07.08.2013
Das blaue Wunder

Die Schlümpfe 2


Die Schlümpfe 2 Es gibt Dinge im Leben, denen sich einfach nichts Gutes abgewinnen lässt, egal wie sehr man sich darum bemüht. "Ich wurde geröstet", ruft im Nachfolger von Raja Gosnells dreidimensionalem Kinohit "Die Schlümpfe" Muffi (George Lopez), der vom Griesgramschlumpf vorübergehend zum Optimistischlumpf wird: "Versucht mal daran die positive Seite zu finden!" Vor einer ähnlichen Unmöglichkeit steht man als Zuschauer von "Die Schlümpfe 2". Der blauäugige Kleinkinderfilm mit dem Label "für die ganze Familie" will einen ebenfalls weichkochen: angefangen beim Gehirn.

Ob die Zielgruppe, der die aufgekratzten Animationen gelten, überhaupt eines besitzt, ist fraglich. Wenn nicht würde sich dies umso besser in die homogene Hegemonie von Schlumpfhausen mit seinen Pilzhäusern und der nervigsten Nationalhymne (ja, die Rede ist von dem Lalalalalala) seit dem "Hey Ho" der Sieben Zwerge einfügen. Getreu dem Vorbild der TV-Serie, die Folge für Folge das gleiche Handlungsmuster weiter abnutzte, recycelt "Die Schlümpfe 2" den Plot von "Die Schlümpfe". Diesmal geht der Ausflug zu Patrick (Neal Patrick Harris) und seiner von Stiefopa Victor (Brendan Gleeson) belagerten Familie nach Paris. Dorthin hat der als Showzauberer gefeierte Gargamel (Hank Azaria) mit Hilfe seiner selbstgeschaffenen Lümmel Schlumpfine (Katy Perry) entführt. Die Geschwister Zicki (Christina Ricci) und Hauie (J. B. Smoove) sind minderwertige Schlumpf-Imitate, wie Schlumpfine es war bevor Papa Schlumpf sie zur exklusiven Blondine der Blue-Man-Group zauberte. Ein Zeichentrick-Prolog zeigt Schlumpfines Erschaffung zum Zweck, in der maskulinen Monokultur Zwietracht zu säen. Das misslang ihr mangels Attraktivität, die offenbar die wichtigste Zugabe von Papa Schlumpfs Verwandlungsformel war.

Die Schlümpfe 2 Ihre Schwester Zicki ist zwar auf cool gestylt, aber die unterschwellige Assimilationsbotschaft signalisiert, dass nichts so cool ist wie kollektiver Konformismus. In einer frühen Szene betrachtet die ob ihrer Herkunft verunsicherte Schlumpfine ihr Spiegelbild im Wasser und glaubt, sie sehe ihr hässliches früheres Ich. Der mit einer guten Portion Misogynie versetzte Anti-Individualismus führt die männlichen Retter, auf die sie hofft, zu der Frage, ob Schlumpfine das ganze überhaupt wert sei. Aus Zuschauersicht muss man eingestehen: nein. Nichts ist es wert, das zweite 3D-Abenteuer der Titelfiguren, die vor 55 Jahren der belgische Comiczeichner Peyo ersann, durchzustehen. Wenn jedes Plotelement altbekannt und vorhersehbar ist, dann sind "Die Schlümpfe" dem Original am nächsten. "Mit 'Die Schlümpfe' und nun 'Die Schlümpfe 2' wollen wir Filme machen, die sich über alle geografischen Grenzen übersetzen", verkündet Produzent Jordan Kerner. Ein Leichtes bei einer Franchise mit einer omnipräsenten Universalvokabel. Genau diese Vokabel meine ich und ich werde jetzt nicht schreiben "verschlumpft noch mal" oder "unschlumpfig", da mir nach "Die Schlümpfe" klar ist, dass so ein Wortspiel, in Filmen oder Filmkritiken, höchstens einmal witzig ist.

Die Schlümpfe 2 Gosnell sieht das offenbar anders und findet einen Gag je lustiger, desto öfter er sich wiederholt. Was könnte witziger sein als der gleiche Gag, 106 (so viele Schlümpfe gibt es in Schlumpfhausen) mal wiederholt und das in Fortsetzung? Bestenfalls, dass 2015 noch ein dritter Durchlauf folgen soll... Wäre wohl die Antwort von Sarkastischlumpf (Jimmy Kimmel). Der kommentiert, als Papa Schlumpf (Jonathan Winters) statt des "A-Teams" Schlaubi, Hefty und Gutsy versehentlich Beauty (John Oliver), Clumsy (Anton Yelchin) und Muffi in die Menschenwelt zaubert: "Ich bin sicher, Narzissmus, Unfähigkeit und Pessimismus werden es genauso tun." Was wie bittere Ironie klingt, ist die bittere Wahrheit. Schlümpfe kennzeichnet ihre Austauschbarkeit. Die Helden personifizieren die Eigenschaften, die sie im Namen tragen. Eine persönliche Weiterentwicklung ist von vornherein nicht gewollt und erscheint gar als Bedrohung. Als Zuschauer fürchtet man eher die nächste Folge der Kino-Serie. Bleibt nur zu hoffen, dass die Produzenten den Rat des Schluss-Songs befolgen: "Tear up the script".  

Lida Bach / Wertung:  * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Sony Pictures

 
Filmdaten 
 
Die Schlümpfe 2 (The Smurfs 2) 
 
USA 2013
Regie: Raja Gosnell;
Darsteller: Neil Patrick Harris (Patrick), Brendan Gleeson (Victor Doyle), Jayma Mays (Grace), Hank Azaria (Gargamel) u.a.; Sprecher im Original: Katy Perry (Schlumpfine), Jonathan Winters (+ 2013; Papa Schlumpf), Christina Ricci (Zicki), JB Smoove, George Lopez, Anton Yelchin u.a.; deutsche Sprecher: Hannah Herzsprung, Christiane Paul, Michael Kessler u.a.;
Drehbuch: J. David Stem, David N. Weiss, Jay Scherick, David Ronn, Karey Kirkpatrick nach den Figuren von Peyo; Produzent: Jordan Kerner; Kamera: Phil Méheux; Musik: Heitor Pereira; Schnitt: Sabrina Plisco;

Länge: 105,15 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Sony Pictures Releasing GmbH; deutscher Kinostart: 1. August 2013



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<07.08.2013>


Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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