06.12.2009 (publiziert)
13.09.2007 (geschrieben)

Die Lügen meiner Mutter

Regisseur Christian Duguay inszeniert die Geschichte eine Gesetzesflüchtigen – und entwirft dabei das extreme Psychogramm einer ungleichen Mutter/Tochter-Beziehung.

Die alleinerziehende Mutter Laren Sims (Joely Richardson) ist der stets gutgelaunte Mittelpunkt einer ansonsten recht gefühlsgehemmten amerikanischen Mittelstandsfamilie. Doch die junge Frau hat ein schwerwiegendes Problem – sie ist eine notorische Diebin und Lügnerin. Larens kriminelle Karriere beginnt zunächst mit einer gestohlenen Kreditkarte, die sie zum teuren Weihnachtseinkauf nutzt. Dank den Bemühungen ihres Strafverteidigers Ed (Joe Norman Shaw) muss sie zwar nur kurz ins Gefängnis, doch bei dem einmaligen Lapsus bleibt es nicht: Kaum in die Bewährung entlassen, wird Laren rückfällig. Um nicht erneut hinter Gittern zu landen, beschließt sie, von zu Hause fortzugehen und unterzutauchen. Da ihre kleine Tochter Haylei (Hayden Panettierre) nicht alleine im Hause der Großeltern zurückbleiben will, beginnt nun für beide eine abenteuerliche Odyssee – immer neue Identitäten, wechselnde Wohnsitze und Gaunereien mit inbegriffen. Als Laren dann eines Tages den vermögenden Anwalt Lucas Mackenzie (Colm Feore) kennenlernt, scheint sich für die beiden Flüchtigen alles zum Guten zu wenden: Nach einer rasch anberaumten Hochzeit erhalten sie endlich wieder ein festes Zuhause. Lange indes währt das harmonische Familienleben nicht, denn wieder einmal fällt Laren in ihre alten Gewohnheit zurück: In einem unbemerkten Augenblick lässt sie eine größere Summe Geld vom Konto ihres Mannes verschwinden. Dieser schöpft bald Verdacht. Aus den anschließenden Streitigkeiten erwächst in den folgenden Monaten ein unerträglicher Ehekrieg. Lucas gibt sich nach und nach dem Alkohol hin und droht, Larens dunkle Vergangenheit der Polizei zu melden. Verzweifelt heckt die in die Enge Getriebene daher einen riskanten Plan aus: Gemeinsam mit Freundin Kristin (Kailin See) will sie den ungeliebten Ehemann für immer zum Schweigen bringen. Ihre größte Sorge ist dabei nur, dass ihre über alles geliebte Tochter dem grauenhaften Plan auf die Schliche kommen könnte...

Mit "Die Lügen meiner Mutter" versucht sich Regisseur Christian Duguay an einem Genre-Mix aus Drama und Thriller. Dieser Spagat misslingt ihm gründlich, da die unentschlossene Inszenierung nur aufgesetzt wirkende Effekte liefert. Trotz ihres Bemühens um psychologische Glaubwürdigkeit wirken die beiden Protagonistinnen wie Kopfgeburten eines sozialkritischen Programmfilms. Die emotionale Drastik ihrer Lebensumstände wirkt auf die Dauer ermüdend. Alles in allem lässt die intendierte Tour de Force der Gefühle ein fahles Gefühl zurück, an dem auch die stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen nichts ändern können.

Hauptdarstellerin Joely Richardson, im Jahr 1965 in London geboren, wurde das Schauspieltalent bereits mit in die Wiege gelegt: Als Tochter des bekannten britischen Regisseurs Tony Richardson und der Schauspielerin Vanessa Redgrave gab sie schon als Dreijährige ihr Debüt vor der Kamera. In den achtziger Jahren wirkte sie zunächst in bekannten britischen Produktionen wie "Hotel New Hamphire" und Peter Greenaways "Verschwörung der Frauen" mit, bevor ihr 1994 mit einer Rolle in der John Goodman-Komödie "King Ralph" auch der Sprung nach Hollywood gelang. Parallel dazu ist Richardson auch immer wieder für das Fernsehen tätig: Nach ihrer Aufsehen erregenden Darstellung der erotisch frustrierten "Lady Chatterley" in Ken Russells gleichnamiger TV-Adaption des bekannten Romanklassikers (1993) brachte ihr insbesondere die US-Arzt-Serie "Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis" großes Kritikerlob (und zwei "Golden Globe"-Nominierungen) ein.  

Christian Heger / Wertung: * (1 von 5)



Filmdaten

Die Lügen meiner Mutter
(Lies My Mother Told Me)

Kanada 2005
Regie: Christian Duguay; Drehbuch: Matt Dorff; Produktion: Michael Frislev, Chad Oakes; Co-Produktion: Christian Duguay; Ausführende Produktion: Randy Robinson; Co-Ausführende Produktion: Steve Roeder; Kamera: Christian Duguay; Musik: Normand Corbeil;
Darsteller: Joely Richardson (Laren Sims), Colm Feore (Lucas Mackenzie), Hayden Panettiere (Haylei Sims), Jasmine Berg (junge Haylei Sims), Tim Henry (Johnny), Judith Buchan (Jenny), Kailin See (Kristin), Joe Norman Shaw (Edwards Samuels), Kira Bradley (Tammy), Stirling Karlsen (Jodie), Barbara Gates Wilson (Detective Rayburn), Marty Antonini (Guy), Rita Bozi (Carolyn) u.a.

Länge: 99 Minuten



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Zitat

"Ich war sehr erfolgreich damit, ein totaler Idiot zu sein." (über seine Karriere)

"Ich schaue die Welt mit Kinderaugen an." (über die Bewahrung seiner Kindlichkeit)

US-Komiker Jerry Lewis (16.03.1926-20.08.2017)

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