13.01.2010
Without Schmidt

About Schmidt


Louis Begleys Roman "Schmidt" von 1997 mag den Wenigsten ein Begriff sein. Alexander Paynes Verfilmung dieses Buches "About Schmidt" mit Jack Nicholson in der Hauptrolle jedoch schon. 2002 galt der Film als Kassenschlager und wurde 2003 mit zwei Golden Globes, unter anderem für den besten Hauptdarsteller, ausgezeichnet und ebenfalls für zwei Oscars nominiert.

Und wahrhaftig, die Handlung beginnt vielversprechend. Als Warren Schmidt nach Jahren harter Arbeit bei der "Woodmen of the World-Versicherung", in die er sein ganzes Herzblut gesteckt hatte, in Rente geht, sieht er sich mit einem Mal mit seiner Nutzlosigkeit in der Welt konfrontiert. Der kauzige, zum Egozentrismus tendierende Neurentner fühlt sich alleingelassen und frustriert, kann das jedoch seinen Mitmenschen nicht mitteilen. Als Ventil für seinen Frust nutzt er Briefe an sein Patenkind Ndugu, das er über eine Hilfsorganisation zugewiesen bekommen hat. Hier kann er sich über seine Frau, den langweiligen Alltag und seine vergebliche Liebesmühen auslassen, die gute Miene zum bösen Spiel ablegen. Als seine Frau plötzlich verstirbt, er von einer früheren Affäre seiner Frau mit seinem besten Freund erfährt und seine geliebte Tochter Jeannie auch noch einen Wasserbettenverkäufer heiraten will, gerät sein Leben völlig aus den Fugen.

Er entschließt sich, rauszugehen, aufzubrechen. Raus aus dem Alltag, rein ins Leben. Mit dem Wohnmobil macht er sich auf zu Orten, die in seinem Leben wichtig für ihn waren, um anschließend der Hochzeit seiner Tochter in Denver beizuwohnen. Weiterhin berichtet er Ndugu von seinen Erlebnissen, seiner Trauer, seiner Wut, ohne jemals an die Nöte des kleinen Jungen zu denken.

In Denver angekommen, steht ihm die skurrile Familie des Bräutigams gegenüber, mit deren Gewohnheiten sich Warren so gar nicht anfreunden möchte. Kurzfristig versucht er Jeannie von der Ehe abzuraten. Eine Familienkrise ist vorprogrammiert und auch seine Lebenskrise findet bald seinen Höhepunkt.

Trotz aussichtsvoller Handlung und Inhalte resigniert man jedoch schon ab der Mitte des Films und lässt sich nur noch von der lahmenden Handlung berieseln, bis der Film endlich sein jähes Ende findet. Dabei scheint die Geschichte um den eigenwilligen Warren Schmidt, der ohne festen Platz in der Welt in ein tiefes Loch fällt und zu allem Überfluss von einem Schicksalsschlag in den nächsten fällt, eigentlich vielversprechend. Leider wurde die Vorlage, in die sich ein jeder hineinversetzen kann oder könnte, nicht genügend ausgeschmückt, um ein vollkommen zufriedenstellendes Filmerlebnis zu gewährleisten. Der Mix aus typisch Warner Brothers'scher Unterhaltung und amerikanischem "Möchtegern-Independent-Film" gelingt nicht. Zwar hat "About Schmidt" durchaus seine humorvollen Augenblicke und ergreifende lebensphilosophische Momente, dennoch überzeugt der Film einfach nicht genug und ist teilweise unpassend klischeebehaftet. Versuche, die trockene Handlung aufzulockern, wie das groteske Aussehen des Verlobten von Warrens Tochter, kitschig dekorierte Wohnwägen und überaffektierte Reden, wollen einfach nicht mit den seriösen Momenten zusammenpassen. Sie bilden einen Brei aus teils unlustigen Späßen und vermeidlich ernster Nebenhandlung, die jedoch größtenteils unter den Tisch gekehrt wird. So bleiben ernsthafte Situationen mit Appellcharakter unbeachtet, da sie von der nervig anmutenden Ignoranz der Hauptrolle überspielt werden und somit nicht ihre Wachruffunktion entfalten.

Auch verwirren die Versuche, das zwiegespaltene Gefühlsleben Schmidts auszudrücken eher, als dass sie mitreißen, und machen somit wenig Lust auf mehr. Letztendlich fühlt sich der Zuschauer durch die komplexe Problematik des Films und dessen aussichtslosem Ende nach zwei zähen, unterhaltungsarmen Stunden alleingelassen und ratlos.

Wer jedoch Lust auf das grandiose schauspielerische Talent Nicholsons hat und sich mit postpensionierter Endzeitstimmung auseinander setzten möchte, für den ist "About Schmidt" genau das Richtige.  

Saskia Singhuber / Wertung: * * (2 von 5) 
 

 

 
Filmdaten 
 
About Schmidt (About Schmidt) 
 
USA 2002
Regie: Alexander Payne; Drehbuch: Alexander Payne, Jim Taylor nach dem Roman von Louis Begley;
Darsteller: Jack Nicholson (Warren Schmidt), Hope Davis (Jeannie Schmidt), Dermot Mulroney (Randall Hertzel), June Squibb (Helen Schmidt), Kathy Bates (Roberta Hertzel), Howard Hesseman (Larry Hertzel), Harry Groener (John Rusk), Connie Ray (Vicki Rusk), Len Cariou (Ray Nichols) u.a.; Produktion: Michael Besman, Harry Gittes; Ausführende Produktion: Bill Badalato, Rachael Horovitz; Kamera: James Glennon; Musik: Rolfe Kent; Länge: 124 Minuten; FSK: ab 6 Jahren; ein Film im Verleih von Warner Bros.; deutscher Kinostart: 27. Februar 2003



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Zitat

"Du bist kein Star, solange sie Deinen Namen in Wladiwostok nicht richtig schreiben können."

("You're not a star till they can spell your name in Vladivostok.")

Schauspieler Roger Moore (14.10.1927 - 23.05.2017)

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