13.08.2017

Alles erlaubt
- Eine Woche ohne Regeln

Körperflüssigkeiten und andere Frechheiten spielen seit jeher eine große Rolle in den Komödien von Bobby und Peter Farrelly. Auch bei "Alles erlaubt" lebt der Humor vom Brachialen: Ein im Drogenrausch vollführtes großes Geschäft mitten auf einem Golfplatz, ein politisch inkorrekter Lacher über einen großen und einen kleinen Penis oder ein folgenschwerer Nieser am Badewannenrand liefern den typischen Farrelly-Touch. Man nennt das abwertend Klamauk oder Fäkalhumor. Anders als in ähnlichen Filmen erscheinen aber zumindest die Hauptfiguren aus "Alles erlaubt" trotz ihrer argen Ungeschicklichkeit nicht als simple Lachnummern. Nun zündet dieser Ansatz zwar nicht so geschmeidig wie etwa bei "Verrückt nach Mary", sondern wirkt bisweilen bemüht – dennoch ist "Alles erlaubt" ein kurzweiliger und komischer Kinospaß mit einigen denkwürdigen Albernheiten.

Die Mittvierziger Rick und Fred (Owen Wilson & Jason Sudeikis) stehen prototypisch für Ehemänner, die in der Annahme leben, die eigenen Frauen hielten sie von unendlich vielen, quasi stündlich offerierten Liebeleien mit allen anderen Frauen ab. Maggie und Grace (Jenna Fischer & Christina Applegate), die Angetrauten der beiden, verabreichen ihren verhinderten Don Juans daher eine einwöchige Auszeit von der Ehe – einen eiskalten Realitätsschock sozusagen. In der Tat geraten die Freunde bei der Einlösung ihrer Freifahrtscheine recht schnell an zahlreiche Grenzen und sind überglücklich, als der Eheurlaub überstanden ist.

"Alles erlaubt" zündet ein Feuerwerk an Gags, wobei die im Grunde ganz normalen Probleme der Protagonisten nicht komplett in den Hintergrund rücken. Wie bei jeder Komödie liegt es am meist gelungenen Timing der Pointen, dass der infantile Humor mit dem wahren Kern – oder wie die Farrelly-Brüder es nennen: "der Tabubruch mit Herz" – insgesamt funktioniert. Am Ende stellen die Filmemacher den bürgerlichen Normalzustand in einem großen Akt der Romantik wieder her, doch vergessen nicht, vor dem Abspann nochmal brachial draufzuhauen.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

Alles erlaubt - Eine Woche ohne Regeln
(Hall Pass)

USA 2011
Regie: Bobby & Peter Farrelly;
Darsteller: Owen Wilson (Rick), Jason Sudeikis (Fred), Jenna Fischer (Maggie), Christina Applegate (Grace), Nicky Whelan (Leigh), Richard Jenkins (Coakley), Stephen Merchant (Gary), Alyssa Milano (Mandy) u.a.;
Drehbuch: Pete Jones, Peter Farrelly, Kevin Barnett, Bobby Farrelly; Produzenten: Mark Charpentier, Bobby Farrelly, Peter Farrelly, Bradley Thomas, Charles B. Wessler; Kamera: Matthew F. Leonetti; Schnitt: Sam Seig;

Länge: 105,07 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 10. März 2011



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Zitat

"Dass er als ehemals verfolgter polnischer Jude nach dem Zweiten Weltkrieg in das Land der Mörder seiner Familie ging, um Filme zu produzieren und sich auch für den demokratischen Wiederaufbau Deutschlands engagiert einsetzte, ist ein wahres, ein großes Geschenk für unser Land. ... Zumal Artur Brauner dies [das Produzieren von Filmen über den Holocaust; Red.] schon in einer Zeit vorantrieb, in der man in Deutschland die eigene Schuld und die Mitwirkung an den Verbrechen der Nazis noch eher verdrängte, als diese aufzuarbeiten."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters zum Tode des legendären Filmproduzenten Artur "Atze" Brauner (1. August 1918 - 7. Juli 2019)

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