06.12.2018

Das Rotkäppchen-Ultimatum

Dass nicht alle Animationsfilme den hohen technischen Standard der beiden Marktführer Pixar und Dreamworks erreichen können, liegt auf der Hand. Prinzipiell muss das auch kein Problem sein – schließlich kann eine nicht ganz so ausgereifte visuelle Oberfläche durch Charme, eine spannende Geschichte und dergleichen durchaus einen interessanten Film beherbergen. Doch Mike Disa, der mit "Das Rotkäppchen-Ultimatum" sein Kinofilmdebüt vorlegt, schafft es nicht im Geringsten, die mäßig animierten Bilder auf welche Weise auch immer aufzuwerten. Von einem gelungenen Running Gag um eine musizierende Ziege abgesehen, ist "Das Rotkäppchen-Ultimatum" durchgängig witzlos und gibt eine schwache Fortsetzung des ebenfalls nicht rundum überzeugenden Vorgängers "Die Rotkäppchen-Verschwörung" ab.

Die rüstige Oma des grimmigen Rotkäppchens wurde entführt, weil sie das Rezept für einen Krafttrank kennt. Gemeinsam mit dem bösen Wolf macht sich das kampferprobte Rotkäppchen auf die Suche nach den Entführern der Großmutter. Sehr actionreich prügeln sich die ihrem literarischen Kontext entrissenen Märchenfiguren zum Beispiel im Bruce-Lee-Gedächtnisanzug oder à la Matrix durch den Film, wobei ein emotionaler Unterbau oder eine packend erzählte Geschichte nur in Ansätzen vorhanden sind. Da die Computeranimation in der Tat kaum über den State of the Art moderner Videospielgrafiken hinauskommen, verpuffen die inszenatorisch ohnehin einfallslos dargebotenen Schauwerte postwendend; auch der 3D-Effekt kann da nichts mehr retten – im Gegenteil ist das Spiel mit der dritten Dimension derart schwach, dass ein Effekt kaum wahrnehmbar ist. Selbst einem viel versprechenden Schauplatz wie San Francisco gewinnt "Das Rotkäppchen-Ultimatum" keine packenden Bilder ab. Vielmehr repräsentieren die leeren und leblosen Animationen die große Langeweile, die den gesamten Film in jedweder Hinsicht durchzieht.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * (1 von 5)



Filmdaten

Das Rotkäppchen-Ultimatum
(Hoodwinked Too! Hood vs. Evil)

USA 2011
Regie: Mike Disa;
Sprecher im Original: Hayden Panettiere, Glenn Close, Patrick Warburton, Joan Cusack, David Ogden Stiers, Amy Poehler, Martin Short, Brad Garrett, Cheech Marin, Tommy Chong, Heidi Klum u.a.;
Drehbuch: Cory Edwards, Todd Edwards, Tony Leech, Mike Disa; Produzenten: Delna Bhesania, Joan Collins Carey, Maurice Kanbar, Ted Rogers; Musik: Murray Gold, Tom Keane, Dean Landon; Schnitt: Robert Anich Cole, Tom Sanders;

Länge: 86,17 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; deutscher Kinostart: 21. Juli 2011



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Zitat

"Ich schaue nicht auf irgendeinen meiner Filme mit Vorliebe oder Stolz zurück. Ich schaue auf meine Filme allgemein zurück... Ich kann nur die Redewendung benutzen: 'Ich bin verflucht'."

("I don't look back on any film I've done with fondness or pride. I look back on my films and on the past generally ... I can only used the phrase, 'Well, I'm damned.'")

Der britische Regisseur Nicolas Roeg (15.08.1928 - 23.11.2018; "Wenn die Gondeln Trauer tragen", "Der Mann, der vom Himmel fiel")

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