06.09.2011
Keiner für alle

Die drei Musketiere (2011) (3D)


Die drei Musketiere (2011) (3D): D'Artagnan (Logan Lerman) und die Musketiere Aramis (Luke Evans) und Athos (Matthew Macfadyen) "Weißt du, was dein Fehler ist?", fragt Rochefort (Mads Mikkelsen), Erzscherge des skrupellosen Kardinals Richelieu (Christoph Waltz), den jungen D'Artagnan (Logan Lerman). "Du hast zu viele Bücher gelesen und alles geglaubt." Paul W.S. Anderson wähnt sich klüger. Athos (Matthew Macfadyen), Porthos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) weisen im dreidimensionalen Actionabenteuer des Regisseurs epischer Kinoklassiker wie "Mortal Kombat", "Alien vs. Predator" und "Death Race" persönlich darauf hin, dass "Die drei Musketiere 3D" wenig mit Alexandre Dumas' Romancharakteren gemein haben: "Wir sind nur noch wir selbst." Drei seelenlose Mantel-und-Degen-Marionetten, die nach den prahlerischen Einleitungsworten als einzige in der Lage sind, "die Apokalypse zu verhindern."

Der Kampf um den Schutz der französischen Krone des infantilen Herrschers Louis XIII. (Freddie Fox) wird nicht nur buchstäblich ausgefochten, sondern mit Schlachtzeppelinen einem James Bond tauglichen Waffenarsenal bestritten, in dem die namensgebenden Schusswaffen an Spielzeug-Pistolen erinnern. Die zahlreichen Leichen trüben dabei höchstens das Wasser der romantischen Kanäle, nicht die Amouren von Athos und der undurchsichtigen Milady (Milla Jovovich) und D'Artagnan und Hofdame Constance (Gabriella Wilde).

Nichts persönliches... rein geschäftlich." (Milady)

Die drei Musketiere (2011) (3D): Milady (Milla Jovovich) "Alle meinen, mit diesem Stoff würde ich völliges Neuland betreten", sagt Paul W.S. Anderson. "Ich sehe das aber anders", verkündet Anderson, für den in der Arbeit an einem historischen Film und einem Science-Fiction-Streifen kaum ein Unterschied besteht. Alles muss man bei diesen Genres selber machen: jeden Drehort, jedes Kostüm, die ganze konstruierte Welt, in die man da Publikum hineinziehen will. Und wenn man für das Hineinziehen in eine solche kein besonderes Gespür hat, gibt es zum Glück immer noch 3D. Douglas Fairbanks mag vielleicht schneidiger ausgesehen haben, aber mit einem riesigen Luftschiff praktisch durch die Leinwand in den Kinosaal geflogen ist er nicht.

Falls doch, hat "Die drei Musketiere 3D" zwei riesige Luftschiffe und dazu Logan Lerman, Milla Jovovich, Till Schweiger und andere Darsteller der zweiten Schauspielgarde, dank denen keiner der legendären Romannamen unerwähnt bleibt, nicht einmal die zahlreichen Alias von Milady De Winter. Dass zwischen der zynischen Intrigantin der Novelle und der "unbesiegbaren Zombie-Killerin", die Jovovich in "Resident Evil" verkörperte, ein Unterschied besteht, bemerkte Anderson augenscheinlich nicht. Alles ein Brei, wie gesagt.

Holzhammer statt Florett

Für diese Vermischung gibt es einen coolen Namen: Steampunk. Wenn das Futuristische "So schön Retro", wie es Buckingham über König Louis Kleidung von Louis XIII. sagt, ist es ein etabliertes Subgenre. Der krude Actionreigen inszeniert es wie des Königs neue Kleider. Will er mit seiner vermeintlichen Modernität glänzen, ist er tatsächlich total out. Jules Verne war Steampunk. Alexandre Dumas nicht. Dumas' drei Musketier-Romane, von denen die Drehbuchautoren den ersten adaptierten, sind Heldenromanzen. Dass es den Filmpendants der Romanfiguren an deren definierender Eigenschaft mangelt, bemerkt sogar D'Artagnan: "Irgendwie habe ich mir euch heldenhafter vorgestellt."

Die drei Musketiere (2011) (3D): Christoph Waltz (Kardinal Richelieu), Orlando Bloom (Herzog von Buckingham) Dafür haben die Titelcharaktere andere Vorzüge, die ein Wachsoldat aufzählt: "Ihr französischen Spione seid so über alle Maßen dumm, arrogant und – sexy". So tönt es wortwörtlich aus dem Munde des dicklichen Porthos und Anderson setzt alles daran, dem zu entsprechen. Vom potentiellen Teenie-Schwarm Logan Lerman als D'Artagnan über Orlando Blooms Rockstar-Buckingham bis zu Take That, die ihre gealterten Fans endlich für deren Treue belohnen und all die Herzen kitten, die einst bei der Trennung der Boy-Group brachen, gibt es für jede Zielgruppe eine Heldenfigur. Deren Vorbild taugt nicht nur zum Anhimmeln, sondern nach Meinung von Co-Produzent Robert Kulzer zur Identifikation: "Viele junge Männer sitzen zu Hause vor ihren Computern und trauen sich nicht mehr aus dem Haus." D'Artagnan könnte ihnen signalisieren: "Geht raus! Die Welt wartet auf euch!" Auf der Leinwand wartet sie nicht, denn ungelenke Kameraführung und holprige Schnitte reduzieren die bombastischen Kulissen und pompösen Effekte zu dumpfer Actionmonotonie – dank 3D plastischer als je zuvor.

Den selbstverliebten Humor kommentiert treffend Christoph Waltz: "Ich weiß, an dieser Stelle müsste ich loslachen wie ein Besessener." Das vergeht angesichts des filmischen Credos, das Athos illustriert: Kampf, Rausch und Geld: "Jeder, der etwas anderes behauptet, ist entweder ein Lügner oder will dir etwas verkaufen." In Andersons Fall von "Die drei Musketiere 3D" einen miserablen Kinofilm.  

Lida Bach / Wertung: * (1 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Constantin Film

 
Filmdaten 
 
Die drei Musketiere (2011) (3D) (The Three Musketeers (2011)) 
 
Frankreich / Deutschland / GB 2011
Regie: Paul W.S. Anderson;
Darsteller: Logan Lerman (D'Artagnan), Milla Jovovich (Milady de Winter), Matthew Macfadyen (Athos), Ray Stevenson (Porthos), Luke Evans (Aramis), Mads Mikkelsen (Rochefort), Orlando Bloom (Herzog von Buckingham), Christoph Waltz (Kardinal Richelieu), Gabriella Wilde (Constance), James Corden (Planchet), Juno Temple (Königin Anna), Freddie Fox (König Louis XIII.), Til Schweiger (Cagliostro), Nina Eichinger (Kammerfrau) u.a.;
Drehbuch: Alex Litvak und Andrew Davies basierend auf dem Roman von Alexandre Dumas; Produzenten: Jeremy Bolt, Paul W.S. Anderson, Robert Kulzer; Executive Producer: Martin Moszkowicz; Kamera: Glen MacPherson; Musik: Paul Haslinger; Titelsong: Take That; Schnitt: Alexander Berner;

Länge: 110,52 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Constantin Film Verleih GmbH; deutscher Kinostart: 1. September 2011



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
Offizielle Seite zum Film
<06.09.2011>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe