22.12.2022

Bela Kiss: Prologue

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs ermordete der ungarische Serienkiller Bela Kiss rund zwanzig Frauen, deren Leichen er ausbluten ließ und in Alkoholfässern hinter seinem Haus konservierte. Schließlich musste der großgewachsene Mörder an die Front und verschwand von dort auf Nimmerwiedersehen – seither ist Bela Kiss eine Art Charles Manson aus Ungarn, ein Phantom, das verschiedene Menschen überall auf der Welt gesichtet haben wollen. Der deutsche Regiedebütant Lucien Förstner verarbeitet diese düstere Geschichte in "Bela Kiss: Prologue" zu einem Horrorfilm, der einen großen Stilwillen an den Tag legt und sich in zu vielen unterschiedlichen Ansätzen verheddert.

In Förstners Variante konnte sich Bela Kiss (Rudolf Martin) von der Front absetzen und lebt mit der unheimlichen Hotelleiterin Miss Jakubec (Julia Horvath) in einer einsamen Herberge im Wald, wo der charismatische und wuchtige Killer ahnungslose Gäste mit seiner Mordlust begrüßt. Als fünf flüchtige Bankräuber in das Hotel einchecken, ahnen sie keineswegs, dass ihr letztes Stündlein bald geschlagen hat.

Regisseur Lucien Förstner mischt in "Bela Kiss: Prologue" verschiedene Subgenres des Horrorfilms und nutzt beispielsweise Found-Footage-Material, um an den echten Bela Kiss anzuknüpfen. Daneben gibt es gelegentliche, vergleichsweise harmlose Torture-Porn-Einlagen und die typischen Ingredienzien einen Slasherfilms: große Fleischermesser, entsetzt dreinblickende Opfer und vereinzelte Gore-Einlagen. Zwar verdichtet sich die Erzählung immer wieder in starken Einzelmomenten, die Förstner mit einem gelungenen Soundtrack, stilbewussten Zeitlupen und schön arrangierten Tableaus erzeugt, doch in der Gesamtschau müssen zu viele Längen überstanden werden. Als Krux erweist sich auch, dass die Protagonisten kaum über ihre Opferlamm-Rollen hinauskommen und deren Schicksal daher wenig interessiert. So fehlt den Schockmomenten und Gruselszenen ein emotionaler Unterbau, der zum Mitfiebern wichtig gewesen wäre.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Bela Kiss: Prologue


Deutschland 2013
Regie & Drehbuch: Lucien Förstner;
Darsteller: Rudolf Martin (Bela Kiss), Andreas Wisniewski, Steven Weber, Jörg Koslowsky, Julia Horvath, Kristina Klebe, Fabian Stumm, Ben Bela Böhm, Janina Elkin, Angus McGruther, Cameron Begg, Collien Ulmen-Fernandes u.a.;
Produzenten: Sylvia Günthner; Kamera: Sven Latzke; Musik: Tim Nowack; Schnitt: Eric Kazak;

Länge: 106 Minuten; FSK: ab 18 Jahren; deutscher Kinostart: 10. Januar 2013



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"Wer sich mit der Kunst verheiratet, bekommt die Kritik zur Schwiegermutter."

Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef (1925 - 2002)

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