22.03.2016
Ein Film der 66. Berlinale 2016, Sektion Generation 14plus

We Love to Dance


Der energiegeladene Tanzfilm über den Aufstieg von Teenager Tu (Tia-Taharoa Maipi) zum Hip-Hop-Star feiert sich selbst als neuseeländische Antwort auf "Step up". Betrachtet man jedoch die Austauschbarkeit der Handlung und Figuren dieser Sparte von Mainstream-Hit, scheint das einzige Bemerkenswerte, dass Tammy Davis' 1A-Kopie bis jetzt auf sich warten ließ.

We Love to DanceGemessen an den Maßstäben des Genres macht der erste Langfilm, bei dem Schauspieler Tammy Davis ("Black Sheep") Regie führte, alles richtig. Er liefert einen durchtrainierten jungen Helden, dessen gutaussehendes romantisches Zielobjekt Sasha (Kherington Payne), einen Konkurrenten aus einer scheinbar unschlagbaren Tanz-Crew namens Kane (Jordan Vaha'akolo) und ein paar familiäre Probleme mit Tus Vater (John Tui). Der hat wenig Verständnis dafür, dass der Sohn nach der Schule sein Leben einfach nicht auf die Reihe kriegt und stellt ihm ein Ultimatum: sechs Wochen, dann soll der Sohn in seine Fußstapfen treten und zur Armee gehen. Dabei schwingt Tu, der wie sein Bruder Benjy (Stan Walker) in einer Schrottfabrik jobbt, die Füße lieber zu lauten Beats. Warum er den Vater nicht von seinem Tanztalent überzeugt, bleibt rätselhaft. Immerhin verdient Channing Tatum bedeutend besser als ein Berufssoldat. Als ein Video von Tus Crew auf YouTube zum Riesenhit wird, macht der mehrfache Champion Kane dem Newcomer ein Angebot: Tu soll bei Kanes "K-Crew" einsteigen und dafür seine eigenen Leute namens "2PK" im Outback versauern lassen. Da der Hauptcharakter ein grundaufrichtiger Kerl ist, wäre ein solches Verhalten für ihn Verrat und das kommt für die moralisch vorbildlichen Tänzer nicht in Frage! Aber der Umstand, dass Sasha mit Kane zusammen ist, macht die Angelegenheit um einiges komplizierter.

We Love to Dance Die Romanze zwischen dem in klassischem Ballett geschulten Good Girl Sasha und Bad Boy Tu ist quasi eins zu eins aus dem ersten Teil des "Step up"-Franchise von 2006 übernommen. Tatsächlich lässt sich während des gesamten Films der Eindruck nicht abschütteln, man schaue hier einfach nur "Step up goes Auckland", anstatt einer originären Story. Die Handlung ist allerdings ohnehin, wie kaum anders zu erwarten, nur Aufhänger für die von Parris Goebel perfekt choreografierten Tanzeinlagen. Was das Talent und die akrobatischen Fähigkeiten der Darsteller angeht, steht "Born to Dance" den berühmten Vorbildern in nichts nach. Wer auf solide gemachte Hip-Hop-Action steht, kommt bei den spektakulären Nummern sicher auf seine Kosten. Wer eine einigermaßen spannende Handlung erwartet oder so etwas wie ansatzweise realistische Charaktere, ruft sich lieber die schlimmen Erinnerungen an die "Step up"-Filme wieder ins Gedächtnis. Augenscheinlich war das Drehbuchautoren-Trio Steve Barr, Hone Kouka und Casey Whelan fest davon überzeugt, dass die geringste Abweichung von der inszenatorischen Linie der amerikanischen Erfolgsfilme mit einem kommerziellen Flop bestraft werden würde. So fest, dass sie sogar die peinlichen Dialoge und das hölzerne Schauspiel von den US-Vorlagen abkupferten.

So gutgelaunt Davis' Regiedebüt auftreten mag, über eines können die triumphalen Showeinlagen nicht hinwegtäuschen: das alles ist die sklavische Nachahmung eines Filmkonzepts, das von Anfang an nie sonderlich toll war.  

Lida Bach / Wertung: * * (2 von 5) 
 

Quelle der Fotos: Capelight Pictures

 
Filmdaten 
 
We Love to Dance (We Love to Dance) 
 
Alternativtitel: Born to Dance (Berlinale)
Neuseeland 2015
Regie: Tammy Davis;
Darsteller: Tia-Taharoa Maipi (Tu), Stan Walker (Benjy), Kherington Payne (Sasha) u.a.;
Drehbuch: Steve Barr, Casey Whelan, Hone Kouka; Produzenten: Jill Macnab, Leanne Saunders, Daniel Story; Kamera: Duncan Cole; Musik: Peter 'P-Money' Wadams; Schnitt: Jeff Hurell;

Länge: 96,06 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 24. März 2016



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Der Film im Katalog der Berlinale
<22.03.2016>


Zitat

"Ich bin ein Filmemacher, kein Dokumentarfilmer. Ich versuche, die Wahrheit zu schlagen."

("I'm a moviemaker, not a documentarian. I try to hit the truth.")

Regisseur Ridley Scott, der am 30. November 2017 seinen 80. Geburtstag feierte

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