26.12.2022

An Enemy to Die For

"An Enemy to Die For" des schwedischen Regisseurs und Drehbuchautors Peter Dalle ist ein merkwürdiger Grenzgänger zwischen verschiedenen Filmgenres: In erster Linie ein Kammerspiel-Thriller, aber auch ein Psychodrama und ein Historienfilm, dem das Dritte Reich im Nacken sitzt. Der Kleister, der den Film letztlich zu einem Ganzen formt, sind die Schauspieler und – nicht minder wichtig – der klaustrophobische Schauplatz auf einem Schiff, das durch das Eismeer am Nordpol tuckert.

Die Theorie der Kontinentalverschiebung des Geologen Alfred Wegener besagt, dass die heutigen Erdteile ursprünglich miteinander verbunden waren und einen Urkontinent bildeten. Um Beweise für diese These zu sammeln, bricht ein deutsches Expeditionsschiff im Herbst 1939 zum Nordpol auf. Der Wissenschaftler Friedrich (Axel Prahl) und die Geologin Leni (Jeanette Hain) leiten die Expeditionsgruppe, der zwei Briten und ein Schwede angehören, während die polnisch-russische Schiffsmannschaft unter dem Kommando eines norwegischen Kapitäns steht. Mitten im Eismeer kommt es zu ersten Spannungen an Bord, als der Zweite Weltkrieg ausbricht und Friedrich das Schiff per Order aus der Heimat übernehmen soll. Als sich einer der britischen Wissenschaftler als Spion der Nationalsozialisten zu erkennen gibt, spitzt sich die Lage dramatisch zu.

Das größte dramaturgische Gewicht des Schauspielerfilms liegt auf den konfliktreichen Beziehungen der Figuren untereinander, die im beengenden Raum des Schiffs, umschlossen von Eisschollen und Polarwind, umso härter aufeinander prallen. Im Epizentrum der Figurenkonstellation steht vor allem der von Axel Prahl gespielte Friedrich, der zwischen preußischer Obrigkeitstreue, inneren Zweifeln und seinen romantischen Gefühlen für Leni hin- und hergerissen ist. Bisweilen übernimmt sich "An Enemy to Die For" mit seiner eigenwilligen Genre-Mischung und den vielen Verwicklungen, doch alles in allem ist Peter Dalle ein spannendes Kammerspiel gelungen, das mit dem Polarmeer ein sehenswertes Setting bietet.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

An Enemy to Die For
(En fiende att dö för)

Schweden/Deutschland/Norwegen 2012
Regie & Drehbuch: Peter Dalle;
Darsteller: Tom Burke (Terrence), Allan Corduner (Martin), Jeanette Hain (Leni), Sven Nordin (Kapitän), Axel Prahl (Friedrich), Richard Ulfsäter (Gustav), Godehard Giese (Major Dieter Knecht), Veit Stübner (Minister) u.a.;
Produzenten: Michael Eckelt, Patrick Ryborn; Kamera: Göran Hallberg; Musik: Adam Nordén; Schnitt: Jon Endre Mørk;

Länge: 106,46 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 4. April 2013



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"Wer sich mit der Kunst verheiratet, bekommt die Kritik zur Schwiegermutter."

Schauspielerin und Sängerin Hildegard Knef (1925 - 2002)

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