19.10.2021

A Pure Place

A Pure Place Eine Zeit, in der ritualisiertes Händewaschen zum Politikum und Dauer-Desinfektion zum scheinheiligen Zeichen bürgerlicher Besorgtheit geworden ist, scheint wie geschaffen für Nikias Chryssos' zweite Kinoarbeit. Die allerdings konstruiert fernab aller Gegenwartsbezüge einen buchstäblichen Reinlichkeitskult, der sich unter Führung des exaltierten Fust (Sam Louwyck) auf einer griechischen Insel der Seifenherstellung widmet. Klingt nach Satire und sieht auch so aus, allerdings unfreiwillig. Offenkundig wussten der Regisseur und sein Co-Drehbuchautor Lars Henning Jung bis zuletzt selbst nicht, welche Art Geschichte sie erzählen wollen: Eine Parodie auf mit obskuren Gesundheitsversprechen und "Cleansing" werbende Kosmetikmarken? Oder doch lieber einen konventionellen Thriller um einen perfiden Sektenguru?

A Pure Place Als solcher bleibt der seine Anhängerschaft mit Taschenspielertricks beeindruckende Fust so unterentwickelt wie der kindliche Hauptcharakter. Paul (Claude Heinrich) fürchtet um seine jugendliche Schwester Irina (Greta Bohacek), die aus den verdeckten Quartieren der als Kindersklaven schuftenden Erstlinge zu den in neoklassizistischen Gewändern wandelnden Erwachsenen befördert wurde. Gewichtige Themen wie Kinderarbeit, sexueller Missbrauch und psychologische Manipulation bis Massenmord werden aufgegriffen und prompt wieder fallengelassen. Die Motive der Protagonist*innen bleiben ähnlich verworren wie die Inszenierung. Deren blamable Billigbilder, hölzernes Schauspiel und platte Vers-Phrasen erinnern an einen Werbespot, der nicht nur Guru-geprägten Waschbarren verkaufen will, sondern mystifizierte Misogynie und Moralkonservativismus.  

Lida Bach / Wertung: * (1 von 5)

Quelle der Fotos: Koch Films


Filmdaten

A Pure Place


Deutschland 2021
Regie: Nikias Chryssos;
Darsteller: Sam Louwyck (Fust), Greta Bohacek (Irina), Claude Heinrich (Paul), Daniel Sträßer (Siegfried), Daniel Fripan (Albrich), Wolfgang Czeczor (Lehder), Lena Lauzemis (Maria), Mariella Josephine Aumann (Ulca) u.a.;
Drehbuch: Nikias Chryssos, Lars Henning Jung; Produktion: Alexis Wittgenstein; Kamera: Yoshi Heimrath; Musik: John Gürtler, Jan Miserre; Schnitt: Stephan Bechinger, Carsten Eder;

Länge: 91,10 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; deutscher Kinostart: 25. November 2021



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Kultdialog aus "Hasch mich, ich bin der Mörder" (1971) zwischen den Filmfiguren von Louis de Funès und Bernard Blier

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