04.03.2015

Die Entdeckung der Unendlichkeit


Die Entdeckung der Unendlichkeit Gerade hat er den Oscar für die Beste männliche Hauptrolle erhalten: Eddie Redmayne, Darsteller des genialen Physikers Stephen Hawking. Der Streifen "Die Entdeckung der Unendlichkeit" (Regie: James March) basiert auf einem Buch von Hawkings erster Frau Jane ("Music to move the stars. A life with Stephen", 2000) und zeigt dessen erstaunliche Karriere vom Studenten bis zum weltweit bekannten und geschätzten Wissenschaftler. Erstaunlich insofern, als die Ärzte dem zweiundzwanzigjährigen Mann eröffnet hatten, er leide an der Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) und habe nur noch zwei Jahre zu leben. Seitdem sind mehr als fünfzig Jahre vergangen, und Hawking lebt weiter mit seiner Krankheit, sitzt im Rollstuhl und kommuniziert mit der Welt über einen Sprachcomputer.

In seinem Bestseller "Eine kurze Geschichte der Zeit" (1988) beantwortete er die Fragen "Wie ist das Universum beschaffen? Welchen Platz nehmen wir in ihm ein, woher kommt es und woher kommen wir?" Kosmologie, Quantenmechanik und Relativitätstheorie wurden hier einem millionenfachen Publikum ohne mathematische Formeln erklärt. 1992 erschien ein Dokumentarfilm mit demselben Titel.

Nun werden Hawking und seine Theorien noch einmal Filmthema. Allerdings geht es hier weniger um die Inhalte seiner Forschung, sondern eher um die Liebesbeziehung zu seiner Frau Jane, ohne deren Hilfe, Unterstützung und Krankenpflege der Forscher sicher nicht die bekannte Karriere hätte machen können.

Die Entdeckung der Unendlichkeit Die Filmhandlung beginnt an der Universität Cambridge. Der junge Hawking fällt seinen Lehrern sogleich durch seine überragende Intelligenz auf, er geht aber auch gern mit Freunden in den Pub – die Hausaufgaben erledigt er im Handumdrehen. Auf einer Party verliebt er sich in die Kunststudentin Jane (Felicity Jones) und sie in ihn. Trotz der schlimmen Diagnose und der immer deutlicheren Krankheitszeichen (die Füße verdrehen sich, die Finger lassen sich nicht mehr bewegen, die Zunge gehorcht nicht mehr richtig) bleibt sie bei ihm: "Wir werden diese Krankheit gemeinsam bekämpfen!" Sie heiraten und bekommen drei Kinder.

So zeigt der Film eine besondere Beziehung: die zwischen dem schwerkranken großen Wissenschaftler, dem der Raum für seine Forschung freigehalten wird, und seiner liebevollen Gefährtin, die auf die eigene Karriere verzichtet und bei allen Schwierigkeiten eine möglichste "normale" Familie haben möchte. Das führt zu dramatischen Situationen, etwa als sich Jane in Jonathan, den Leiter des Kirchenchores, verliebt. Ihr Mann, der Jonathan freundschaftlich verbunden ist, bemerkt dies und akzeptiert das Verhältnis.

Die Entdeckung der Unendlichkeit Bei einem Wagner-Konzert in Bordeaux erleidet Hawking einen Kollaps, er hat eine Lungenentzündung und fällt ins Koma. Jane will aber nicht dem Vorschlag des Arztes folgen und auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichten. Ein Luftröhrenschnitt macht zukünftiges Sprechen unmöglich. Elaine Mason wird Hawkings Trainerin für die Handhabung des Sprachcomputers, mit dessen Hilfe er sein berühmtes Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit" schreibt. Bei einem Vortrag in den USA wird der weltberühmte Physiker begeistert gefeiert. Später trennt sich Jane von ihm und heiratet Jonathan. Als Stephen von der Queen geehrt wird, nimmt sie mit den drei Kindern stolz an der Veranstaltung teil. (Hawkings zweite Frau wurde übrigens seine Trainerin Elaine.) Es gehört allerdings zur Wahrheit etwas hinzu, das im Film gar nicht vorkommt: dass nämlich laut Janes Autobiographie die Ehe eine Abfolge von Katastrophen und Stephen ein übler Haustyrann war. Vgl. die Rezension im "Spiegel".

Hawking – das ist eine unglaublich schwierige Rolle. Hawking, der kleine, unbewegliche Mann, der die größten Weiten des Alls erforscht, hat ja schon ikonenhafte Züge. Redmayne gelingt es, die Entwicklung des Wissenschaftlers und seiner Krankheit äußerst differenziert darzustellen, von den ersten körperlichen Defiziten und der unartikulierten Sprechweise bis zur fast völligen Bewegungslosigkeit im Rollstuhl, wo die Mimik des in Großaufnahme präsentierten Gesichts auf dem schiefen Kopf die Sprache ersetzt.

So wird ein ganz ungewöhnliches und faszinierendes Leben präsentiert. Die Grundaussage dieses berührenden Films steckt in den enthusiastisch beklatschten Sätzen, die Stephen Hawking vor dem amerikanischen Publikum mit seiner Computerstimme spricht: "Das menschliche Streben sollte keine Grenzen kennen. So schlimm das Leben auch scheinen mag, solange ich lebe, hoffe ich."  

Manfred Lauffs / Wertung: * * * * * (5 von 5) 
 

 
Filmdaten 
 
Die Entdeckung der Unendlichkeit (The Theory of Everything) 
 
GB 2014
Regie: James March;
Darsteller: Eddie Redmayne (Stephen Hawking), Felicity Jones (Jane Hawking), Charlie Cox (Jonathan Hellyer Jones), David Thewlis (Dennis Sciama), Harry Lloyd (Brian), Simon McBurney (Frank Hawking), Abigail Cruttenden (Isobel Hawking), Maxine Peake (Elaine Mason), Emily Watson (Beryl Wilde) u.a.;
Drehbuch: Anthony McCarten; Produzenten: Tim Bevan, Lisa Bruce, Eric Fellner, Anthony McCarten; Kamera: Benoît Delhomme; Musik: Jóhann Jóhannsson; Schnitt: Jinx Godfrey;

Länge: 123,24 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Universal Pictures Germany GmbH; deutscher Kinostart: 25. Dezember 2014



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verstorben: Dorothea Holloway, unter ihrem Geburtsnamen Dorothea Moritz Schauspielerin ("Höhenfeuer", "Der Willi-Busch-Report"), Filmjournalistin und liebe Freundin (08.06.1932 - 03.02.2017)


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