30.08.2012
Dürftiges Weibchengekreische

Die Hochzeit unserer dicksten Freundin


Die Hochzeit unserer dicksten Freundin Mit Filmtiteln und deren deutscher Übersetzung ist das immer so eine Sache. Nicht selten ergeben sich hanebüchene Konstruktionen, oder aber die Bedeutung geht völlig am Inhalt des Films vorbei. Bei dem Erstlingsfilm "Bachelorette" mit dem grandiosen und verlockenden deutschen Verleihtitel "Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" spielt es aber – gerade heraus geschrieben – kaum eine Rolle, wie, und ob man den Titel ins Deutsche überträgt. Denn ganz gleich welch erhabenen Titel man sich für diese triste, gequälte wie unoriginelle Klamotte hätte einfallen lassen: Es hätte kaum Errettung geheißen vor dem finalen Ertrinken im trüben Gewässer abgelutschter Klischees und dumpfer uninspirierter Kalauer.

Die Handlung ist so simpel wie die Gestalten in diesem Film, in denen es leider kaum ernstzunehmende oder witzige Figuren gibt. Drei Freundinnen – gespielt von Kirsten Dunst, Isla Fisher, Lizzy Caplan – begeben sich zum Junggesellinnenabschied nach New York, wo ihre Freundin Becky (Rebel Wilson) einen smarten jungen Mann heiraten wird. Nach Auffassung der penetrant überdrehten Frauen hat die übergewichtige wie ungelenke Braut in spe den feschen Kerl nicht verdient, und zu allem Übel zerreißt eine der Freundinnen das Hochzeitskleid. Kreischend und quakend, vollgepumpt mit Drogen und alkoholisiert bewegen sie sich durch das nächtliche New York, um das Kleid noch vor der Hochzeit reparieren zu lassen. Dabei nerven sie nicht nur ihre Mitmenschen, sondern auch den Zuschauer. Es wird nicht nur andauernd vom Ficken und Sex gesprochen, sondern es wird gefickt; es werden alten Schullieben getroffen, und ehemalige Beziehungen wieder belebt, so unglaubwürdig und banal, dass man nicht mehr hinsehen möchte; die jungen Frauen geben sich einerseits als toughe Frauen, die mit kecken Parolen jeden niederbügeln, um sich an anderer Stelle in einer merkwürdigen Stimmung aus Selbstzweifel und Weltschmerz zu baden; und es wird ununterbrochen gefaselt, wobei die Dialoge, sofern man sie in dem häufigen Stimmenwirrwarr identifizieren kann, über Sat. 1- und Pro 7-Niveau kaum hinausgehen. Kirsten Dunst, die in "The Virgin Suicides" und kürzlich in "Melancholia" fabelhafte Charaktere verkörpert hat, sagt in einer Szene, während des Sex mit einem Typ: "Bitte, komm nicht auf meinem Kleid". Was Leslye Headland, die Regie führte und das Drehbuch schrieb, zu solchen plakativen Einfachheiten veranlasst, möchte man lieber nicht wissen.

Die Hochzeit unserer dicksten Freundin: Beckys Hochzeitskleid ist hin Bisweilen könnte man meinen, dass die Filmemacherin versucht die Gattung der Komödie zu persiflieren, den einen oder anderen Genrebruch herbeizuführen, oder Stilelemente aus verschiedenen Genres zu verknüpfen. Das misslingt gründlich. Die Coen-Brüder und auch Jim Jarmusch zum Beispiel verstehen sich auf das Spiel Versatzstücke einzelner Genres gekonnt miteinander zu verquicken, oder das Genre mit seinen eigenen Mitteln ad absurdum zu führen, und mithin weiterzuentwickeln. Formal verlässt sich die Filmemacherin auf den Effekt harter wie schneller Schnittfolgen, einer übernervösen Kamera und mächtig viel diegetische wie non-diegetische Musik. Die Kamera klebt in überbordend vielen Halbnah- wie Nahaufnahmen an den Filmfiguren, mit dem Ergebnis, dass einem die gezeigten Menschen keinen Deut bedeutsamer werden. Man verwendet viel Anstrengung darauf, die Frauen in ihrem overacting möglichst als hypermoderne Wesen erscheinen zu lassen, die von einer hypermodernen Gesellschaft überfordert, im Strom der Schnelllebigkeit wie Oberflächlichkeit mitschwimmen. Bedauerlich, dass hier ein Frauenbild transportiert wird, das von stupender Eindimensionalität nur so kracht.

Headland hat an der renommierten Tisch School of the Arts der NYU ihren Abschluss gemacht, wo auch Martin Scorsese, Ang Lee, Spike Lee oder auch Jim Jarmusch Absolventen waren. Wenn sie nicht als Filmweibchen mit Filmen über Weibchen in die Annalen der Filmgeschichte eingehen will, muss sie zukünftig dickere Bretter bohren.  

Sven Weidner / Wertung: * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: StudioCanal

 
Filmdaten 
 
Die Hochzeit unserer dicksten Freundin (Bachelorette) 
 
USA 2012
Regie & Drehbuch: Leslye Headland;
Darsteller: Kirsten Dunst (Regan), Isla Fisher (Katie), Lizzy Caplan (Gena), James Marsden (Trevor), Kyle Bornheimer (Joe), Rebel Wilson (Becky), Adam Scott (Clyde) u.a.;
Produktion: Jessica Elbaum, Will Ferrell u.a.; Kamera: Doug Emmett; Schnitt: Jeffrey Wolf;

Länge: 87,22 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih von StudioCanal; deutscher Kinostart: 25. Oktober 2012



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Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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