15.12.2018

Aquaman


Aquaman: Jason Momoa Lässt sich überhaupt eine Kritik zu James Wans überlanger H2O-Oper verfassen, ohne eine Flut an Wasser-Kalauern? Möglich, aber solch Ernst wäre kaum ein passender Ansatz bei einem Action-Spektakel, das überschwappt vor paillettenbesetzten Kitsch-Kostümen, stumpfem CGI und verwässertem Familiendrama. Dessen muskelstrotzender Held Arthur Curry alias Aquaman (Jason Momoa) reitet grimmig im Sexy-Seaworld-Anzug auf einem Kriegsseepferdchen (Kriegshaie – okay, aber Seepferdchen?) zum unvermeidlichen Triumphsieg seiner Origin-Story, die ihre Trashigkeit nicht realisiert. Seichtheit, Stupidität und Schludrigkeit machen DCs Derivat zum filmischen Bauchklatscher.

Diese Flachlandung wäre weniger peinlich, besäße der Regisseur Sinn für den Camp-Faktor der von ihm mitverfassten Story. Doch Wan ist nicht Taika Waititi, obwohl er das bisweilen zu glauben scheint. Überdeutliche Parallelen zu Marvels Halbgott Thor machen den illegitimen Sohn der Atlantis-Königin Atlanna (eine computertechnisch verjüngte Nicole Kidman) und eines Leuchtturmwärters (Temuera Morrison) zum Aufhänger eines Quasi-Remakes. Das klaut nicht nur beim Erzkonkurrenten, sondern bedient sich sogar bei Pinocchio, was nicht nur Arthurs Love Interest Mera (Amber Heard) mit WTF-Gesicht zurücklässt.

Aquaman Die zahllosen Déjà-vus verbinden gruseliger 80er-Pop und bizarre Texteinschübe. Deren Lieblingsortsangabe "irgendwo" scheint symptomatisch für das Desinteresse der Macher an einem Blockbuster, dessen bombastische fiktive Welt traurig arm an Phantasie und Plastizität ist. Bis zu King Arthurs Excalibur-Moment mit einem magischen McGuffin-Dreizack werden Stormtrooper, Kaijus und eine von Dinos bevölkerte "versteckte Insel im Zentrum der Erde" bemüht, meistens unter Wasser und in Glitzer-Rüstungen. Die sollen Erhabenheit ausstrahlen, wirken aber wie von Pierre et Gilles entworfenes Arielle-Cosplay – minus die Ironie.  

Lida Bach / Wertung: * (1 von 5) 
 

 
Filmdaten 
 
Aquaman (Aquaman) 
 
Australien/USA 2018
Regie: James Wan;
Darsteller: Jason Momoa (Arthur), Amber Heard (Mera), Willem Dafoe (Vulko), Patrick Wilson (King Orm), Nicole Kidman (Atlanna), Dolph Lundgren (King Nereus), Yahya Abdul-Mateen II (Manta), Temuera Morrison (Tom Curry), Ludi Lin (Captain Murk), Michael Beach (Jesse, Mantas Vater), Randall Park (Dr. Stephen Shin), Graham McTavish (King Atlan), Julie Andrews (Stimme von Karathen), John Rhys-Davies (Stimme von Brine King), Djimon Hounsou (Stimme von King Ricou) u.a.;
Drehbuch: David Leslie Johnson-McGoldrick, Will Beall nach der Story von Geoff Johns, James Wan und Will Beall nach der Figur "Aquaman" von Mort Weisinger und Paul Norris; Produzenten: Rob Cowan, Peter Safran; Kamera: Don Burgess; Musik: Rupert Gregson-Williams; Schnitt: Kirk M. Morri;

Länge: 143,40 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Warner Bros. Entertainment GmbH; deutscher Kinostart: 20. Dezember 2018



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<15.12.2018>


Zitat

"Dass er als ehemals verfolgter polnischer Jude nach dem Zweiten Weltkrieg in das Land der Mörder seiner Familie ging, um Filme zu produzieren und sich auch für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands engagiert einsetzte, ist ein wahres, ein großes Geschenk für unser Land. ... Zumal Artur Brauner dies [das Produzieren von Filmen über den Holocaust; Red.] schon in einer Zeit vorantrieb, in der man in Deutschland die eigene Schuld und die Mitwirkung an den Verbrechen der Nazis noch eher verdrängte, als diese aufzuarbeiten."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Tode des legendären Filmproduzenten Artur "Atze" Brauner (1. August 1918 - 7. Juli 2019)

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