15.01.2019
Die Kontrolle die Kontrolleure

Das Ende der Wahrheit


Das Ende der Wahrheit: Ronald Zehrfeld Spätestens seit dem Fall Hans-Georg Maaßen stehen Verfassungsschutz und deutsche Geheimdienste in der Kritik. Verfassungsschutz-Chef Maaßen bezweifelte, dass es Hetzjagden auf Ausländer in Chemnitz gegeben hatte, und machte seine Privatmeinung öffentlich. Und sie kochen ihr eigenes Süppchen, weitestgehend unbeaufsichtigt, die Leute von Bundesnachrichtendienst (BND) und Co. Wie sehr, das zeigt dieser intelligente, sehr gut inszenierte und gespielte Polit-Thriller von Philipp Leinemann ("Wir waren Könige"). Leinemann recherchierte in der Szene und stellte eine Paranoia fest, bemerkte er beim 40. Filmfestival Max Ophüls Preis 2019 in Saarbrücken, "Das Ende der Wahrheit" eröffnete das Filmfest. Der Regisseur erzählte, nach konspirativen Treffen bei gemeinsamem Essen mit Geheimdienstlern verbrannten diese "die Quittung in der Kerzenflamme". "Authentisch" sei sein Film, fuhr Leinemann fort, ein Film, der von einem BND-Mann namens Martin Behrens (Ronald Zehrfeld) handelt, dessen eigene Leute nicht gesetzeskonform agieren, muss Behrens feststellen.

Es fängt harmlos an. In einem Seehaus liebt Martin Behrens seine Freundin Aurice (Antje Traue). Bald erfährt der Zuschauer: Es gibt viel Heimlichtuerei um diese Beziehung. Aurice weiß nicht, dass er BND-Experte ist, weiß nicht mal, dass er ihr ein Pseudonym genannt hat. Umgekehrt hat der BND keine Kenntnis davon, dass es diese Liebe gibt. Denn Aurice ist Journalistin, was ihr Partner seinem Arbeitgeber verschweigt. Während Behrens durch eine missglückte Aktion ins berufliche Abseits gerät, ist die junge Frau an einen Informanten geraten, der über den BND und dessen ihm bekannte Machenschaften aussagen will. Gerne hätte sie ihren Freund als Helfer beim geplanten Treffen dabei. Er geht nicht hin, was ihm das Leben rettet. Das Treffen endet blutig, Aurice stirbt bei dem Anschlag auf das Lokal, der Informant flüchtet schwer verletzt.

Nach der ersten Trauer macht sich Behrens daran, herauszufinden, warum es zum Attentat kam. Denn Aurice hatte mehr Kugeln im Körper, als die anderen Toten. Was haben die BND-Leute Dr. Joachim Rauhweiler (Axel Prahl) und der junge, aber stets gramgebeugte Patrick Lemke (Alexander Fehling) damit zu tun? Kann Behrens Vorgesetzten wie Dr. Vossmeier (Walter Kreye) und Dr. Grünhagen (August Zirner) trauen?

Das Ende der Wahrheit: Axel Prahl, Alexander Fehling Schonungslos geht Regisseur Leinemann mit dem Zuschauer um. Nicht nur das Attentat wird blutig gezeigt, später fallen Kopfschüsse, ein Mann wird mit einem von einer Bombe zerfetzten Arm am Boden liegen und sterben. Schonungslos geht der Film auch mit dem BND um, denn er zeigt, wie dessen Leute korrumpierbar sind. Des Films größtes Manko ist eine externe Aussage der Filmcrew: Der BND sei komplett korrupt und würde vom Film in seine Einzelteile zerlegt, dabei zeigt "Das Ende der Wahrheit" nur zwei Menschen innerhalb des BND, die kriminell werden, der Rest ist der titelgebenden Wahrheit sehr wohl verpflichtet. Davon abgesehen, geht Philipp Leinemanns spannender Film äußerst klug mit der sonst in sich gekehrten Welt der Nachrichtendienste um. Höhepunkt ist die schauspielerische Leistung Ronald Zehrfelds, der seinem Martin Behrens eine zerrissene Komponente gibt: Auch dieser BND-Mann ist von vornherein nicht schuldlos und wird es sich zwar am Ende gegenüber seiner vernachlässigten Tochter eingestehen – um dann nochmal Schuld auf sich zu nehmen, indem er eine der beiden kriminellen Personen vor der Enttarnung bewahrt.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Prokino

 
Filmdaten 
 
Das Ende der Wahrheit  
 
Deutschland 2019
Regie & Drehbuch: Philipp Leinemann;
Darsteller: Ronald Zehrfeld (Martin Behrens), Alexander Fehling (Patrick Lemke), Katharina Lorenz (Lucia Wendtland), Claudia Michelsen (Dr. Aline Schilling), Axel Prahl (Dr. Joachim Rauhweiler), Antje Traue (Aurice Köhler), Walter Kreye (Dr. Vossmeier), August Zirner (Dr. Grünhagen) u.a.;
Produzenten: Philipp Worm, Tobias Walker; Kamera: Christian Stangassinger; Musik: Sebastian Fillenberg; Schnitt: Max Fey;

Länge: 104,57 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; ein Film im Verleih von Prokino; deutscher Kinostart: 9. Mai 2019

Eröffnungsfilm des 40. Filmfestivals Max Ophüls Preis 2019

Auszeichnungen:
Deutscher Filmpreis Lola 2019: Bester Nebendarsteller (Alexander Fehling)



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<15.01.2019>


Zitat

"It is, what it is."

So kurz kann eine Filmkritik sein. Aus Leonard Maltin's Movie Guide, einem Buch mit kurzen Filmkritiken; der Satz gilt dem Film "Scooby-Doo 2" (2002).

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