23.10.2017

13 Semester

Die Zeit an der Universität ist wahrlich nicht nur zum Pauken da. Momo zum Beispiel, der Protagonist des Debütfilms "13 Semester", findet während seines BWL-Studiums nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu seiner Traumfrau. Er feiert Partys, lernt neue Freunde und das Leben kennen, scheitert ein ums andere Mal und steht nach mehr oder weniger langen Durchhängern immer wieder auf. Kurzum: Er durchlebt einen Reifungsprozess.

Regisseur Frieder Wittich erzählt diese klassische Coming-of-Age-Geschichte in einer episodisch angelegten, der Chronologie der Hochschul-Semester folgenden Komödie – von der Wohnungssuche in Darmstadt bis zur Diplomprüfung. Elliptisch werden die jeweils wichtigsten Ereignisse eines Halbjahres bilanziert, wobei die hübsche Studentin Kerstin (Claudia Eisinger) immer wieder einen Fixpunkt bildet, ist unser Protagonist Momo (Max Riemelt) doch über alle Maßen in sie verschossen.

Positiv am Drehbuch und der Inszenierung fällt auf, dass die klar gezeichneten Charaktere mit ihren Problemen, Ansichten und Eigenheiten mehr im realen Erleben verankert sind als das in solchen Komödien üblicherweise der Fall ist. Frieder Wittich wahrt durchgängig eine gewisse Bodenhaftung, gerade so, als habe er während seiner eigenen Studienzeit das Drehbuch vom Leben selbst abgeschrieben.

Eine zaghafte Botschaft ist die Erkenntnis, dass das Vertrauen in die persönlichen Fähigkeiten entscheidend von der Perspektive auf das eigene Leben abhängt, das nie nur von einer Warte aus betrachtet werden kann. Programmatisch dafür stehen drei Szenen, in denen Momo sein Auslandssemester in Australien (im Film mittels Fotografien visualisiert) mit drei völlig unterschiedlichen Gewichtungen erzählt – von der Don-Juan-Variante bis zur eifrigen Seminar-Belegung.

"13 Semester" bietet zwar nichts Neues (muss er ja auch nicht), verpackt seine Geschichte aber überaus eingängig und effektiv mit regelmäßigen Musikpassagen, die das Lebensgefühl greifbar machen, einer ökonomisch reduzierten Dramaturgie und treffsicherer Situationskomik. Heraus gekommen ist eine kurzweilige Komödie aus Deutschland, die sich durchaus sehen lassen kann.



Diese Filmkritik ist zuerst erschienen bei fluter.de.

 

Christian Horn / Wertung: * * * (3 von 5)



Filmdaten

13 Semester


Deutschland 2009
Regie: Frieder Wittich;
Darsteller: Max Riemelt (Momo), Robert Gwisdek (Dirk), Alexander Fehling (Bernd), Claudia Eisinger (Kerstin), Dieter Mann (Professor Schäfer) u.a.;
Drehbuch: Oliver Ziegenbalg, Frieder Wittich; Produzenten: Jakob Claussen, Uli Putz; Kamera: Christian Rein; Musik: Oliver Thiede; Schnitt: Marty Schenk;

Länge: 102 Minuten; FSK: ohne Altersbeschränkung; deutscher Kinostart: 7. Januar 2010



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"... Und dann ist der so klein. Da wusste ich, warum mir die Rolle angeboten wurde."

Schauspieler Jürgen Vogel spielt im demnächst in die Kinos kommenden Film "Der Mann aus dem Eis" Ötzi, dessen Leichnam er im Bozener Museum besucht hatte

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