppe) u.a.;
Drehbuch: Dirk Ahner, Christine Hartmann nach dem Buch von Susanne Fröhlich; Produzenten: Yoko Higuchi-Zitzmann, Regina Ziegler; Kamera: Alexander Fischerkoesen; Musik: Fabian Römer; Schnitt: Horst Reiter;

Länge: 94,53 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 23. August 2012



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Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

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