20.09.2010
Der Ausbruch aus dem Leben

Eat Pray Love


"Eat Pray Love" ist die Verfilmung des autobiografischen Bestsellers von Elizabeth Gilbert. Julia Roberts spielt darin eine Frau, die auf eine einjährige Reise geht, ausgehend von New York nach Italien, Indien bis nach Indonesien - und zu sich selbst. Eskapismus, Sinnsuche, Spiritualität und Glaube bestimmen nun das Leben von Liz.

Eat Pray Love: Javier Bardem, Julia Roberts Der Film startet mit der energetischen Hektik von New York, in der Liz (Julia Roberts) in ihrer Rolle der erfolgreichen Karrierefrau nach außen hin aufzugehen scheint.
Schnell wird klargemacht, dass die Lebenswege ihrer Ehe aber an einem Scheideweg angekommen sind. Hier versäumt der Film aber, näher auf die Ursachen der Krise einzugehen, warum dies denn gleich zu einem kompletten Bruch und der Scheidung führen muss. Ihr Ehemann (Billy Crudup) gibt nicht den üblichen Verursacher her, hat keine Affären und kämpft auch um seine Frau, man merkt auch in den kurzen Rückblicken – der Mann liebte und liebt immer noch. Schon eher spürt man die Unterschiede, das zu glatte in ihrem Leben und bei ihrem scheinbaren "Mr.Right". Dass Liz also nun auch nicht auf dem reinen Egotrip begleitet wird, auch mit Schuldgefühlen kämpft, kann man positiv bewerten, denn im realen Leben sind die Charaktere nun mal meist auch nicht in simplen Gut-Böse-Farben zu finden. Die Geschichte handelt nicht vom Kampf um eine lang aufgebaute Partnerschaft (für Familie blieb in beider Lebensplan wohl keine Zeit), sondern dem Ausbruch daraus.

Zunächst bleibt der Film auch in gewohnten Bahnen, denn sie lernt erst mal wieder begehrt zu werden, hat eine Affäre mit einem jüngeren Theaterschauspieler. Zu jung ist er, aber dies ist ein wichtiger Beginn dafür, das Leben wieder mehr zu spüren. Nachvollziehbarer erscheint der folgende totale Schnitt aus dem Berufsleben und einer längeren Auszeit, denn Liz wirkt manisch depressiv. Also raus aus der Enge der amerikanischen Großstadt – hinein in das mediterrane Leben Italiens. Auch die humorvoll gemeinte Szene, in der Liz, nach Tagen der gehuldigten Nudel, nun zur Opernmusik den Kampf um den letzten Knopf der zu engen Jeans kämpft, ist leider nur lachhaft.

Zum Glück verlassen wir das oberflächliche, rein hedonistische Genussleben und tauchen mit Liz in das sinnlichere Indien ein. Das hier mit seinem Dreck, der Armut und dem Großstadtchaos zwar einen Kontrast zu der meist heiteren Gelassenheit Italiens bilden soll; aber Liz wird nie zu sehr damit konfrontiert. An die Scheiben des Taxis klopfende Straßenkinder bleiben Kulisse.

Eat Pray Love: Julia Roberts Dafür entdeckt Liz die Spiritualität des Landes, und da sie ja nicht nur für einige Tage des Urlaubs angereist ist, bleibt dafür auch eine Menge Zeit, um die Untiefen ihrer Seele zu suchen. Liz landet daher im Aschram, um dort Ruhe in der Meditation zu finden. Außerdem lernt sie Richard (Richard Jenkins) aus Texas kennen, der sie wegen ihrer gesättigten Art zuweilen aufzieht, aber auch zu einem Vertrauten wird. Schließlich hat auch er an seinem gebrochenen Lebensweg zu arbeiten und gibt dem Film mit seiner weisen und ernsten und trotzdem humorvollen Art mehr Tiefe. Von Indien lernt Liz ansonsten nicht allzu viel kennen, mit Ausnahme einer jungen Inderin, die auch im Aschram lebt und vor ihrer von der Familie geplanten Ehe steht. Als reiner Nebenschauplatz gehalten, bleibt es dadurch klischeehaft und lässt dem facettenreichen Leben des riesigen Landes, geschweige dem modernen Indien, einiges schuldig. Dafür bietet es den glanzvollen Rahmen der Teilnahme an einem opulenten Hochzeitsfest, der kräftig aufgeschütteten Essenz indischer Lebensenergie.

Stimmige Bilder entstehen vor allem durch das Aufspüren der weitgehend originalen Schauplätze der Romanvorlage und durch die Zusammenarbeit von Regisseur Ryan Murphy (bisher eher durch TV-Produktionen wie dem Golden-Globe-Gewinner "Nip/Tuck" und "Glee" bekannt geworden) mit der Autorin Liz Gilbert.

Eat Pray Love: Julia Roberts (rechts) Das macht sich besonders bei der nächsten Reisestation bemerkbar: Indonesien. Es ist auch die am Anfang des Films verkündete Rückkehr, die Liz während einer Urlaubsreise von einem balinesischen Heiler weisgesagt wurde. Er spürte bereits ihre inneren Spannungen die ihren Körper belasteten, und so erging es Liz auch in ihrem eigenen Leben – sie kam hierher zurück zu Ketut Liyer ("strahlendes Licht"). Gespielt wird Ketut von dem zufällig in Jakarta entdeckten Straßenmusiker Habi Subiyanto. An diesem Ort gewinnt der Film dann auch die Spiritualität, durch die Liz in Indien schon durch Meditationen vorbereitet wurde, und macht sie auch wieder offener für die Liebe.

Hier tritt der Brasilianer Felipe in ihr Leben. Er ist ein gealterter Aussteiger, von Javier Bardem wunderbar melancholisch, bärenhaft verkörpert. Er versucht sie durch seine Mixtapes, in der er Musik aus einer vergangenen Zeit bündelt, zu gewinnen. Er wirft traurige Blicke auf Liz, weil sie lieber mit einem im Fitnessstudio gestählten Amerikaner tanzt. Aber Felipe ist erfahren und stolz genug, sich mit seiner direkten und ehrlichen Art Respekt zu verschaffen. Er konfrontiert sie auch mit ihren halbherzigen Vorstellungen ihrer Sinnsuche, die nicht so einfach von Besitz und Egoismen lassen können. Hier verliert Liz auch endlich einmal ihre Süßlichkeit und schimpft, faucht – und lebt.

Auch wenn die zu glatte Produktion den Spirit von tiefer gehenden Lebenserfahrungen nicht ernsthaft vermitteln mag, ist sie sicher eine Inspiration für eine weitergehende Beschäftigung mit dem Thema Spiritualität und Glaube, auch außerhalb kirchlicher Institutionen – nicht nur Frauenzeitschriften werden diesen Film und den dadurch sicher auch bei uns aufblühenden Roman als willkommenen Aufmacher abhandeln. Und welcher Mann, oder Frau, würde sich nicht mit Julia Roberts als Reiseführerin gerne einmal auf sinnlich-spirituelle Reise entführen lassen?  

Jürgen Grötzinger / Wertung: * * * (3 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Sony Pictures

 
Filmdaten 
 
Eat Pray Love (Eat, Pray, Love) 
 
USA 2010
Regie: Ryan Murphy;
Darsteller: Julia Roberts (Liz Gilbert), Javier Bardem (Felipe), Richard Jenkins (Richard), I. Gusti Ayu Puspawati (Nyomo), Hadi Subiyanto (Ketut Liyer), Billy Crudup (Stephen), Viola Davis (Delia Shiraz), A. Jay Radcliff (Andre), Mike O'Malley (Andy Shiraz), Gita Reddy (Guru), James Franco (David Piccolo), Ashlie Atkinson, Lisa Roberts Gillan, Ryan O'Nan u.a.; Drehbuch: Ryan Murphy, Jennifer Salt nach dem gleichnamigen Buch von Elizabeth Gilbert; Produzent: Dede Gardner; Ausführende Produzenten: Jeremy Kleiner, Brad Pitt, Stan Wlodkowski; Kamera: Robert Richardson; Musik: Dario Marianelli; Länge: 140 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih von Sony Pictures; deutscher Kinostart: 23. September 2010



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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