28.11.2009 (publiziert)
22.08.2007 (geschrieben)

Curly Sue
- Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel

In John Hughes' Familienkomödie brillieren James Belushi und Alisan Porter als drolliges Vagabundenpärchen, das in Chicagos feiner Gesellschaft für Trubel sorgt.

Seit neun Jahren zieht der obdachlose Lebenskünstler Bill Dancer (James Belushi) nun schon mit der kleinen Curly Sue (Alisan Porter) kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten. Mit allerhand kleinen Gaunereien schlagen sich die beiden wacker durchs Leben. Als der Magen eines Abends wieder einmal knurrt, schreiten sie zu einem besonderen Coup: Bill spielt das angefahrene Unfallopfer. Der Trick funktioniert: Von der schockierten Autofahrerin Grey Ellison (Kelly Lynch), einer wohlhabenden Anwältin, werden die beiden als Entschädigung zum Abendessen eingeladen. Als sich der Vorfall am nächsten Tag auf schicksalhafte Art und Weise wiederholt – diesmal allerdings ungeplant – quartiert Grey den bewusstlosen Bill in ihrer Wohnung ein, um ihn dort von ihrem Hausarzt (Burke Byrnes) untersuchen zu lassen. In der Zwischenzeit sorgt der gewitzte kleine Lockenkopf Sue für allerhand Aufregung im bisher so wohlgeordneten Leben der distanzierten Businessfrau. Mit großen Kulleraugen, entwaffnender Offenheit und einem unwiderstehlichen Lächeln bringt sie Greys Wertesystem ordentlich durcheinander. Deren versnobter Lebensgefährte Walker (John Getz) ist davon gar nicht begeistert: Er will die beiden unliebsamen Gäste so schnell wie möglich aus der Wohnung haben. Während Grey mit ihren neuen Freunden Bill und Sue zunehmend die Freuden des einfachen Lebens entdeckt, hetzt Walker den beiden die Jugendbehörde auf den Hals...

Er ist der große Mythologe des gehobenen amerikanischen Mittelstandes: Seit dem Beginn seiner Karriere in den frühen achtziger Jahren wurde der 1950 in Michigan geborene und 2009 verstorbene John Hughes zum führenden und populärsten Repräsentanten des komödiantischen Familienfilms "made in the USA". Hughes debütierte 1982 zunächst als Drehbuchautor von turbulenten Filmen wie "Ich glaub' mein Straps funkt SOS", "Mr. Mom" und "Die schrillen Vier auf Achse", in denen er sehr eng mit den führenden Stars der Comedy-Kaderschmiede "National Lampoon" zusammenarbeitete. Sein Erstlingswerk als Regisseur präsentierte er dann 1984 mit dem Überraschungserfolg "Das darf man nur als Erwachsener", dem bis 1991 insgesamt sieben Regie-Arbeiten folgten. Danach verlegte sich Hughes zunehmend auf die Tätigkeit des Produzenten, wobei er mit Filmen wie "Juniors freier Tag", "101 Dalmatiner" und "Flubber" auch hier seinem Konzept familienfreundlicher Unterhaltung treu blieb.

Mit großer Wärme und sehr viel Sympathie portraitierte Hughes in seinen Filmen immer wieder die archetypischen Figuren der amerikanischen Upper Class, deren komisches Potenzial er durch karikaturistische Übertreibung offen legte: Die Spanne reicht dabei vom gestressten Familienvater ("Hilfe, es weihnachtet sehr") über den adoleszenzgeplagten Teenager ("Ferris macht blau") bis hin zum aufgeweckten Lausejungen ("Kevin allein zu Haus"). Doch auch über die Charaktere hinaus sind Hughes' Filme geprägt vom Klischee gewordenen Alltag der amerikanischen Vorstädte. Um Nachbarschaftskriege geht es da und um die prägenden High-School-Jahre, um den Familienhund oder den alljährlichen Feiertagsstress, um die liebe Verwandtschaft und das Abenteuer der ersten Elternschaft. Titel wie "Allein mit Onkel Buck", "Ein Hund namens Beethoven" oder "She's having a Baby" sprechen für sich.

In "Curly Sue" beschreibt Hughes den "American Way of Life" erstmals aus dem Blickwinkel der gesellschaftlichen Outsider, die unversehens die geordnete Welt der Anwältin Grey Ellison durcheinanderwirbeln. Vor der märchenhaften Kulisse des winterlichen Chicago erzählt Hughes eine herzerwärmende, wenn auch zuweilen etwas zu sentimentale Geschichte rund um ein kleines Mädchen, das den Zuschauer vom ersten Moment an gefangen nimmt. Alisan Porter ist der Schauspielerei auch nach ihrer Karriere als Kinderdarstellerin treu geblieben. 2006 spielte die hauptberufliche Rock-Sängerin und Frontfrau der Band "The Raz" neben Val Kilmer im Musikfilm "The Ten Commandments".

Untermalt wird "Curly Sue" von einem kongenialen Score von Georges Delerue, der wie schon in seiner berühmten Komposition zu Jean-Luc Godards Meisterwerk "Die Verachtung" nur ein einziges musikalisches Thema benötigt, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.  

Christian Heger / Wertung: * * * * (4 von 5)



Filmdaten

Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel
(Curly Sue)

USA 1991
Regie, Drehbuch & Produktion: John Hughes; Ausführende Produktion: Tarquin Gotch, Lynn M. Morgan; Kamera: Jeffrey L. Kimball; Musik: Georges Delerue;
Darsteller: James Belushi (Bill Dancer), Kelly Lynch (Grey Ellison), Alisan Porter (Curly Sue), John Getz (Walker McCormick), Fred Dalton Thompson (Bernard Oxbar), Cameron Thor (Maitre d'), Branscombe Richmond (Albert), Steve Carell (Tesio) u.a.

Länge: 101 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 12. Dezember 1991



Artikel empfehlen bei:  Mr. Wong Delicious Facebook  Webnews Linkarena  Hilfe

© filmrezension.de

home
  |  suche   |  wap  |  e-mail
 über uns  |  impressum  


 
Zitat

"Feigheit macht jede Staatsform zur Diktatur."

Regisseur Wolfgang Staudte

Drucken

Artikel empfehlen
Mr. Wong Delicious Facebook Webnews Linkarena 
Hilfe