22.11.2016

Die Frau in Gold


Der packende Film schildert eine wahre Begebenheit, nämlich den Verlauf der ersten erfolgreichen Restitutionsklage: Es geht in solchen Verfahren um die Rückgabe von Nazibeutekunst an die rechtmäßigen jüdischen Eigentümer.

Nachdem die Nationalsozialisten 1938 in Wien einmarschiert sind, herrschen Angst und Schrecken unter den Juden. Sie werden systematisch enteignet, so etwa die Familie Bloch-Bauer, der man ihre berühmte Kunstsammlung raubt. Darunter befindet sich auch das Jugendstil-Porträt der Tante Adele (Antje Traue) von dem berühmten österreichischen Maler Gustav Klimt (Moritz Bleibtreu). 50 Jahre später möchte Blochs Tochter Maria Altmann (Helen Mirren), eine inzwischen betagte Dame, die damals durch ihre Emigration nach Amerika als Einzige dem Holocaust entkam, das Bild "Goldene Adele", das ihr rechtmäßig gehört, wiederbekommen – es hängt zu dieser Zeit im Schloss Belvedere in Wien, ist weit über 100 Millionen Dollar wert und gilt als Nationalheiligtum, als "Mona Lisa Österreichs". Mit Hilfe des jungen engagierten Anwalts Randol Schoenberg (Ryan Reynolds), eines Enkels des Komponisten Arnold Schönberg, kämpft sie um die Rückgabe des Gemäldes. Aber je mehr sie sich mit diesem Kampf widmet, desto stärker sieht sie sich dem verdrängten Leid ihrer Vergangenheit konfrontiert. Nur widerwillig muss sie nach Österreich reisen, das sie nie wiedersehen wollte. Die verantwortlichen Stellen in Wien sind nicht bereit, das Bild herauszugeben. Erst nach jahrelangem Streit kommt die "Goldene Adele" nach Amerika zurück.

Selbst wenn man als Zuschauer dieses Ende aus der wahren Geschichte kennt (was selten sein dürfte), entwickelt sich eine dramatische Handlung mit einigen Gerichtsszenen und mit häufigem Wechsel von Hoffnung und Verzweiflung. Der Regisseur Simon Curtis führt uns in die prächtige Donaustadt Wien, zur Staatsoper, zum Prater, zum Schloss Belvedere. Maria und Randol treffen hier auf den investigativen Journalisten Hubertus Czernin (Daniel Brühl), der auf ihrer Seite steht und ihnen wichtige Informationen vermittelt. Immer wieder blendet der Film zurück auf Marias Leben im Dritten Reich, auf die furchtbaren Ereignisse nach dem "Anschluss Österreichs". Obwohl man ähnliche Szenen schon in so vielen Filmen gesehen hat, beobachtet man wieder mit Erschrecken, wie der Nazipöbel in die hochherrschaftliche Wohnung der Familie Bloch-Bauer eindringt und alles raubt, was ihm wertvoll erscheint. Herzzerreißend der Abschied der Eltern von Maria, die die letzte Gelegenheit zur Flucht nutzt, während Vater und Mutter damit rechnen müssen, verschleppt zu werden und die Tochter nie wieder zu sehen. Bilder der Familie sieht man auf Hitlers Berghof, und den Schmuck der auf dem Bild porträtierten Tante an Emmy Görings Hals. Die spannendste Szene ist eine atemberaubende Verfolgungsjagd auf Leben und Tod durch Gebäude, Straßen und Tunnels, in der Maria und ihr Ehemann, ein Opernsänger, zum Schluss der SS entkommen.

Oscar-Preisträgerin Helen Mirren spielt ihre Rolle wie immer souverän, sie kann ebenso tragisch wie amüsant agieren. Der zweite Sympathieträger ist Ryan Reynolds als Anwalt, der seine Aufgabe sogar als wichtiger empfindet als die Geburt seines Kindes. Ferner begegnen wir deutschen Stars wie Ludger Pistor, Justus von Dohnanyi und Nina Kunzendorf ("Tatort"), die ebenfalls beachtliche Leistungen abliefern.

Dies ist die spannende Geschichte eines Bildes von Klimt, anhand derer ein düsteres Kapitel deutscher Vergangenheit und zugleich ein überhaupt nicht trockenes juristisches Verfahren beleuchtet werden.  

Manfred Lauffs / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: 

 
Filmdaten 
 
Die Frau in Gold (Woman in Gold) 
 
USA 2015
Regie: Simon Curtis;
Darsteller: Helen Mirren (Maria Altmann), Ryan Reynolds (Randol Schoenberg), Daniel Brühl (Hubertus Czernin), Max Irons (Fritz Altmann), Katie Holmes (Pam Schoenberg), Antje Traue (Adele Bloch-Bauer), Elisabeth McGovern (Richterin Florence Cooper), Jonathan Pryce (Oberster Richter William Rehnquist), Moritz Bleibtreu (Klimt), Justus von Dohnányi (Dreimann), Ludger Pistor (Rudolph Wran), Nina Kunzendorf (Therese Bloch-Bauer), Tom Schilling (Heinrich) u.a.;
Drehbuch: Alexi Kaye Campbell; Produzenten: David M. Thompson, Kris Thykier; Kamera: Ross Emery; Musik: Martin Phipps, Hans Zimmer; Schnitt: Peter Lambert;

Länge: 109,49 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih der SquareOne Entertainment GmbH; deutscher Kinostart: 4. Juni 2015



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verstorben: Dorothea Holloway, unter ihrem Geburtsnamen Dorothea Moritz Schauspielerin ("Höhenfeuer", "Der Willi-Busch-Report"), Filmjournalistin und liebe Freundin (08.06.1932 - 03.02.2017)


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