18.09.2014
Viel Technik, wenig Herz

Der kleine Medicus
– Bodynauten auf geheimer Mission im Körper


Der kleine Medicus Fliegende Libellen-Roboter als Spione, ein sprechender rosa Hase im dunkelgrauen Astronautenanzug als "Bodynaut", ein Roboter und eine Raumkapsel, die so geschrumpft werden, dass sie in einen Speicheltropfen passen – technisch gekonnt kommt der Film daher, der sich vorgenommen hatte, heutzutage digitalaffine Kinder zu beeindrucken. Bei solchen Sequenzen ist zumindest ihre Aufmerksamkeit gebannt – allerdings hält die ungeschickt gestrickte Geschichte das Geschehen nicht zusammen, so dass es am Herzen vorbeigeht.

Der dreizehnjährige Nano ist für sein Alter ziemlich klein. (Bis er in der Mitte des Films sein Alter verrät, hält man ihn für einen knapp Zehnjährigen). Er wird von Halbstarken gehänselt und von den coolen Mädels links liegen gelassen. Vorteile verschaffen ihm seine guten Bio-Kenntnisse bei Lilly, einer hübschen Klassenkameradin. Aber ausgerechnet als Lilly zum gemeinsamen Lernen bei Nano vorbeischaut, ist der Großvater wie in einen Roboter verwandelt. Er bewegt sich wie eine fremdgesteuerte Maschine, wirft alles um und spricht komisch. Nano und Lilly entwickeln sich zu richtigen Detektiven und erfahren, dass ein geschrumpfter Roboter die Wirbelsäule des Opas hinaufschwimmt. Mit Hilfe der "guten" Wissenschaftler und dem prahlerischen rosa Hasen "Rappel", der sich als "Bodynaut" gibt, werden die geschrumpften Kinder in einer Kapsel in Opas Körper injiziert und erleben dort Abenteuer.

Der kleine Medicus Die Vorgeschichte des bösen Roboters "Gobot" ist ungeschickt herübergebracht. Die Erklärungen, wie es dazu kam, erfolgen in unpassenden Dialogmomenten, wo man gar nicht hinhören will. Die Ziele und Motivation des bösen Dr. Schlotter sind nicht verständlich, die auf Gruselfilm getrimmten Szenen sind nicht nachvollziehbar, der linkische Humor kommt nicht an. Völlig überflüssig und zeitraubend wird eine Nebenhandlung der Schwester und Oma von Nano erzählt. Die Guten machen unverzeihliche Fehler, die der Geschichte zuliebe einfach durchgezogen werden. Zu schnell und nicht klar genug zeigt man den kleinen Zuschauern die Reise der Minikapsel durch den Körper, wieso sie von der Wirbelsäule in die Blutbahn kann und von da aus über den Magen auch in die Lunge hochwandert. Darauf hätte es jedoch diesem Film ankommen sollen – auf genau diese Reise durch den Körper. Und ausgerechnet diese nimmt letztendlich viel zu wenig Platz im Film ein.

Der kleine Medicus Die Bewegungen der computeranimierten Figuren sind hölzern und ungeschmeidig. Mit Ausnahme einer gelungenen Anfangsszene, wo Nano auf dem Skateboard im Affenzahn durch die Straßen fährt – übrigens knapp an fahrenden Autos vorbei, Treppen hinab und entlang des Treppengeländes, ohne dass irgendetwas passiert! – wurde nicht aufs Detail abgerundeter Bewegungen geachtet. In einer bereits erwähnten Szene ist es zwar gewollt, dass der Großvater wie ein Roboter agiert – was für Kinder angstmachender wirkt, als die Filmemacher es beabsichtigen – aber durch die ungenaue Zeichnung wirken die Charaktere abgehackt, sie können nicht richtig lächeln, keine richtigen Emotionen zeigen, die Gesichter wirken wie Masken. Zwar ist diese Ungelenkigkeit aus billigeren Fernsehproduktionen bekannt ("Feuerwehrmann Sam", "Garfield", wo die Geschichten besser geschrieben sind), sie hat aber in einem Kinofilm nichts verloren.

Für einen Kinobesuch – vielleicht ist der Film im versprochenen 3D ja spektakulärer, die Presse durfte ihn nur in 2D als Vorschau sehen – lohnt sich dieser Film wegen des Innenlebens des Labors und kleiner technischer Schnickschnacks, die unterhaltend sind. Der freundliche, hilfsbereite Nano wirkt auch als Sympathieträger und man folgt ihm trotz der holprigen Geschichte gerne. Ein großer Wurf ist aber leider aus dieser Produktion nicht geworden. Zu viele Chancen wurden vergeben.  

Hilde Ottschofski / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Senator

 
Filmdaten 
 
Der kleine Medicus - Bodynauten auf geheimer Mission im Körper  
 
Deutschland 2014
Regie: Peter Claridge;
Deutsche Sprecher: Christiane Paul (Micro Mintec), Bernhard Hoëcker (Serge), Malte Arkona (Rappel), Sebastian Fitzner (Nano), Annette Potempa (Lilly), Hans-Jürgen Dittberner (Dr. X), Prof. Dietrich Grönemeyer (Bordcomputer), Dr. Michael Nowka (Professor Schlotter) u.a.;
Drehbuch: Elfie Donnelly, Paul Arató nach dem Buch von Prof. Dietrich Grönemeyer; Produktion: WunderWerk, DKM und Zeitsprung Pictures in Koproduktion mit Senator Film München und Beta Film; Musik: Wolfgang Simm;

Länge: 78,26 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; ein Film im Verleih der Senator Film Verleih GmbH; deutscher Kinostart: 30. Oktober 2014



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<18.09.2014>


Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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