März 2001

Sean Connerys Präsenz überbrückt die Mängel des Drehbuchs

Forrester - Gefunden!

Der 16-jährige afroamerikanische Jamal Wallace (Spielfilm-Debütant Rob Brown) ist sich seines literarischen Talents nicht bewusst, bis er auf den Eigenbrötler William Forrester (Sean Connery) trifft. In dem 70-jährigen findet er einen Mentor, aber die Annäherung zwischen den zwei grundverschiedenen Menschen gestaltet sich schwierig. Forrester zog sich einst, nach dem Erhalt des Pulitzer-Preises für seinen einzigen Roman, aus der Öffentlichkeit zurück und verlässt seitdem seine Wohnung in einer Bruchbude in der Bronx nicht mehr. Ein weiterer Film des Regisseurs Gus van Sant nach "Good Will Hunting" (1998), der die Freundschaft eines Jungtalents mit seinem menschlich schwierigen Förderer thematisiert.

Dieser Film war Sean Connery wichtig. Als Co-Produzent und Hauptdarsteller begleitete er "Forrester - Gefunden!", Wettbewerbsbeitrag der Berlinale 2001, nach Berlin. Dabei ist Connery ein ähnlicher Charakter wie die Rollenfigur, die er in "Forrester - Gefunden!" spielt. Alt-Star Connery ist inzwischen Legende. Seinen Kultstatus hat er noch dadurch verstärkt, dass er sich seit Jahren nicht mehr allzu oft in der Öffentlichkeit zeigt. Auf der Berliner Pressekonferenz berichtete Connery, dass der von ihm dargestellte William Forrester den amerikanischen Dichtern William S. Borroughs und Jerome D. Salinger nachempfunden sei. Vor allem die Ähnlichkeit mit Salinger springt ins Auge: Salinger schrieb 1951 seinen Roman "Der Fänger im Roggen", gewann dafür den Pulitzer-Preis und zog sich direkt danach aus der Öffentlichkeit zurück. Sean Connery hat als Co-Produzent von "Forrester - Gefunden!" noch eine weitere bemerkenswerte Gemeinsamkeit mit William Forrester: Beide verhelfen einem jungen Mann zur Karriere. Der 16-jährige Rob Brown, ausgesucht von Connery selbst, spielt in seinem ersten Film den gleichaltrigen Jamal, dessen literarisches Talent erst von Schriftsteller-Legende Forrester entdeckt wird. Im Gegenzug zeigt Jamal Forrester die Welt außerhalb der schmuddeligen Wohnung in der Bronx, in der Forrester dahinvegetiert, ohne es zu merken.

Regie bei "Forrester - Gefunden!" führte Gus van Sant, der 1998 mit "Good Will Hunting" einen sehr ähnlichen Film gedreht hat; auch der Titel des Films (Originaltitel: "Finding Forrester") ist adäquat gewählt. In "Forrester - gefunden!" geht es, wie in "Good Will Hunting", um ein verkanntes, junges Genie und einen Mentor, der sich seiner annimmt. Das junge Genie ist der Farbige Jamal, der in der New Yorker Bronx aufwächst, in der Talente normalerweise unentdeckt bleiben. Er darf sogar zu einer elitären Privatschule wechseln. Aber das nur, um das Basketball-Team der Schule zu stärken, nicht wegen seiner geistigen Fähigkeiten und seines literarischen Talents. Jamal hat sich inzwischen mit dem seltsamen Einzelgänger William Forrester angefreundet, der seine Wohnung seit Jahrzehnten nicht verlassen hat. Bei den Besuchen in dessen Wohnung erfährt Jamal, dass es sich bei dem 70-jährigen um einen Schriftsteller handelt, der vor einem halben Jahrhundert mit einem einzigen Roman die literarische Welt zutiefst bewegte und sich bald darauf aus privaten Gründen verbittert in die Einsamkeit zurückgezogen hat. Ein Dichter, auf dessen einzigartige Qualitäten Jamals Lehrer Prof. Robert Crawford (Fred Murray Abraham) hinweist. Prof. Crawford ist seinerseits verbittert, dass sein eigenes literarisches Talent nicht an das des Genies Forrester heranreicht. Seinen Frust lässt Crawford an Jamal aus, denn in ihm sieht er nur den Sportler, der an einer Elite-Schule nichts verloren hat. Abraham kann seine schauspielerischen Leistungen als verkrachte Existenz mit dämonischen Zügen nach "Amadeus" (1984) und "Der Name der Rose" (1986) auch in "Forrester - Gefunden!" in glänzender Form wiederholen.

Dennoch lebt der Film fast ausschließlich von seinem Hauptdarsteller Sean Connery. Seine Präsenz, seine kraftvolle Darstellung des altersweisen Dichters rekompensieren die Schwächen des Films. Diese sind zahlreich: Die Handlung ist vorhersehbar, das Drehbuch wirkt allzu sehr am Reißbrett entworfen, die Geschichte hat unwirkliche, märchenhafte Züge. Das größte Manko des Films besteht darin, dass stets vom jungen großen Dichter-Talent Jamal Wallace die Rede ist, der Film aber dafür Belege lange Zeit nicht liefert. Erst am Ende des Films verhilft Forrester Jamal dazu zu zeigen, dass mehr in ihm steckt als ein guter Basketballer und selbst das wirkt im Film sehr gewollt, gekünstelt. Die Botschaft des Films - man gebe dem Nachwuchs eine Chance - bleibt daher im Ansatz stecken. Trotzdem ist "Forrester - gefunden!" dank Sean Connerys Darstellkunst des gealterten Weisen sehenswert.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Forrester - Gefunden!
(Finding Forrester)

GB / USA 2000
Regie: Gus van Sant; Drehbuch: Mike Rich; Produzenten: Sean Connery, Jonathan King, Laurence Mark, Rhonda Tollefson, Dany Wolf; Musik: Bill Brown; Kamera: Harris Savides; Schnitt: Valdis Oskarsdóttir; Casting: Francine Maisler, Bernard Telsey, David Vaccari;
Darsteller: Sean Connery (William Forrester), Robert Brown (Jamal Wallace), F. Murray Abraham (Professor Robert Crawford), Anna Paquin (Claire Spence), Busta Rhymes (Terrell), April Grace (Ms. Joyce), Michael Pitt (Coleridge), Michael Nouri (Dr. Spence), Richard Easton (Matthews), Glenn Fitzgerald (Massie), Zane R. Copeland Jr. (Damon), Stephanie Berry (Janice), Fly Williams III (Fly), James T. Williams (Student), Damany Mathis (Kenzo) u.a.; als Gast: Matt Damon ("Good Will Hunting"; Steven Sanderson);

Länge: 136 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih von Columbia TriStar; deutscher Kinostart: 01.03.2001



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"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

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US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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