06.12.2014
Gute Idee, schwache Ausführung

Finn und die Magie der Musik


Finn und die Magie der Musik Auch wenn Idee und Handlung dieses sich in einem kleinen holländischen Dorf abspielenden Films vielversprechend sind, die melancholische Musik recht schön und ein talentierter kleiner Schauspieler den Hauptcharakter Finn spielt, so weist dieser Film doch leider zu viele Schwächen auf, um den Zuschauer zu verzaubern. Schon der Titel verspricht viel mehr Magie, als der Film je herüberbringt, und bei den Längen zwischendurch steigt der Zuschauer dann ganz aus.

Die vielversprechende Ausgangssituation und auch die Idee sind durchaus voller Potenzial. Der neunjährige Finn, dessen Mutter bei der Geburt (ausgerechnet an einem 24. Dezember) gestorben war, lebt mit seinem Vater zusammen, der als Zimmermann arbeitet. Finn möchte nicht dem Druck des Vaters nachgeben, Fußball zu spielen. Zufällig lauscht er eines Tages dem Geigenspiel eines weißhaarigen alten Herrn, der neu in die Nachbarschaft zugezogen ist, und wird auf der Stelle davon verzaubert. Der Vater verbietet ihm aber den Wunsch, Geige spielen zu lernen – so ist Finn gezwungen, zu Tricks und Lügen zu greifen, um hinterrücks seinen Traum zu erfüllen.

Finn und die Magie der Musik Der Film verbindet – zugegeben schön bebilderte – Realität und Traum, er will den inneren Konflikt des Vaters zeigen – was leider nicht gelingt – und lässt den Zuschauer bis zuletzt raten, worin das Geheimnis von dessen Strenge und Verschlossenheit liegt. Es zeigt Finns Perspektive und sein Leid, das für sein Alter viel zu groß ist. Der kleine Mels van der Hoeven, alias Finn, ist durchgehend glaubhaft und in der Rolle. Der Vater, dargestellt von Daan Schuurmans, ist dagegen gar nicht überzeugend. Nicht nur ist sein nachgeahmtes Geigenspiel eine Farce, sondern auch sein unbewegliches Gesicht, das den Zuschauer nicht mitnimmt in den vermuteten Schmerz. Die Nebencharaktere sind weder glaubhaft noch gut gespielt.

Auch wenn es im Bereich des Möglichen erscheint, dass ein Vater derart verschlossen und roh ist, so kann man doch nicht verstehen, wie er es neun Jahre lang auf die gleiche Art und Weise durchhält, nicht mit seinem Sohn zu sprechen, ihm seelisch völlig fern zu bleiben und das Kind völlig allein zu lassen. Dabei wäre jedes Kind emotional verkümmert und nicht so sensibel geblieben wie Finn. Wenig wahrscheinlich ist, dass die Nachbarin, die täglich für die beiden kocht, das nicht bemerkt und nicht Einfluss darauf genommen hätte. Selbst die Lehrerin oder der Pfarrer wären da aktiv geworden, zumal in einem kleinen holländischen Dorf jeder jeden kennt. Das sind Schwächen des an manchen Stellen konstruierten Drehbuchs.

Finn und die Magie der Musik Zu wenig greift der Film zu visuellen Trick-Effekten, die gerade bei diesem Thema erforderlich wären. Die verträumte Musik kann da auch nicht weiterhelfen. Eine gefühlte Hälfte des Films sind die Charaktere unterwegs – auf dem Fahrrad, auf dem Pferd oder zu Fuß. Die Einstellungen sind überflüssig lange und erzeugen einfach Langeweile, die die Spannung erstickt. Eine Nebenhandlung – der familiäre Hintergrund des besten Freundes von Finn – ist weder nachvollziehbar, noch hat sie etwas mit der Haupthandlung zu tun.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Arsenal Film

 
Filmdaten 
 
Finn und die Magie der Musik (Finn) 
 
Niederlande / Belgien 2013
Regie: Frans Weisz;
Darsteller: Mels van der Hoeven (Finn), Daan Schuurmans (Vater), Jan Decleir (Luuk), Justin Emanuels (Erik), Jenny Arcan (Frau Eising), Hanna Verboom (Juf Leonore), Manou Kersting (Rinus Dozeman), Esther Scheidwacht (Eriks Mutter), Mark van Eeuwen (Eriks Vater), Freerk Bos (Dominee ), Annelies Appelhof (Mutter) u.a.;
Drehbuch: Janneke van der Pal; Produzenten: Sabine Veenendaal, Michiel de Rooij, Jeroen Beker; Kamera: Goert Giltay; Musik: Fons Merkies; Schnitt: Michiel Reichwein;

Länge: 90 Minuten; FSK: unbekannt; ein Film im Verleih der Arsenal Filmverleih GmbH; deutscher Kinostart: 4. Dezember 2014



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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