17.02.2013
Krude - kruder - The Croods

Die Croods


Die Croods "Ideen sind was für Schwächlinge!" Zu diesem Grundsatz bringt Grug seine Alltagserfahrung als Familienoberhaupt (im Original gesprochen von Nicolas Cage) zu einer Zeit irgendwann zwischen der Entdeckung des Feuers und der Ausformung der Kontinente. Ein paar Hundert Millionen Jahre später sind Kirk DeMicco und Chris Sanders intellektuell nicht sonderlich weiter gekommen. Das signalisiert jedenfalls die dreidimensionale Animationsaction, mit der das Regieduo das Publikum am letzten Wettbewerbstag der 63. Berlinale in die Steinzeit versetzt.

Das gelingt dem aufgedrehten Familienabenteuer weniger durch das dröhnende Szenario aus schroffen Felsformationen und Dschungeldickicht als die in Stein gehauene Moral. Veränderung = Gefahr. Das ist das vermeintliche Naturgesetz, das Grug seiner Frau Ugga (Catherine Keener), der fidelen Schwiegermutter Gran (Cloris Leachman), der aufmüpfigen Tochter Eep (Emma Stone), ihrem tumben Bruder Thunk (Clark Duke) und dem bissigen Nesthäckchen Sandy in Lager-ohne-Feuer-Geschichten lehrt. Doch in einer Welt, wo sich Erdplatten und Evolutionsstufen verschieben, scheinen selbst uralte Regeln nicht mehr unverrückbar. In Zeiten der Unbeständigkeit, die für die Titelfiguren mit dem Einsturz ihrer Höhle und der Entdeckung einer das sinnbildliche Dunkel erhellenden Waffe anbrechen, ist Sicherheit gleichbedeutend mit Unabänderlichem. Das verkörpert nicht die neugierige Eep, sondern ihr sturer Vater Grug, der gesteht: "Ich kann mich nicht ändern."

Die Croods Aus der Handlungsperspektive ist das ideal, denn so bleibt er der unerschrockene Beschützer Eeps und ihrer Verwandten. "Höhlenmenschen brauchen keine Gehirne", verkündet Grug, der seine Sippe bisher beschützte ohne seines zu aktivieren. Das ist für Urmenschen eine harte Aufgabe; wie hart führen das Sippenoberhaupt und sein junger Konkurrent Guy (Ryan Reynolds), der auf einem verbotenen Nachtausflug Eeps eine Fackel und ihr Herz entflammt, nachdrücklich vor: einen Stein oder anderes massives Objekt greifen und sich an den Kopf schlagen, für ein optimales Ergebnis mehrfach. Verständlicherweise war DeMicco und Sanders danach nicht zumute, als sie gemeinsam die Story kreierten. "Kreieren" ist hier eigentlich ein irreführender Begriff, da er Innovation impliziert. Dazu fähig ist auf der Leinwand nur die Erde selbst, die sich von der kargen Felswüste in eintönigen Sandfarben zum psychedelisch schillernden Dschungeldickicht öffnet.

Die mit Lavaströmen und Erdbeben einhergehende Landschaftsveränderung verweist auf die Geisteswandlung, die "The Croods" tatsächlich nie vollziehen, Ihre Denk- und Verhaltensmuster bleiben gleich, ob beim Geröll-Rugby gegen Eulenbären und Echsen-Koyoten am Heimatfelsen oder der Flucht vor Flugpiranhas und Tiger-Papageien – um nur einige animalische Ergebnisse der CGI-Evolution zu nennen – im unbekannten Tropenwald. Dort übernimmt Guy die männliche Führerrolle, der sich der 9-jährige Thunk so widerspruchslos unterordnet wie die weiblichen Angehörigen. Sie sind doppelt prähistorische Prototypen, überholt wie ihre Trickfilmpendants der Familie Feuerstein. Seit deren TV-Debüt hat sich laut Produzentin Kristine Belson soziologisch nichts gewandelt: "So sehr sich Technologie und andere Dinge ändern, was vor Millionen von Jahren auf Familien zutraf, trifft heute zu und wird es in Zukunft." In der überdrehten Rauf-Tour in ein "besseres Morgen", das einem Urzeit-Senioren-Ressort in Florida ähnelt, sind das reaktionär-patriarchalische Gesellschaftsstrukturen.

Anführer, Erfinder, Bauer und Beschützer sind Männer mit liebend-bewundernden Partnerinnen. Die tragen den Nachwuchs herum und haben höchstens modische Einfälle, was nicht so gut ist wie gar keine. "Ich habe keine Ideen. Alles, was ich habe, ist meine Stärke." Ausgerechnet sie rettet den findigen Guy und den Klan, der seinem Primitivität und Vulgarität evozierenden Namen überaus gerecht wird in einer Welt, in der Einfallsreichtum nur siegt, wenn er zu einer brachialen Aktion führt. Wie unterhaltsam das Ganze im Kino ist verkündet Grug: "Niemand hat behauptet, dass Überleben Spaß macht!"  

Lida Bach / Wertung: * (1 von 5) 

 
Filmdaten 
 
Die Croods (The Croods) 
 
USA 2013
Regie & Drehbuch: Kirk DeMicco, Chris Sanders;
Originalsprecher: Nicolas Cage, Emma Stone, Ryan Reynolds u.a.;
deutsche Sprecher: Uwe Ochsenknecht, Janin Reinhardt, Kostja Ullmann u.a.;
Produzentinnen: Kristine Belson, Jane Hartwell; Produktion: Dreamworks Animation; Musik: Alan Silvestri; Schnitt: Darren Holmes, Eric Dapkewicz;

Länge: 98,36 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Twentieth Century Fox of Germany GmbH; deutscher Kinostart: 21. März 2013



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
 
 
 
 
der Film im Katalog der 63. Berlinale 2013
<17.02.2013>


Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe