02.08.2019

Cadillac Records

Am Anfang war der Blues. Die Musik der Schwarzen erreichte Ende der Vierzigerjahre die amerikanischen Großstädte und konnte sich entgegen aller rassistischen Vorbehalte fest in der Musikkultur verankern. In seinem Film "Cadillac Records" erzählt Darnell Martin die Geschichte des ersten großen Platten-Labels, das Musik-Legenden wie Muddy Waters und Chuck Berry unter Vertrag nahm und mit deren Musik die Charts eroberte: "Chess Records".

Gegründet wurde das Label von Leonard Chess (Adrien Brody), einem polnischen Emigranten, der den Gitarristen Muddy Waters (Jeffrey Wright) kennenlernt und von dessen Talent überzeugt ist. Ob Chess nun wirklich die Musik liebte oder vielmehr ein gerissener Geschäftsmann war, lässt der Film weitgehend offen. Dass Waters' Musik das neu gegründete R&B-Studio zu ersten Erfolgen führt, steht jedoch außer Frage. Schnell wird das Studio zum Anlaufpunkt für etliche Musiker, darunter auch Chuck Berry (gespielt von Mos Def), der dort seine ersten Platten aufnimmt – und jeder seiner Schützlinge, der es in die Charts schafft, wird von Leonard Chess mit einem Cadillac belohnt. Als die bezaubernde Sängerin Etta James (Beyoncé Knowles) unter Vertrag genommen wird, werden die Dinge für Leonard Chess komplizierter. Er verfällt der jungen Frau hoffnungslos und berufliche und private Ambitionen vermischen sich. Leider ist die Musik, die teilweise aus zeitgenössischen Cover-Versionen besteht, das einzig wirklich Gelungene an "Cadillac Records". Darnell Martin entfernt sich in seinen Biografien viel zu weit von der Wirklichkeit und konzentriert sich zu sehr auf die zwischenmenschlichen Beziehungen seiner Hauptfiguren, die zwar von durchweg passenden Darstellern verkörpert werden, aber nie wirklich stimmig wirken.

In seiner episodenhaften, stellenweise löchrigen Struktur versäumt "Cadillac Records" es, die Blues-Musik der Fünfziger in einen größeren Kontext zu stellen. So werden sowohl die damaligen Rassendiskriminierungen, als auch der enorme Einfluss der Musik von "Chess Records" auf die Musikgeschichte, nur sehr oberflächlich abgehandelt. Ein bißchen mehr Kontext und ein bißchen weniger private Zwistigkeiten hätten Martins Film sicherlich gut getan. So bleibt beim Abspann nur die nach wie vor großartige Musik übrig.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn



Filmdaten

Cadillac Records
(Cadillac Records)

USA 2008
Regie & Drehbuch: Darnell Martin;
Darsteller: Adrien Brody (Leonard Chess), Beyoncé Knowles (Etta James), Jeffrey Wright (Muddy Waters), Mos Def (Chuck Berry), Emmanuelle Chriqui (Revetta Chess), Tammy Blanchard (Isabelle Allen), Eric Bogosian (Alan Freed), Cedric the Entertainer (Willie Dixon), Gabrielle Union (Geneva Wade), Tony Bentley (Lomax), Shiloh Fernandez (Phil Chess), Joshua Alscher (Mick Jagger), Marc Bonan (Keith Richards), Albert Jones (Hubert Sumlin), Eamonn Walker (Howlin' Wolf), Kevin Mambo (Jimmy Rogers), Isiah Whitlock Jr. (Mississippi DJ), Vincent D'Onofrio (Mississippi DJ) u.a.;
Produzenten: Andrew Lack, Sofia Sondervan; Kamera: Anastas N. Michos; Musik: Terence Blanchard; Schnitt: Peter C. Frank;

Länge: 108 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 23. April 2009



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Zitat

"Warum bin ich so gut darin, Zicken zu spielen? Ich denke, es liegt daran, dass ich keine Zicke bin. Vielleicht ist das der Grund, warum Joan Crawford immer Ladies spielt."

("Why am I so good at playing bitches? I think it's because I'm not a bitch. Maybe that's why Joan Crawford always plays ladies.")

Schauspielerin Bette Davis, 30. Todestag am 6. Oktober 2019, mit einer Spitze gegen ihre Dauerrivalin Crawford

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