04.03.2020

Emma (2020)


Emma (2020): Anya Taylor-Joy Um eine schier unstillbare Sehnsucht nach Kostümfilmen mit Herzschmerz zu bedienen, und - mal wieder - zu versilbern, machten sich eine Fotografin und eine Schriftstellerin daran, den Austen-Stoff erneut auf die Leinwand zu bringen: Schriftsteller-Shooting Star Eleanor Catton verfasste ihr erstes Drehbuch und die Fotografin Autumn de Wilde gab ihr Debüt als Regisseurin. Aber frischer Wind kommt durch die Berufsneulinge nicht in diese Literaturverfilmung.

Die längst im Detail bekannte Geschichte der jungen vornehmen und sich als Kupplerin wenig rühmlich betätigenden Emma Woodhouse war bis 1972 bereits dreimal verfilmt worden, 1996 gar doppelt, einmal mit Gwyneth Paltrow (und Jeremy Northam) und zeitgleich mit Kate Beckinsale (und Mark Strong), zuletzt 2009 mit Romola Garai (und dem weniger überzeugenden Jonny Lee Miller). Leider wurde das Niveau von Gwyneth Paltrow in der Interpretation Emmas nie wieder erreicht, auch hatte sie mit Jeremy Northam einen wunderbar überzeugenden Mr. Knightley an ihrer Seite.

Emma (2020): Bill Nighy Emma Woodhouse lebt im 19. Jh im kleinen Ort Highbury unweit von London auf einem herrschaftlichen Anwesen. Als Tochter der reichsten Familie im Ort ist sie das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens, nicht besonders an Bildung interessiert und daher etwas unausgefüllt. Nach einem ersten Erfolg bei der Verkuppelung ihrer Gouvernante macht Emma mit wenig weitreichendem Blick bei der ihr gesellschaftlich unterlegenen Freundin Harriet weiter. Für die unerfahrene Harriet ist die Aufmerksamkeit der Reichen eine verunsichernde Erfahrung, sie beugt sich dem unbedachten Rat Emmas und als Konsequenz wird ihr Herz wiederholt gebrochen. Emmas Kindheitsfreund und Nachbar Knightley, ebenfalls wohlhabender Gutsbesitzer, der seine Rolle vor Arm und Reich geschickter beherrscht, tadelt sie für ihr Benehmen. Mit mehr oder weniger Bereitschaft nimmt Emma diesen Tadel an und wächst charakterlich daran - so das Buch.

Emma (2020) Anya Taylor-Joy, hiesige Emma-Darstellerin, ist zwar optisch - trotz schlechter blonder Perücke - geeignet für die Rolle. Jedoch strahlt sie zu viel Trotzhaltung und überhebliche Engstirnigkeit aus. Sie ist lieblos in ihren Beziehungen, unnahbar und emotional unbeteiligt. Dafür ist ihr Gegenpart Johnny Flynn als Knightley komplexer und trotz kurzer Auftritte überraschend gut gespielt - vor allem der wortlose Moment, wo er sich in Emma verliebt, kommt berührend herüber - eine schwierige schauspielerische Aufgabe. Trotzdem ist es in dieser Konstellation nicht nachvollziehbar, wie man sich überhaupt in eine Trotzschnute verlieben kann. Bill Nighy, der den vom Durchzug besessenen Vater Emmas spielt, sorgt für augenzwinkerndes Lächeln. Und Preise verdient haben die Ausstatter des Films. Kleider, Hüte, Innendesign, Geschirr, Tapeten, Torten und Gebäck - alles ist minutiös ausgesucht und farblich divers. Auffallend gut, slapstickhaft und zugleich transparent spielt der Mr-Elton-Darsteller Josh O'Connor, bekannt als Prinz-Charles-Darsteller in der zweiten Staffel der Netflix-Produktion "The Crown" - von diesem Schauspieler werden wir noch öfters hören. Unglücklich ausgewählt hingegen ist Callum Turner in der flach gespielten Rolle des Frank Churchill.

Da der Film visuell punktet, und für Austen-Fans eine Neubelebung der "Emma" nicht unbemerkt vorüberziehen darf, kann man den Film durchaus sehen. Lange in Erinnerung bleiben wird er wegen der emotionalen Inhaltslosigkeit nicht.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Universal Pictures

 
Filmdaten 
 
Emma (2020) (Emma. (2020)) 
 
GB 2020
Regie: Autumn de Wilde;
Darsteller: Anya Taylor-Joy (Emma Woodhouse), Johnny Flynn (George Knightley), Bill Nighy (Mr. Woodhouse), Mia Goth (Harriet Smith), Myra McFadyen (Mrs. Bates), Josh O'Connor (Mr. Elton), Callum Turner (Frank Churchhill), Rupert Graves (Mr. Weston), Gemma Whelan (Mrs. Weston), Amber Anderson (Jane Fairfax), Miranda Hart (Miss Bates), Tanya Reynolds (Mrs. Elton), Oliver Chris (John Knightley) u.a.;
Drehbuch: Eleanor Catton nach dem Roman von Jane Austen; Produzenten: Tim Bevan, Graham Broadbent, Peter Czernin, Eric Fellner; Kamera: Christopher Blauvelt; Musik: David Schweitzer, Isobel Waller-Bridge; Schnitt: Nick Emerson;

Länge: 125,22 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Universal Pictures; deutscher Kinostart: 5. März 2020



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Zitat

"Das Buch hatte mir besser gefallen."

Jüdischer Humor von Regisseur Billy Wilder (1906 - 2002). So beantwortete er die Frage, was er vom Dokumentarfilm "Mein Kampf" von Erwin Leiser halte

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