26.11.2009 (publiziert)
28.08.2006 (geschrieben)

Adams kesse Rippe

In Roger Vadims Remake seines Kultfilms "Und ewig lockt das Weib" wandelt Hollywood-Schönheit Rebecca De Mornay auf den Spuren von Brigitte Bardot.

Eine Frauenhaftanstalt irgendwo in der Wüste von New Mexiko: Gefängnisinsassin Robin Shea (Rebecca De Mornay) hat sich gerade durch einen gewagten Sprung erfolgreich in die lang ersehnte Freiheit gerettet, als sich ihr unverhofftes Glück rasch wendet: Unversehens landet sie im Auto von James Tiernan (Frank Langella), einem hochrangigen Politiker, der gerade mitten im Wahlkampf um den heimischen Gouverneursposten steckt. Wie es der Zufall will, führt Tiernans Route zurück ins Gefängnis, doch da er offensichtlich Gefallen an der jungen Frau gefunden hat, verheimlicht er ihren Ausbruchsversuch: Ohne dass ihre Flucht bemerkt worden wäre, kehrt Robin in den Haftbereich zurück. Gerade als sie sich ihre alte Häftlingskleidung anziehen will, droht ihre vorübergehende Abwesenheit am Ende doch noch aufzufliegen: Ein Aufsehertrupp nähert sich mit großen Schritten. Hilfe kommt in letzter Sekunde von Billy Moran (Vincent Spano), einem jungen Schreiner, der Robin beherzt hinter eine Wandverkleidung zieht. In der Enge des Raumes entlädt sich die blitzartige Anspannung in einem wortlosen, aber umso leidenschaftlicheren erotischen Intermezzo. Als Robin wenige Tage später dann von ihrem neuen Förderer Tiernan erfährt, dass ihr eine schnelle Heirat die Chance auf eine verfrühte Freilassung einbringen würde, überredet sie Billy zu einem verrückten Plan: Seine Einwilligung in die Hochzeit gegen ihre Erbschaft in Höhe von 5.000 Dollar. Billy, alleinerziehender Vater und im Haushalt bisweilen überfordert, akzeptiert – und stürzt sich damit in eine turbulente Ehe jenseits aller Konventionen. Was dabei anfangs nur als geschäftliche Beziehung auf Zeit angedacht war, entwickelt sich allerdings schon bald zu einem emotionalen Schlachtfeld der Gefühle. Als durch Robins zahlreiche Provokationen dann auch noch ihre Bewährung in Gefahr gerät, steht das Glück des jungen Paares auf des Messers Schneide...

Im Jahre 1956 bereicherte der französische Regisseur Roger Vadim (1928 - 2000) die Filmgeschichte um einen handfesten Skandal. In seinem Film "Und immer lockt das Weib" ("Et Dieu Créa La Femme") spielte die damals noch am Anfang ihrer Karriere stehende Brigitte Bardot ein achtzehnjähriges Waisenmädchen, das blindlings die erste sich bietende Gelegenheit zur Hochzeit ergreift, um sich der Bevormundung durch das verhasste Erziehungsheim zu entwinden. Vadims Film, der sich als einer der ersten nicht mehr länger mit erotischen Andeutungen zufrieden gab, machte "BB" über Nacht zum Star und leitete als Vorläufer der französischen "Nouvelle Vague" die sexuelle Revolution auch auf den europäischen Kinoleinwänden ein.

Dreißig Jahre später inszenierte Vadim mit "Adams kesse Rippe" eine modernisierte Version seines Klassikers. Wieder zeichnet der große Erotomane des französischen Kinos das Portrait einer eigenwilligen Frau zwischen kindlicher Zartheit und leidenschaftlicher Impulsivität, auch wenn diesmal New Mexiko an die Stelle Frankreichs und die Strafvollzugsanstalt an die Stelle des Heims getreten ist. Rebecca De Mornay wandelt dabei schon rein äußerlich nur allzu deutlich auf den Spuren ihrer berühmten (und in punkto Sinnlichkeit unerreichten) Vorgängerin: Mit niedlichem Wuschelkopf, stets leicht geöffnetem Schmollmund und weit aufgerissenen Augen nimmt sie alle Männer augenblicklich in Beschlag. Natürlich wäre Vadim nicht Vadim, wenn er seiner Hauptdarstellerin nicht auch in diesem Film ausgiebig Gelegenheit zu zahlreichen erotischen Szenen geben würde. Dank modisch fragwürdiger blonder Löwenmähne driftet der Sex-Appeal der Hauptdarstellerin im Rückblick leider häufig in einen seltsamen Retro-Humor ab. Der zeitlose Charme des Vorgängerfilms bleibt ein Versprechen, das Vadims US-Remake nicht einlösen kann.

Starportrait: Rebecca De Mornay

Geboren 1959 in Santa Rosa, Kalifornien, verschlug es die Tochter des amerikanischen Talkmasters Wally George im Kindesalter nach Europa, wo sie an einer österreichischen Schule ihr Abitur mit Auszeichnung bestand. Ihrem Entschluss zu einer Schauspielausbildung folgte die Rückkehr in die alte Heimat, wo sie sich an Lee Strasbergs berühmten "Actor's Studio" in Los Angeles einschrieb. Nach ihrem Leinwanddebüt in Francis Ford Coppolas "Einer mit Herz" ("One from the Heart", 1982) stieg sie recht bald zu einer der gefragtesten Nachwuchsdarstellerinnen der achtziger Jahre auf, die Seite an Seite mit Stars wie Tom Cruise, Jon Voight und Kurt Russell vor der Kamera agierte. Großen internationalen Erfolg konnte sie vor allem mit Curtis Hansons raffiniertem Psycho-Thriller "Die Hand an der Wiege" ("The Hand That Rocks the Cradle", 1992) verbuchen, der ihr zahlreiche Auszeichnungen für ihre Rolle als bösartige Babysitterin einbrachte. Neben ihren zahlreichen Engagements für Film und Fernsehen brillierte De Mornay in der Vergangenheit auch immer wieder auf der Theaterbühne, so zum Beispiel in Patrick Marbers Stück "Closer" (2000), das 2004 unter dem deutschen Titel "Hautnah" mit Julia Roberts, Clive Owen, Jude Law und Natalie Portman verfilmt wurde.  

Christian Heger / Wertung: * * (2 von 5)



Filmdaten

Adams kesse Rippe
(And God Created Woman)
USA 1988
Regie: Roger Vadim; Drehbuch: R. J. Stewart; Produzenten: George C. Braunstein, Ron Hamady; Ausführende Produzenten: Mitchell Cannold, Steven Reuther, Ruth Vitale; Co-Ausführende Produzenten: Emilia Crow, Robert Crow; Kamera: Stephen M. Katz; Musik: Thomas Chase, Steve Rucker;
Darsteller: Rebecca De Mornay (Robin Shea), Vincent Spano (Billy Moran), Frank Langella (James Tiernan), Donovan Leitch (Peter Moran), Judith Chapman (Alexandra Tiernan), Jamie McEnnan (Timmy Moran), Benjamin Mouton (Blue), Dave Shelley (David), Einstein Brown (Einstein), David López (Hawk), Thelma Houston (Sängerin im Gefängnis) u.a.

Länge: 100 Minuten; FSK: ab 16 Jahren; deutscher Kinostart: 5. Januar 1989



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Zitat

"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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