13.11.2012
Versprochen ist versprochen

Du hast es versprochen


Du hast es versprochen "Es ist ein Fluch." Die geraunten Worte beginnen das kindliche Horrormärchen, mit dem sich die kleine Hanna und ihre Freundin amüsieren, und den kindischen Horrorfilm, mit dem Alex Schmidt sich amüsiert – ihr Publikum allerdings wohl kaum. Das Repertoirestück der Regisseurin und Co-Autorin, die ihr Faible für unheimliche Kinder in ihrem Spielfilmdebüt treu bleibt, fordert so plump und trotzig-anmaßend zum Gruseln auf wie sein skurriler Titel: "Du hast es versprochen".

Die Vergangenheit ist für die erwachsene Hanna (Mina Tander) wahrhaftig ein Fluch. Zuerst aber ist sie eine Geschichte. Hanna erzählt sie als 9-Jährige (Greta Oceana Dethlefs) der gleichaltrigen Clarissa (Alina Sophie Antoniadis), die dieses Jahr mit ihr auf der kleinen Insel die Ferien verbringt. Die besten Freundinnen tragen die gleichen Kleider und Frisuren, was sie jedoch eigentlich verbindet, ist eine Vorliebe für Grausamkeiten. Für das Erfinden von Gruselmärchen besitzt Hanna ein Talent, aber ihre wahre Begabung liegt in deren Umsetzung. Für die Regisseurin des konfusen Horrorthrillers gilt das augenscheinlich nicht. Dabei wählen Schmidt und ihre Protagonistin denselben Ort für ihr kleines Angstspiel: ein Ruine im finsteren Wald, von der nur das Kellergewölbe steht. "Keiner, der da runter gegangen ist, kam je wieder hoch", flüstert Hanna, die schon weiß, wer als nächstes hinab soll: ihre vorige beste Freundin. Die ist das Dorfmädchen Maria (Mia Kasalo) bis Clarissa auftaucht, um gleichmütige Zuschauerin und Komplizin des sadistischen Streichs ihrer Spielgefährtin zu werden.

Du hast es versprochen Hanna ähnelt durch die einheitliche Aufmachung nicht nur einer Zwillingsschwester Clarissas, sie ist es psychisch. Die Geistesverwandtschaft, die Rückblenden und Dialoge reichlich plump herausstreichen, enthüllt bereits die Art des Wiedersehens der Freundinnen. Es erfolgt 25 Jahre nach dem Anfangsereignis in einem Krankenhaus, wo die Ärztin Hanna (Mina Tander) eine junge Patientin (Laura De Boer) mit einer Überdosis Tabletten nur durch die Krankenakte als Clarissa identifiziert. Deren Gesicht ist nicht das einzige, das die unterkühlte Gattin und Mutter aus ihrem Bewusstsein verbannt hat. Noch ein anderes Kinderantlitz wartet auf der Insel, auf die Clarissa, Hanna und Hannas Tochter Lea (Lina Köhlert) für einen Kurztrip zurückkehren, und gehört Maria. "Ich hab kaum Erinnerungen an sie", behauptet Hanna über vergilbten Fotografien gegenüber Clarissa, die den unvermeidbar zweideutigen Trostsatz parat hat: "Das kommt wieder, keine Angst." Selbstredend wächst gerade die in Hanna mit dem Aufsteigen des Verdrängten aus ihrem Unterbewusstsein.

Du hast es versprochen Die Vergangenheit zeigt sich nicht nur auf Fotos, sondern hinter Vorhängen und dunklen Ecken des Hauses nahe der Waldruine. Dort liegen Hannas unliebsame Erinnerungen begraben – und ein halbwegs grausiges Geheimnis. Das Kellerversteck ist ein überdeutliches Symbol für "die Abgründe der menschlichen Seele", die Schmidts Regie-Kommentar erwähnt. Der Versuch, mit „Du hast es versprochen“ das psychische Dunkel bis in die entlegensten Winkel auszuleuchten, ist so schlecht durchdacht und gleichgültig ausgeführt wie Hannas folgenschwerer Kinderstreich – und genauso desaströs. Der von Schmidt mit Valentin Mereutza verfasste Kindergrusel karikiert sich unversehens selbst mit seinen sich überschlagenden Schlussenthüllungen, die wenn nicht komplett vorhersehbar, doch komplett lachhaft sind, und der Endlosparade an Stereotypen, die zudem allesamt miteinander verwandt sind. Die hexenhafte Fischverkäuferin (Katharina Thalbach) ist die Mutter des potentiell gefährlichen Liebesersatzes (Max Riemelt) für Hannas fremdgehenden Gatten (Clemens Schick) und Mutter der Heimsucherin Maria und alle sitzen in einem düster-kalten Inselort aufeinander, ausgenommen der zwielichtige Einsiedler (Thomas Sarbacher) mit der Axt.

Grausig ist an dem redundanten Klischee-Kinodebüt bestenfalls die Gewissensfrage, die Schmidt im Presseheft den Filmkritikern stellt: "Wissen Sie noch, was Sie als Kind getan haben?" Und ob. Aber nichts davon war so schlimm wie "Du hast es versprochen".  

Lida Bach / Wertung: * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Falcom

 
Filmdaten 
 
Du hast es versprochen  
 
Deutschland 2012
Regie: Alex Schmidt;
Drehbuch: Alex Schmidt und Valentin Mereutza; Darsteller: Mina Tander (Hanna), Laura de Boer (Clarissa), Katharina Thalbach (Gabriela), Thomas Sarbacher (Tim), Clemens Schick (Johannes), Max Riemelt (Marcus), Alina Sophie Antoniadis (Clarissa in der Rückblende), William Boer (Marcus in der Rückblende), Greta Oceana Dethlefs (Hanna in der Rückblende), Mia Kasalo (Maria) u.a.; Produktion: eine Produktion der Wüste Film Ost OHG in Co-Produktion mit Wüste Film GmbH, Magnolia Filmproduktion GmbH und ZDF Das Kleine Fernsehspiel; Produzenten: Stefan Schubert, Ralph Schwingel, Yildiz Özcan; Co-Produzenten: Nina Bohlmann, Katharina Dufner, Babette Schröder; Kamera: Wedigo von Schultzendorff; Musik: Marian Lux;

Länge: ca. 102 Minuten; ein Film im Verleih der Falcom Media GmbH; deutscher Kinostart: 20. Dezember 2012



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Du hast es versprochen
<13.11.2012>  

Homepage des Verleihers
Falcom Media
  


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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