31.07.2019

Drive Angry

Gedreht in 3D: Ein blondierter Nicolas Cage liegt bekleidet und mit Zigarre im Bett, während eine nackte Frau stöhnend auf ihm sitzt. Ob er immer angezogen mit Frauen ins Bett gehe, will sie wissen: "Vor einer Schießerei ziehe ich mich nie aus", entgegnet Cage, zückt die Shotgun und erschießt einige Männer, die urplötzlich das Zimmer stürmen. Der Sex geht unterdessen weiter, die Nackte wirbelt herum, der Held feuert aus allen Rohren, Körperteile und Bettfedern fliegen durch den Raum. Danach trinkt Nicolas Cage einen Schluck Jack Daniels und schließt den Reißverschluss seiner Hose.

Diese absurde Szene aus "Drive Angry" beschreibt das Wesen des rasanten Actionstreifens recht treffend. Regisseur Patrick Lussier, in dessen Filmographie neben drittklassigen Horrorfilmen der frühe 3D-Hit "My Bloody Valentine" steht, inszeniert sein dreidimensionales Spektakel ohne jeden Anspruch auf Ernsthaftigkeit. Nicolas Cage gibt einen gnadenlosen Rächer, der aus der Hölle ausgebrochen ist, um den Tod seiner Tochter zu rächen. Was dabei zählt, sind Schauwerte: "Drive Angry" rast zu Rockmusik von einer Actionszene zur nächsten, packt die Akteure in standesgemäße Kult-Autos und lässt nie vergessen, dass er nicht mehr als eine 3D-Jahrmarktsattraktion sein will. Wie zum Beweis dröhnt die Tonspur bei den zahlreichen Schüssen, Explosionen und quietschenden Reifen bis zum Anschlag, die politische Korrektheit weicht expliziter Gewalt, kernigen Macho-Sprüchen und sexy Frauen in 3D – unter anderem Amber Heard ("Zombieland"), die Cages Mitstreiterin Piper spielt.

Nun scheitert "Drive Angry" mit diesem Trash-Ansatz nicht automatisch, denn als anarchischer, bewusst übertriebener und nicht zuletzt selbstironischer Spaßfilm hat er durchaus seine Vorzüge. Doch Patrick Lussier verliert das Maß zwischen der puren Action und einer dramaturgischen Entwicklung, die das Publikum während der Schießereien emotional involviert. So liegt es beinahe ausschließlich am 3D-Schauwert, die Unterhaltungskurve von "Drive Angry" zu stemmen – ein Anspruch, der zwei Jahre nach der Premiere von "My Bloody Valentine" nicht mehr so recht funktioniert.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Drive Angry
(Drive Angry)

USA 2011
Regie: Patrick Lussier;
Darsteller: Nicolas Cage (Milton), Amber Heard (Piper), William Fichtner (der Buchhalter), Billy Burke (Jonah King), David Morse (Webster), Todd Farmer (Frank), Christa Campbell (Mona), Charlotte Ross (Candy), Pruitt Taylor Vince (Roy) u.a.;
Drehbuch: Todd Farmer, Patrick Lussier; Produzenten: René Besson, Michael De Luca, Adam Fields; Kamera: Brian Pearson; Musik: Michael Wandmacher; Schnitt: Devin C. Lussier, Patrick Lussier;

Länge: 104 Minuten; FSK: ab 18 Jahren; deutscher Kinostart: 24. Februar 2011



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Zitat

"Immer, wenn ich 'Mr. Fonda' höre, schaue ich zur Tür in Erwartung, dass er zurückkommt."

("Whenever I hear 'Mr. Fonda', I look over at the door, figuring he's come back.")

Schauspieler Peter Fonda (23. Februar 1940 - 16. August 2019) über seinen übermächtigen Vater, Schauspieler Henry Fonda (1905 - 1982)

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