20.12.2000

Romantische Fahrt in die Welt der Nostalgie


Drei Haselnüsse für Aschenbrödel


"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" ist ein tschechischer Film, wie man ihn liebt. Der besonders in der Weihnachtszeit immer wieder ausgestrahlte 'Klassiker' von 1973 vermag den Zuschauer in eine Welt voller Nostalgie zu versetzen. Der Stoff des Filmes ist altbewährt: Ein armes, zu Unrecht schlecht behandeltes Mädchen findet ihren Prinzen und Standesunterschiede müssen der Liebe weichen.


Der Film erzählt von einem jungen Mädchen namens Aschenbrödel, welches auf dem Hof ihrer verstorbenen Eltern lebt. Sie wird sowohl von ihrer Stiefmutter als auch von ihrer Stiefschwester gepeinigt und muss aufgrund deren Ablehnung wie eine Dienstmagd in Armut leben. Eines Tages gibt der König des Landes die bevorstehende Vermählung seines Sohnes bekannt und lädt zahlreich heiratsfähige Damen zum Ball. Aschenbrödels Stiefschwester ist ebenfalls eingeladen und macht sich über sie lustig, da sie in Schmutz und Armut derweil zu Hause niedere Arbeit verrichten muss. Ein Angestellter des Guts holt nun für den Ball Stoffe aus der Stadt und schenkt Aschenbrödel drei Haselnüsse, die ihm unterwegs auf die Nase gefallen sind. Die Nüsse erweisen sich als magisch und die erste geöffnete Nuss enthält ein Jagdkostüm, in welchem Aschenbrödel dem Prinzen begegnet. Sie wird Jagdkönigin und erregt so seine Aufmerksamkeit; flieht jedoch vor ihm, bevor er ihre Identität erfährt. Die zweite Nuss trägt ein wunderschönes Ballkleid in sich und das Mädchen erscheint auf dem Fest als geheimnisvolle Fremde. Der Prinz verliebt sich in sie und hat fortan nur noch Augen für Aschenbrödel. Wiederum flieht sie, bevor er herausfinden kann, wer sie ist. Er ist fest entschlossen sie zu heiraten, doch sie hat ihm vor ihrer Flucht ein Rätsel gestellt - er muss erst entdecken, um wen es sich bei ihr handelt. Mit einem verlorenen Ballschuh von ihr in der Hand macht er sich auf die Suche, seine auserkorene Braut zu finden. Der kleine Schuh passt keiner Frau, denn diese soll seine werden, da er ihr Gesicht nicht kennt, weil es mit einem Schleier bedeckt war. Die Stiefschwester versucht dem Prinzen weiszumachen, sie sei die Auserwählte - doch zu ihrem Leidwesen wird sie entlarvt. Nach einigen Turbulenzen entdeckt er Aschenbrödel in einem Hochzeitskleid, welches aus der dritten Nuss stammt. Er steckt ihr unter Jubel des Gesindes einen Verlobungsring an den Finger und reitet mit ihr durch den Schnee Richtung Schloss.

"Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" rührt bereits seit Jahren Zuschauer an. Die winterliche Landschaft und die traumhaft wirkende Musik unterstreichen den romantischen Stoff des Filmes. Die Charaktere sind überzeugend gespielt, besonders die der beiden Protagonisten. Lediglich die Requisite und die Kostüme lassen zeitweise zu wünschen übrig. So wirken die Kronen des Königspaars wie eine bearbeitete Cola-Dose und der Ballsaal gleicht mehr einer Turnhalle. Wenn man den Film mögen möchte, darf man sich an dem gelegentlich sehr vordergründigen Humor nicht stören und muss den Schwerpunkt mehr Richtung Unterhaltung und nostalgischen 'Kitsch' denn Anspruch setzen.

Insgesamt wird ein sehr gelungenes und in sich geschlossenes Werk präsentiert und die Thematik bleibt ständig aktuell. Der Film löst alles zur Vollkommenheit hin auf, Standesunterschiede müssen der Liebe weichen und Ungerechtigkeit muss letztendlich das Feld räumen. Der herrlich unrealistische Verlauf samt Happy-End macht das Märchen erst zu dem, was es ist und lässt Menschen träumen - sofern sie dazu bereit sind.

 
Nadine Holtwick / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
(Tri orisky pro popelku)

CSSR / DDR 1973
Regie: Václav Vorlícek;
Darsteller: Libuse Sanfránková, Pavel Trávnicek, Carola Braunbock, Rolf Hoppe u.a.; Drehbuch: Václav Vorlícek nach dem Märchen von Bozena Nemcová; Kamera: Josef Illík; Länge: 86 Minuten; FSK: ab 6 Jahren




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Drei Haselnüsse für Aschenbrödel
<20.12.2000>  



Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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