20.09.2016

Findet Dorie


Findet Dorie "Ich leide unter Gedätchnisverschwund" sagt Babyfisch-Dorie mit riesengroßen Kulleraugen – wer kann diesem Blick widerstehen? Schon als "Kind" ist Dorie hilflos, und dadurch gefährdet, aber sehr mitfühlend, freundlich und hilfsbereit. Das Sequel des erfolgreichen "Findet Nemo" ist weniger dramatisch, emotional weniger tiefgehend, aber sympathisch und bezaubernd wie sein Vorgänger. Dennoch fehlt die "Traumwelt" des Great Barrier Reef des ersten Teils, und das abenteuerliche Roadmovie-Feeling mit gefährlichen (Haien) und humorvollen (Hechtgruppe) Begegnungen, die konfliktbehaftete Begegnung mit Menschen sowie die innerliche Weiterentwicklung der Figuren – der Vater, der loslassen muss, um Vertrauen neu zu erlernen. Dories Geschichte der Suche nach ihren Eltern stellt neue Charaktere vor, sie ist witzig und auch rührend, aber sie hinterlässt keine großen Spuren.

Findet DorieDer blaue Paletten-Doktorfisch Dorie (im Englischen wird ihr Name "Dory" geschrieben – die "Eindeutschung" ist leider nicht nachvollziehbar), hat zwar ein lästiges Problem, weil sie praktisch kein Kurzzeitgedächtnis hat, aber sie erinnert sich in Bruchteilen an ihre Eltern, die sie zusammen mit Marlin und Nemo wiederfinden möchte. Es beginnt eine abenteuerliche Reise durch den Ozean, alte Freunde wie die Schildkröte Crush kreuzen wieder ihren Weg, neue Freunde wie der Oktopus Hank kommen hinzu, als sie im "Marine Life Institute" ankommen (als Inspirationsquelle diente hier das nordkalifornische Monterey Bay Aquarium, wo man über Live-Webcams das Geschehen in den Aquarien beobachten kann (https://www.montereybayaquarium.org/animals-and-experiences/live-web-cams). Dort werden Meeresbewohner gesund gepflegt und wieder ins Meer zurückgebracht. Unabdingbar kommt die Erinnerung an "Sammys Abenteuer" hoch, wo die kleine Meeresschildkröte auch durch eine solche Institution gerettet und wieder befreit wird.

Der zweite "Nemo-Film" spielt nicht mehr in Australien – ein Glück für die echten Zierfische. Denn nach "Findet Nemo" wollten auch nichtaustralische Kinder ihre Aquarienfische retten und spülten sie in die Kanalisation. Während in Australien die Kanalisation tatsächlich im Meer mündet (wie der Film es verkündete), tut sie das andernorts jedoch nicht, so dass die Fische ein nicht angenehmes Ende durch Wasserbehandlungsprozeduren erfuhren.

Anke Engelke spricht wieder Dorie in der Synchronfassung, Christian Tramitz gibt wieder den Marlin – ein Duo, das nicht fehlen darf, und das viel zur Heiterkeit des Films beisteuert. Roland Hemmo spricht den nachdenklichen Hank. Ein Cameo-Auftritt von Franziska von Almsick als Audio-Guide-Stimme soll für Erheiterung sorgen (im Original ist es Sigourney Weaver, wo der Trick allerdings besser funktioniert).

Findet Dorie Mit Ausnahme des neuen Charakters Hank sind die neuen Nebenfiguren zu schnell abgefertigt, so dass man keinen richtigen Eindruck von ihnen bekommt. Dem Drehbuch fehlen die Vielseitigkeit und Spannung, sowie die emotionalen Wechselbäder des ersten Films. Die Handlung ist stellenweise rasant, aber etwas konstruiert. Die wunderschönen Aquarienwelten werden viel zu kurz gezeigt, so dass man sich nicht daran sattsehen kann. Es fehlt eine tiefere Botschaft. Dennoch ist der Film optisch schön durch die Farbenpracht der Unterwasserwelt. Die Sympathie und das Mitfühlen mit Dorie tragen die Kinder durch den Film und machen ihn trotz der Schwächen sehenswert.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 

 
Filmdaten 
 
Findet Dorie (Finding Dory) 
 
USA 2016
Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane;
Deutsche Synchronsprecher: Anke Engelke (Dorie), Christian Tramitz (Marlin), Udo Wachtveitl (Crush), Franziska Van Almsick (Lautsprecherstimme), Aaron Troschke u.a.;
Drehbuch: Andrew Stanton, Victoria Strouse; Produzentin: Lindsey Collins; Musik: Thomas Newman; Schnitt: Axel Geddes;

Länge: 96,55 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der The Walt Disney Company (Germany) GmbH; deutscher Kinostart: 29. September 2016



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<20.09.2016>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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