18.09.2019

Der Distelfink


Der Distelfink: Ansel Elgort Vor erschöpfender Belanglosigkeit bewahren John Crowleys überlangen Kunstraub-Krimi weder die untrennbar mit seiner Historie verknüpfte Faszination des Titelbildes noch die Qualität Donna Tartts Pulitzer-gekrönter Vorlage. Deren geschickte Installation eines Museumsstücks als psychologischer Fluchtpunkt im unbeständigen Leben des Hauptcharakters Theo Decker (Oakes Fegley) sowie Symbol für Vergänglichkeit und den verzweifelten Versuch, ihr Objekte oder Erinnerungen zu entreißen, macht Drehbuchautor Peter Straughan zum schnöden McGuffin: kurioses Momentum einer ohne Kenntnis des Romans kaum verständlichen Handlung.

Der Werdegang Theos, der bei einer Explosion im Met seine Mutter verliert, Fabritius' Distelfink klaut und aufsteigt zum brillanten Restaurator und Fälscher (monoton: Ansel Elgort), erscheint nie als glaubhafte Persönlichkeitsentwicklung, oft nicht einmal praktisch machbar. Zeitsprünge und narrative Lücken erodieren neben dem Handlungsgerüst das psychologische Fundament des (Anti)Helden. Dessen Motive und Gefühle bleiben unklar, vernebelt von traumatischen Erinnerungsfetzen und Drogensucht. Nebenfiguren sind statt Individuen wandelnde Allegorien philosophischer Dilemmata, welche die dröge Adaption nicht erfasst.

Der Distelfink: Nicole Kidman, Oakes Fegley Theos zeitweise Ersatzmutter Samantha Barbour (nuanciert: Nicole Kidman) und Mentor Hobie (Jeffrey Wright) fördern individuell sein Interesse an antiken Schätzen, die als Teil der Ausstattung mit der subtilen Kamera zur reizvollen Optik beitragen. Doch Kunst ist hier nicht bedeutungsvoll, sondern rein dekorativ. Seichte Melodramatik degradiert Fabritius' Gemälde zum Platzhalter all dessen, was die Überreste der Romanhandlung nicht vermitteln. So gerät die pompös den Wert von Authentizität beschwörende Inszenierung selbst zum kümmerlichen Abklatsch eines prestigeträchtigen Originals.  

Lida Bach / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos:
 2018 Warner Bros. Entertainment Inc. and Amazon Content Services LLC; Foto-Credit: Macall Polay

 
Filmdaten 
 
Der Distelfink (The Goldfinch) 
 
USA 2019
Regie: John Crowley;
Darsteller: Oakes Fegley (junger Theo Decker), Ansel Elgort (erwachsener Theo Decker), Nicole Kidman (Mrs. Barbour), Jeffrey Wright (Hobie), Luke Wilson (Larry), Sarah Paulson (Xandra), Willa Fitzgerald (erwachsene Kitsey Barbour), Aneurin Barnard (erwachsener Boris), Finn Wolfhard (junger Boris), Ashleigh Cummings (erwachsene Pippa), Aimée Laurence (junge Pippa), Boyd Gaines (Mr. Barbour), Hailey Wist (Theos Mutter), Denis O'Hare (Lucius Reeve) u.a.;
Drehbuch: Peter Straughan nach dem Buch von Donna Tartt; Produzenten: Nina Jacobson, Brad Simpson; Kamera: Roger Deakins; Musik: Trevor Gureckis; Schnitt: Kelley Dixon;

Länge: 149,47 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Warner Bros. Entertainment GmbH; deutscher Kinostart: 26. September 2019



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Zitat

"Es erscheint mir albern, dass etwas so Richtiges und Einfaches erkämpft werden muss."

("It just seems silly to me that something so right and simple has to be fought for at all.")

Schauspieler Gregory Peck (1916 - 2003) über die Rechte von Homosexuellen

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