17.08.2017

Die 1000-Euro-Generation

Wer heute eine Berufsausbildung oder einen Universitätsabschluss in der Tasche hat, auf den warten meist unbezahlte oder mit einem Taschengeld entlohnte Praktika, befristete Arbeitsverträge oder sonstige prekäre Jobverhältnisse. In Italien trägt die Generation der um die Dreißigjährigen in Anlehnung an das gefühlte Durchschnittseinkommen den Namen 1000-Euro-Generation. Den gleichnamigen Roman von Antonio Incorvaia und Alessandro Rimassa hat Regisseur Massimo Venier 2009 als sympathische Gesellschaftskomödie verfilmt.

Im Zentrum steht der dreißigjährige Matteo (Alessandro Tiberi), ein promovierter Mathematiker, der in der Marketing-Abteilung eines großen Konzerns in Mailand arbeitet und nebenher Vorlesungen an der Universität hält – seine Miete und die weiteren monatlichen Kosten kann der junge Mann dennoch nur mit Ach und Krach aufbringen. Gemeinsam mit seinem besten Freund Francesco (Francesco Mandelli), der als Filmvorführer jobbt, teilt sich Matteo eine Wohngemeinschaft in der Vorstadt. Beatrice (Valentina Lodovini), die neue Mitbewohnerin, verdient ihr Geld mit Nachhilfestunden und wartet auf eine Vertretungsstelle an einer Schule, während Matteos Arbeitskollegin Angelica (Carolina Crescentini) als Marketing-Leiterin ein Leben zwischen Geschäftsreisen und Meetings führt. Zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen fühlt sich Matteo hin- und hergerissen, was neben seiner finanziell prekären Lage weitere Probleme aufwirft.

Die Story von "Die 1000 Euro-Generation" lebt in erster Linie von den romantischen Verwirrungen des Protagonisten, wobei der gesellschaftskritische Hintergrund jederzeit mitschwingt. Mehrfach thematisiert der Film das Fehlen von Geld, zeigt Kündigungen an Matteos Arbeitsplatz und verweist auf den Umstand, dass eine akademische Ausbildung keineswegs ohne Umschweife in gesicherte Arbeitsverhältnisse wie eine Festanstellung führt, sondern das Arbeitsleben der Generation Praktikum einem Spießrutenlauf gleichkommt.

Mit seinen liebenswerten Figuren und dem lockeren Erzählton verpackt Massimo Venier die gesellschaftliche Bestandsaufnahme in einen Unterhaltungsfilm, der den zahlreichen Leidensgenossen/innen des Protagonisten aus der Seele spricht und letztlich dafür plädiert, Geldproblemen mit einer gewissen Entspanntheit zu begegnen.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Die 1000-Euro-Generation
(Generazione mille euro)

Italien 2009
Regie: Massimo Venier;
Darsteller: Alessandro Tiberi (Matteo Moretti), Valentina Lodovini (Beatrice Ferroni), Carolina Crescentini (Angelica Garrone), Francesco Mandelli (Francesco), Francesco Brandi (Fausto 'Faustino' Zaniboni), Francesca Inaudi (Valentina), Paolo Villaggio (Professor) u.a.;
Drehbuch: Massimo Venier, Federica Pontremoli nach dem Roman von Antonio Incorvaia und Alessandro Rimassa; Produzenten: Andrea Leone, Raffaella Leone, Maurizio Tedesco; Kamera: Italo Petriccione; Musik: Giuliano Taviani, Carmelo Travia; Schnitt: Carlotta Cristiani;

Länge: 98,27 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: unbekannt



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"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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