17.01.2020

1917


In einer immer grauen Welt, auch an sonnigen Tagen. In diesem immer stillen Gräben, umgeben von schrecklichem Lärm. In dieser einsamsten Stunde, zwischen zehntausendsten. Alle sind sie unterschiedlich und alles sind Menschen, die eins verbindet, das Leben in der puren Hölle.

Film 1917 von Sam Mendes mit George MacKay (Mitte) Das Gefühl der totalen Hoffnungslosigkeit, eingehüllt in dem Drama des Krieges, gab es zuvor bei noch keinem Film. Nicht Tom Hanks, der nach dem Soldaten James Ryan sucht, nicht Martin Sheen, wenn er durch den Dschungel Vietnams tobt und auch nicht Robert De Niro beim Spiel des russischen Roulettes. Keiner von ihnen schaffte das, was George MacKay in seiner Rolle als Will Schofield in 119 Minuten schaffte. Ein Mensch, dem man noch während dieses Films ins Gesicht sieht und vollständige Leere entdeckt.

Wenn das ein Regisseur schafft, gehört er zu den Großen seines Jobs. Zu denen, die uns begeistert und verblüfft haben. Sam Mendes gehört nach "1917" in eine Reihe mit Charlie Chaplin, Billy Wilder und Martin Scorsese. Mit seinem Kriegsdrama von zwei Soldaten, die sich im Mantel des Ersten Weltkriegs durch die französische Landschaft hangeln, um einen bevorstehenden Angriff zu verhindern, schafft Mendes es, ein Abbild des Krieges zu porträtieren, was vor ihm kein Zweiter schaffte. Mit den Farben grau und schwarz malt Mendes ein Gemälde voll Elend, Schmerz und Trauer.

Film 1917: George MacKay Nicht die Tatsache, dass es so scheint, als wäre dieser Film nicht geschnitten, macht ihn besonders, sondern etwas ganz anderes, was nur durch diesen Geniestreich von Roger Deakins an der Kamera unterstrichen wird: das Gefühl, diesen Film auf einer riesigen Leinwand zu sehen. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Eine Größe geht von diesem Film aus, die nicht in Worte zu fassen scheint. Der Zuschauer fühlt sich in seinen Kinositz gepresst, sobald der dröhnende Score von Thomas Newman einsetzt und das Elend seinen Lauf nimmt.

"1917" ist ein Erlebnis von purem, gnadenlosem und schmutzigem Krieg. Um das zu sein, muss "1917" nicht laut und actionreich sein. Ganz im Gegenteil, Sam Mendes ist ruhig, zurückhaltend und lässt den Film für sich sprechen. Er lässt die Bilder von Deakins über die Leinwand gleiten und schaut dabei nur in das sprachlose Gesicht des Zuschauers, das so viel zu sagen vermag.  

Gregor Oldenburg / Wertung: * * * * * (5 von 5) 
 

Quelle der Fotos: 2019 Universal Pictures and Storyteller Distribution Co., LLC.

 
Filmdaten 
 
1917 (1917) 
 
GB/USA 2019
Regie: Sam Mendes;
Darsteller: George MacKay (Lance Corporal Schofield), Dean-Charles Chapman (Lance Corporal Blake), Daniel Mays (Sergeant Sanders), Colin Firth (General Erinmore), Pip Carter (Lieutenant Gordon), Andy Apollo (Sergeant Miller), Paul Tinto (NCO Baker), Josef Davies (Private Stokes), Billy Postlethwaite (NCO Harvey), Gabriel Akuwudike (Private Buchanan), Andrew Scott (Lieutenant Leslie), Mark Strong (Captain Smith), Benedict Cumberbatch (Colonel MacKenzie), Adrian Scarborough (Major Hepburn), Richard Madden (Lieutenant Joseph Blake) u.a.;
Drehbuch: Sam Mendes, Krysty Wilson-Cairns; Produzenten: Pippa Harris, Callum McDougall, Sam Mendes, Brian Oliver, Jayne-Ann Tenggren; Kamera: Roger Deakins; Musik: Thomas Newman; Schnitt: Lee Smith;

Länge: 119,23 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih der Universal Pictures International Germany GmbH; deutscher Kinostart: 16. Januar 2020



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<17.01.2020>


Zitat

"Das Buch hatte mir besser gefallen."

Jüdischer Humor von Regisseur Billy Wilder (1906 - 2002). So beantwortete er die Frage, was er vom Dokumentarfilm "Mein Kampf" von Erwin Leiser halte

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