01.12.2009 (publiziert)
20.03.2007 (geschrieben)

Die dritte Gewalt

Im abschließenden Teil von Anders Nilssons Trilogie um den stoischen Polizisten Johan Falk wird Europa von einer Welle des organisierten Verbrechens überrollt – und München zum Schauplatz eines spektakulären Showdowns.

Ein Jahr ist es nun her, dass Johan Falk (Jacob Eklund) aus Frust seinen Job bei der schwedischen Polizei an den Hagel gehängt hat. Nun will er aufs Land ziehen, ein eigenes Haus bauen und sich in Zukunft ganz seiner Familie widmen. Doch das Schicksal hat mit ihm andere Pläne: Als sein väterlicher Freund und ehemaliger Kollege Ola Sellberg (Lennart Hjulström) zum Leiter der Leiter der Abteilung "Organisiertes Verbrechen" bei Europol befördert wird, bittet dieser den einstigen Weggefährten um Unterstützung. Nur zögernd willigt Falk in ein Treffen ein, doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Vor seinen Augen wird Sellberg von zwei Auftragskillern kaltblütig erschossen. Gemeinsam mit Rebecca (Irina Björklund), einer jungen Frau, die bei Sellberg Schutz gesucht hatte, gelingt Falk die Flucht, doch die Verfolger kleben an ihren Fersen. Sie sollen Rebecca um jeden Preis nach London zurückbringen. Von dort aus zieht ihr Ex-Freund Phoenix Kane (Ben Pullen) die Fäden bei einer transnational operierenden Verbrecherorganisation. Rebecca ist fest entschlossen, die Machenschaften der Bande auffliegen zu lassen. Doch angesichts einer unsichtbaren Feindes, der sich über zahlreiche Umwege und eigene Scheinfirmen sogar der Kontrolle über vermeintlich seriöse Sicherheitsdienste bemächtigt, erscheint ihre Lage beinahe aussichtslos. Nach und nach wird Falk das Ausmaß der internationalen Verflechtungen bewusst. Viel Zeit bleibt ihm nicht zum Handeln, denn Kane und seine Leute haben nun auch seine schwangere Freundin Helén (Marie Richardson) und deren Tochter Nina (Hanna Alstersund) im Visier. Nach einer Flucht quer durch Europa kommt es in München bei einem EU-Gipfeltreffen zur alles entscheidenden Konfrontation. Just in diesem Moment entlädt sich der Unmut der Bevölkerung gegen die globalen Finanztransaktionen in einem gewalttätigen Straßenkampf...

Mit „Die dritte Gewalt“ präsentierte der schwedische Regisseur Anders Nilsson im Jahr 2003 den dritten und letzten Teil seiner Johan-Falk-Trilogie. Nach den vorangegangenen Filmen "Zeugen in Angst" (1999) und "Protection – Mit tödlicher Sicherheit" (2001) verlässt er mit "Die dritte Gewalt" dabei erstmals skandinavisches Terrain und integriert Falks Kampf gegen das Verbrechen in ein internationales Szenario.

Mit hohem finanziellem Aufwand in nahezu allen westeuropäischen Ländern gedreht, empfiehlt sich "Die dritte Welle" (so der Originaltitel auf Schwedisch, gleichzeitig die Bezeichnung für den großangelegten Infiltrierungsversuch krimineller Kräfte auf den internationalen Finanzmarkt) als wohltuende Alternative zu den sattsam bekannten effektüberladenen Actionthrillern aus den USA.

Wie schon in den beiden Vorgängerfilmen porträtiert der schwedische Schauspieler Jakob Eklund den Helden Johan Falk mit beinahe unterkühltem darstellerischem Minimalismus. Zuviel hat Johan Falk in seinem Leben schon erlebt, als dass ihn die Tragödien, die ihm die Welt tagtäglich auftischt, tatsächlich noch emotional berühren könnten. Das, was für ihn jetzt einzig und allein noch zählt, sind die Menschen, die er liebt. Und wie es das Schicksal will, sind auch sie nicht länger sicher, in dieser Welt, in der man über dem vielen Unrecht, der alltäglichen Not, Profitgier und Gewalt wahrlich verzweifeln könnte.

Mit einer narrativen Virtuosität, die den Zuschauer bis zum Ende schier atemlos zurücklässt, avanciert "Die dritte Gewalt" zweifellos zum Besten, was das europäische Spannungskino der letzten Jahre zu bieten hat. In starker Kontrastwirkung zur vergleichsweise ruhigen Exposition zieht dabei gerade das nervenstrapazierende Finale den Zuschauer in seinen Bann.

Anders Nilssons Falk-Trilogie zeichnet sich durch eine außergewöhnliche Geschlossenheit in Punkto Stab und Besetzung aus. Zu den kontinuierlichen Crewmitgliedern zählen Produzent und Drehbuchautor Joakim Hansson, Cutter Darek Hodor, Ausstatterin Marie Flyckt und Nilssons Bruder Bengt, der für die komplette Trilogie den Score lieferte. Vor der Kamera agierten in allen drei Teilen Jakob Eklund als Falk, Marie Richardson (Eklunds Ehefrau im richtigen Leben) als Helén, Hanna Alsterlund als Nina und Lennart Hjulström als Ola Sellberg.  

Christian Heger / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Die dritte Gewalt
(Den tredje vågen)

Schweden / Finnland 2003
deutscher Alternativtitel: The third Wave - Die Verschwörung (DVD-Titel; "Die dritte Gewalt" ist der Fernsehtitel) Regie: Anders Nilsson; Drehbuch: Joakim Hansson, Anders Nilsson; Produktion: Joakim Hansson; Kamera: Per-Arne Svensson; Musik: Bengt Nilsson;
Darsteller: Jakob Eklund (Johan Falk), Irina Björklund (Rebecca), Nicholas Farrell (Devlin), Ben Pullen (Kane), Marie Richardson (Helén), Sylvester Groth (Dauphin), Lennart Hjulström (Sellberg), John Benfield (Stevens), Robert Giggenbach (Sörensen), Pierre Deny (Leblanc), Emmanuel Limal (Rocca), Hanna Alsterlund (Nina), Jacqueline Ramel (Anja) u.a.

Länge: 115 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; DVD-Premiere: 30. Juni 2004



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
Zitat

"Kein guter Film ist zu lang und kein schlechter Film ist kurz genug."

US-Filmkritiker Roger Ebert (+ 2013)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe