23.04.2009
Hübsche Mädels, flotte Flitzer und eine abartige Leidenschaft

Death Proof
- Todsicher


Death Proof - Todsicher Quentin Tarantino schickte im Juli 2007 mit "Death Proof – Todsicher" eine modifizierte Impression aus Jugendtagen in die deutschen Kinos. Der Film ist der eine Teil des "Grindhouse"-Double Features, das Gegenstück bildet Robert Rodriguez' Film "Planet Terror". Den Titel "Grindhouse" haben die beiden ganz bewusst gewählt. Er suggeriert: Low-Budget, 70er Jahre-Mief, schäbige B-Movies.

Das Projekt floppte in den USA wie noch keine Tarantino-Produktion zuvor. Der Macher versuchte zwar, für den Deutschlandstart aufzurüsten, verlängerte den Film auf 130 Minuten und ließ die beiden Streifen nicht im Doppelpack anlaufen, doch auch das half nichts – der kommerzielle Erfolg blieb aus. Im Grunde für Tarantino nicht weiter dramatisch. Er hatte einfach diese Vision und ungeachtet dessen, was der Mainstream will, setzte er sie um. Hier und da wirkt der Film etwas aufgebläht und in die Länge gezogen, aber punktet mit authentischer Wirkung. Und dem Mut, bewusst neben großen actiongeladenen Konkurrenten auf High-Quality zu verzichten.

Zwar ist "Death Proof" in zwei Teile gegliedert, doch der Plot ist schnell erzählt: Der skurrile Stuntman Mike geht mit seinem "todsicheren" Auto auf Mädchenjagd. In einer Bar wird er auf das sexy Trio Jungle Julia, Shanna und Arlene, letztere auch Butterfly genannt, aufmerksam. Stuntman Mike sitzt am Tresen, beobachtet und belauscht die Frauen. Zugleich lernt er dort auch Pam kennen, die eine Mitfahrgelegenheit sucht. Der selbsterkorene Stuntman bietet der jungen Frau an, sie mitzunehmen. Für Pam endet die Fahrt nach kurzer Zeit: Auf ihrem mit Plexiglas verkleideten Behelfsbeifahrersitz eingepfercht, in dem verstärkten Stunt-Auto gefangen, fällt sie einem tödlichen Fahrmanöver zum Opfer.
Im Anschluss setzt Stuntman Mike zur Verfolgung der anderen drei jungen Frauen an. Mit der Gewissheit, dass ihm nichts passieren kann, crasht er mit voller Wucht frontal in deren Auto. Überleben ausgeschlossen.
Im zweiten Teil heftet er sich erneut einer Mädchengruppe an die Fersen. Doch er hat das weibliche Geschlecht unterschätzt. Die jungen Frauen drehen den Spieß um – der Jäger wird zum Gejagten.

Death Proof - Todsicher Wer hier eine stringente, packende Story erwartet, wird enttäuscht. Aber die Handlung ist auch nicht von Bedeutung. Viel mehr geht es um das wie, die Machart, um Ästhetik. Angelehnt an die B-Movies aus dem Exploitation-Genre, experimentierte Tarantino herum: Schwarz-Weiß-Effekte, verblasste Farben, die an Streifen aus den 70ern erinnern, und eingespielte Bild–Fehler. Mit modernster Technik auf trashig getrimmt – das ist es, was den Charme von "Death Proof" ausmacht. Ein bisschen Slasher, ein bisschen Retro-Anmutung, ein Schuss Sex und knackige Dialoge gepaart mit Road-Movie-Dynamik, unterlegt mit Gitarrenklängen der Südstaaten.

Cineasten und Tarantino-Liebhaber erkennen die unzähligen kleinen Anspielungen auf vorherige Produktionen und anderweitige Film-Antiquitäten.
Da klingelt plötzlich ein Handy mit vertrauter "Kill Bill"-Melodie. Hier ein Plakat von CSI, dort das knatschgelbe Auto, welches unwillkürlich an Uma Thurmans Kampfanzug aus "Kill Bill" erinnert. Und natürlich die immer wieder gezeigten Füße. Das wohl mittlerweile bekannteste Markenzeichen des Filmemachers.
Nette Schmankerl, die der Regisseur clever einflechtet.

Mitten zwischen blutverschmierten Scheiben, herumwirbelnden Extremitäten und prallen weiblichen Kurven wird klar, es geht nur vordergründig um plakative Gewalt. Quentin Tarantino lässt das Blut spritzen und versieht seine weiblichen Protagonistinnen mit toughen, knallharten Attributen. Ja, man kennt es bereits aus "Kill Bill". Tarantino hat ein Faible für starke Frauen, die rohe Gewalt anwenden. Aber im Grunde ist die Brutalität Fassade. Man bekommt den Eindruck, Tarantino wolle dem Zuschauer auf diese Weise seine Bewunderung für das weibliche Geschlecht übermitteln. Er glorifiziert es beinahe. Er lässt Abernathy & Co sich an Stuntman Mike rächen. Tarantino zeigt, wen er im Endeffekt als das stärkere Geschlecht empfindet.

Death Proof - Todsicher Die Zuschauer können in die Welt dieser Frauen eintauchen. So fährt die Kamera im Prolog des Films ins Autofenster hinein, zeigt das erste Mädchen-Trio. Es wird geredet, geredet, geredet. Unverblümt, offen. Spritzig und provokant. Nicht hochtrabend, nein trivial. Fast eine halbe Stunde lang – von Langeweile allerdings keine Spur. Man erfährt, was diese Mädchen beschäftigt, wie sie denken. Die Charaktere bekommen eine klare Kontur. Tarantino hat in "Death Proof" sämtliche femininen Stereotype im Repertoire: Die exotische Raubkatze Jungle Julia, die schmollmundige Butterfly, das niedliche Cheerleader-Girl Lee oder die lässige Stuntfrau Zoe.

Der einzige Mann, der in "Death Proof" eine wichtige Rolle spielt, ist der psychopathische Macho Stuntman Mike, der mit Kurt Russell perfekt besetzt wurde. Russell spielt den vernarbten Bösewicht mit der abartigen Leidenschaft authentisch. In manchen Szenen verleiht er seiner Figur durch die übertriebene Abgeklärtheit und Coolness sogar humorvolle Züge.

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht deutlich wird, im Grunde ist es ein Film für Frauen. Für emanzipierte Frauen. Für Frauen, die nicht zimperlich sind. Oder eben aber für Tarantino-Fans, die in seinen Filmen zwischen den Zeilen lesen und dabei ihren Spaß haben.

"Death Proof" ist definitiv ein Film, der polarisiert. Man liebt ihn oder man hasst ihn. Ganz genau wie seinen Macher selbst.  

Jennifer Klinge / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Senator

 
Filmdaten 
 
Death Proof - Todsicher (Death Proof / Grindhouse: Death Proof) 
 
USA 2007
Regie und Drehbuch: Quentin Tarantino;
Darsteller: Kurt Russell (Stuntman Mike), Rosario Dawson (Abernathy), Vanessa Ferlito (Arlene), Sydney Tamiia Poitier (Jungle Julia), Tracie Thoms (Kim), Rose McGowan (Pam), Jordan Ladd (Shanna), Mary Elizabeth Winstead (Lee), Quentin Tarantino (Warren), Marcy Harriell (Marcy), Eli Roth (Dov), Zoe Bell als sie selbst u.a.; Produktion: Elizabeth Avellán, Robert Rodriguez, Erica Steinberg, Quentin Tarantino; Ausführende Produktion: Bob Weinstein, Harvey Weinstein; Kamera: Quentin Tarantino; Länge: 113 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih von Senator; deutscher Kinostart: 19. Juli 2007



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<19.07.2007>


Zitat

"Kein guter Film ist zu lang und kein schlechter Film ist kurz genug."

US-Filmkritiker Roger Ebert (+ 2013)

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