14.04.2016
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Panorama Dokumente

Don't Blink
- Robert Frank


Laura Israels filmische Collage über Fotograf und Filmemacher Robert Frank ist eine Hommage an die Kraft der Momentaufnahme. Das richtungslose Konglomerat der langjährigen Mitarbeiterin und Cutterin Franks bringt diese expressive Kraft leider nur selten auf. Weder Franks Wesen, noch das umfangreiche Werk durch die unscharfen Videos, Fotos und Cut-ups werden zugänglicher.

Don't Blink - Robert Frank"Wenn jemand sich der Kamera bewusst ist, wird das Bild anders", sagt Frank, der zu den eindrucksvollsten Chronisten seiner Ära zählt, einmal. "Die Leute verändern sich." Ob es die Antipathie zwischen der Kamera und dem sich dieser offenkundig unangenehm bewussten Subjekt ist oder die überwältigende Masse an künstlerischem Material, das Israel in den Film packt: Das Resultat bleibt im visuellen wie persönlichen Sinne konturlos. Man sieht Frank in der Gegenwart als in seinem Apartment durch Berge selbstgeschaffener Zeitdokumente und Erinnerungsstücke kramen und durch die Gegend fahren. Dazwischen sieht man ihn auf Archivaufnahmen mit Familie und Freunden sein Oeuvre erschaffen. Interviews zu geben, ist im verhasst, das sagt er ganz offen. Wohl nicht zuletzt deshalb kämpft der Film scheinbar darum, die nur rund 80 Minuten Laufzeit nicht nur mit Franks Bildern zu füllen, sondern auch ihm selbst. Das ganze Wesen des Künstlers läge aber ohnehin in seiner Arbeit, sagt die Regisseurin als wolle sie damit den inhaltlichen Mangel der Doku retuschieren. Franks Werke sind praktisch omnipräsent, sei es am Bildrand, als Einblende oder Hintergrundprojektion. Frank kommentiert einmal, er hasse so etwas, weil es furchtbar aussehe. Damit hat er recht. Die meist schwarz-weißen Filme und Fotos flackern so hektisch und grobkörnig über die Leinwand, dass sie eines Großteils ihrer Wirkung beraubt werden.

Don't Blink - Robert Frank Der Name Jack Kerouac fällt, Allen Ginsberg spricht kurz und William Burroughs liefert eine knappe Pointe. Frank kannte die Ikonen der Beat Generation und Stars der Kunstszene schließt man daraus vage. Seine bahnbrechende Publikation "The Americans" und die experimentellen Filme "Pull My Daisy" und "One Hour" werden kurz erwähnt. Ihr Einfluss und ihre neuartige Perspektive auf die amerikanische Gesellschaft erschließen sich nicht. Die Anfänge als Modefotograf, der Bruch mit der Branche, die Beziehung zu prägenden Zeitgenossen wie Diane Arbus und Saul Leiter, die Publikationsschwierigkeiten von "The Americans" tauchen allesamt nicht auf. In Franks Privatleben wagt der Film nur einen scheuen Blick. Welchen Einfluss der tragische frühe Tod der Tochter Andrea und des Sohnes Pablo auf den Menschen und sein Werk hatten, bleibt wie so vieles unklar. In einer bezeichnenden Episode berichtet Frank von dem Bruder des Dichters Peter Orlovsky, der aus jahrelanger Katatonie zurückkehrte und über den er 1969 "Me and Myself" drehte. Julius Orlovsky sprach selten, aber wenn er es tat, waren es bemerkenswerte Dinge.

Die Worte des Titelcharakters hingegen sind – womöglich, da er es selbst so will – selten aufschlussreich. Was "Don't Blink" festhält ist vor allem die Kamera-Scheuheit des Protagonisten. Er meint einmal, man sei immer auf der Jagd nach einem guten Bild. Im Falle von "Don't Blink" ist die allerdings wenig erfolgreich.  

Lida Bach / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Grandfilm

 
Filmdaten 
 
Don't Blink - Robert Frank (Don't Blink - Robert Frank) 
 
USA/Frankreich 2015
Regie: Laura Israel;
Produzenten: Melinda Shopsin, Laura Israel; Kamera: Lisa Rinzler, Ed Lachman; Schnitt: Alex Bingham;

Länge: 82 Minuten; deutscher Kinostart: 13. April 2017



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<14.04.2016>


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verstorben: Dorothea Holloway, unter ihrem Geburtsnamen Dorothea Moritz Schauspielerin ("Höhenfeuer", "Der Willi-Busch-Report"), Filmjournalistin und liebe Freundin (08.06.1932 - 03.02.2017)


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