09.04.2019
Dunkles Paradies

Dark Eden
- Der Albtraum vom Erdöl


Dark Eden - Der Albtraum vom Erdöl Ein Dokumentarfilm der Extreme. Die Extreme sind die Vor- und Nachteile der Erdölgewinnung. Was für Vorteile! Das "schwarze Gold" lässt viele Menschen reich werden. Und was für Nachteile: Andere Menschen erkranken an Krebs. Das Herauskristallisieren des Öls aus dem Teersand setzt lebensgefährliche Stoffe frei, die Natur, Tiere und Menschen vergiften. Debütregisseurin Jasmin Herold plante einen Film über das Pro und Contra der Ausbeutung von Bodenschätzen. Sie hatte in den Nullerjahren in Kanada gelebt und vom nordkanadischen Ort Fort McMurray erfahren, in dem eines der größten und letzten Ölvorkommen der Erde liegt. Ein Ort, der Menschen aus aller Welt anzieht. Was Herold nicht beabsichtigte: Sie verliebte sich in einen Mann aus Fort McMurray, den späteren Co-Regisseur des Films, Michael Beamish. Und blieb. Auch nicht beabsichtigt war: Ein persönliches Schicksal fließt in den Film mit ein, der Krebs überfällt Beamish.

Das Pro und das Contra der Erdölgewinnung ist von dem Regisseurspaar auf interessante Weise im Film regelrecht drapiert: Die erste Stunde wirkt "Dark Eden" wie ein Werbefilm für das Öl, nur die Vorteile werden genannt. Fröhliche, durch die Arbeit in dem kanadischen Ort zu Reichtum gekommene Bewohner erklären sich und ihr Leben vor der Kamera.

Dann schlägt das Paar zu. Denn eine Krankheit schlug zu. Krebs! Bei einem Mädchen, hinter dessen Augen Tumore wachsen. Und nicht nur bei ihm: Beamish ist selber an Krebs erkrankt. Das Umweltverbrechen wird dann in all seinen Konsequenzen geschildert, von den Vorteilen bleibt nicht viel übrig im cleveren Dokumentarfilm, der des Weiteren andere Krisen mit einfließen lässt: Die interviewten Menschen sind abhängig von ihren Jobs, was eben noch Geld brachte, könnte morgen vorbei sein, das Stichwort dazu ist der Einbruch des Ölpreises. Er kommt, Herold und Beamish zeigen die Menschen, die eben noch glücklich waren, nun besorgt, die sicher geglaubten Jobs sind gefährdet. Der Film konzentriert sich auf die Einwohner Fort McMurrays: ihr angehäuftes Geld, ihre aus der Erdölgewinnung resultierenden Krankheiten wie Krebs, ihre zerplatzenden Träume.

Dark Eden - Der Albtraum vom Erdöl US-Präsident Donald Trump ist kein Kanadier. Er wird im Film keine Rolle spielen. Aber man muss während des Sehens von "Dark Eden" häufiger an ihn und seine Missachtung der Umwelt denken, Fort McMurray ist dann implizit ein Mikrokosmos, der für die ganze Welt und ihre Umweltskandale steht. Ein Mann, ein Hauptprotagonist des Films, ist ein PR-Manager, der die Kampagne "We love oil sands" steuert. Die erste knappe Stunde des Films ist er ein netter Mensch. Klar, in diesem Zeitraum berichtet der Film nur von Vorteilen. Der nette Manager wird später gegenüber Herold sehr böse, bestreitet den Klimawandel (ja, da erinnert er an Trump) und reagiert aggressiv auf Fragen Herolds, die den Krebs des Mädchens und ihres Partners ins Spiel bringt.

Den ach so netten Herrn Manager wird man gegen Ende des Films nochmal sehen, dann hat er sich beruhigt und andere Probleme: Die Umwelt schlug zurück, ein riesiger Waldbrand zerstörte große Teile Fort McMurrays. Der noch recht junge Mann steht vor den Trümmern seines Hauses. Aber er verspricht den Wiederaufbau.

Und das Regie-Paar? Herold und Beamish sind im Film selten zu sehen, nur am Anfang und am Ende des Films, Herold kommentiert die Ereignisse aus dem Off, so dass beide Teil der Geschichte sind, ohne, wie sie sagen, sich "in den Vordergrund" zu spielen. Beiden gelang ein Film, der auf die Menschen eingeht samt persönlichen Dramen. Den Segen und den Fluch einer einzelnen Umweltzerstörung vermitteln sie gleichermaßen, auch in Hinblick auf allgemeine Umweltzerstörung, wie sie die Trumps dieser Erde ohne Rücksicht auf Verluste propagieren.  

Michael Dlugosch / Wertung: * * * * (4 von 5) 
 

Quelle der Fotos: W-film / Andreas Köhler

 
Filmdaten 
 
Dark Eden - Der Albtraum vom Erdöl  
 
Deutschland/Kanada 2018
Regie & Drehbuch: Jasmin Herold, Michael Beamish;
Mitwirkende: Markus und Olga Hoormann, Robbie Picard, Barnabas Maria Akech, Kerry Hammond, Bryan Laboucan, Stuart Mennigke, Cynthia und Arianna Tomlinson, Nick Fee, Mary Whitford, Rod Debolt u.a.;
Produzenten: Melanie Andernach, Knut Losen; Produktion: Made in Germany Filmproduktion in Koproduktion mit ZDF/3sat; Kamera: Andreas Köhler; Musik: Markus Aust; Schnitt: Martin Kayser-Landwehr;

Länge: 83,12 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; OmdtU; ein Film im Verleih von W-film Distribution; deutscher Kinostart: 11. April 2019

Auszeichnungen:
Internationales Filmfestival Braunschweig 2018: "Green Horizons Award" (Bester Film zum Thema Nachhaltigkeit)
Big Sky Documentary Film Festival 2019 (USA): "Feature Artistic Vision Award"



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<09.04.2019>


Zitat

"Immer, wenn ich 'Mr. Fonda' höre, schaue ich zur Tür in Erwartung, dass er zurückkommt."

("Whenever I hear 'Mr. Fonda', I look over at the door, figuring he's come back.")

Schauspieler Peter Fonda (23. Februar 1940 - 16. August 2019) über seinen übermächtigen Vater, Schauspieler Henry Fonda (1905 - 1982)

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