02.10.2012

Vom Untergang der Menschheit

Doomsday Book

Ist die Form zukünftiger Dinge die blutrünstiger Zombies? Träumen Androiden von göttlicher Erleuchtung? Kann eine Billardkugel von einer Odyssee im Weltraum als Meteorit zurückkehren? Drei Fragen, die drei Geschichten inspirieren. Drei Zukunftsmärchen, die Kim Ji-woon und Yim Pil-sung in skurrilen Bildern und weitsichtigen Szenen in ihrem cineastischen "Doomsday Book" erzählen.

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, respektive, der verfaulte Apfel rollt nicht weit vom Müll. Auf dem sitzt Yoon Seok-woo (Ryu Seung-beom), dessen Verwandtschaft mit dem Kreuzfahrtschiff in See sticht. Quasi als Ersatz für den Monat Wehrdienst, der dem verplanten Forscher noch bleibt, ordern Eltern (Lee Kan-hee, Kim Roi-ha) und die spöttelnde Schwester (Hwang Hyo-eun) ihn zum Aufräumen des heimischen Schweinestalls. In einem solchen endet der Apfel im Fraß eines Mastschweins und das wiederum im Fraß von Seo-woo und seiner hübschen Essensbegleitung Kim Yoo-min (Go Joon-hee). Das Kosten bringt dem Paar romantische Erkenntnis, gefolgt von der Vertreibung aus dem irdischen Konsumparadies, wo das verseuchte Schweinefleisch eine Plage auslöst und Zombie zu neuen Endverbrauchern macht.

Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. So ist die göttliche Erleuchtung über Blech und Metall gekommen, glauben die Mönche eines buddhistischen Tempels. Dort gilt der Arbeitsroboter RU-4 (Park Hae-il) als Reinkarnation Buddhas, der sein Robotervolk aus der Knechtschaft führen will. Der beunruhigte Direktor der Herstellerfirma Universal Robots (Kim Seo-hyung) betrachtet das als Fehlfunktion, die der Robotertechniker Park Do-won (Kim Kang-woo) zum Wohle der Menschheit abschalten soll – zusammen mit dem In-myoung genannten RU-4. "Er ist nur ein Roboter so wie ich nur ein Techniker bin", sagt Do-won, der dennoch wagt der industriellen Allmacht zu trotzen und sich gemeinsam mit dem Mönch Bodhisattva Hye-joo (Kim Gyu-ri) in Allianz mit der Rebellion der Maschinen tritt zu seine eigene spirituelle Rebellion erlebt.

Die schwarze Acht ist eine fatale Kugel, nicht nur im Billard. Das lernt die kleine Park Min-seo (Jin Ji-hee), der die Achter-Kugel ihres billardbegeisterten Vaters (Lee Seung-jun) zerbricht. Um das Unglück zu verbergen, wirft sie die Acht aus dem Fenster und bestellt über eine ominöse Internetseite eine Ersatzkugel. Nach dem jahrelangen Warten bekommt sie mehr als sie haben wollte. Der kindliche Weltuntergang wird zum Vorboten eines realen, das Ende der Kindheit kommt zeitgleich mit dem der Menschheit, auf die ein Meteorit zusteuert. Zu allem Übel gleicht der Himmelskörper einer schwarzen Acht, vor der Min-seo und ihre Eltern in den Bunker ihres Onkels Hu-an (Song Sae-byeok) flüchten. Als sieben Jahre die Vorräte aufgebraucht sind, muss die inzwischen 18-Jährige (Bae Doona) aus dem Schutzraum in die Außenwelt treten.

"Bericht von der Zerstörung der Menschheit" lautet der Originaltitel des geschickten Balanceakts zwischen Fantasy und Science-Fiction, der Kim Ji-woon und Yim Pil-sung 2012 den Hauptpreis auf dem Fantasia Festival einbrachte. Trotz der episodischen Struktur sträubt sich die futuristische Trilogie des südkoreanischen Regie-Duos gegen den Begriff Omnibusfilm. Die lose verknüpften Kapitel des "Doomsday Book" erinnern an eine phantastische Variation klassischer Fabeln oder einen filmischen Triptychon, verbunden durch biblische Anspielungen. Das spirituelle Thema wiegt schwer in den Erzählungen, die dennoch stets ihren individuellen Ton von Skepsis und Reflexion bewahren. Bizarre Romantik, Melancholie und schwarzer Humor charakterisieren die Chronik dreier Untergänge, die nicht universell sind, sondern in erster Linie physischer, geistiger oder emotionaler Natur.  

Lida Bach / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Doomsday Book
(Doomsday Book)

Südkorea 2012
Regie & Drehbuch: Kim Ji-woon, Yim Pil-sung;
Darsteller: Bae Doona, Jin Ji-hee, Ryu Seung-beom, Park Hae-il, Kim Kang-woo, Hwang Hyo-eun, Lee Kan-hee, Kim Roi-ha, Kim Seo-hyung, Lee Seung-jun u.a.;
Produktion: Kim Jung-hwa; Kamera: Ha Sung-min, Kim Ji-yong; Musik: Mowg;

Länge: 115 Minuten; ein Film auf dem Fantasy Filmfest 2012



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"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

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